Zehntausend Elefanten

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Buchprofile - Rezension
Ein alter Mann erzählt von seinen Diensten für Kolonialherren in Spanisch-Guinea.
Als 1944 eine Gruppe spanischer Fotografen und Kameraleute in die Kolonie Spanisch-Guinea reist, fängt der junge Ngono Mba an, als Diener für sie zu arbeiten. Einer von ihnen, Massa Sanjuán, hegt den Traum, einen mythischen Ort im Urwald zu finden, an dem sich 10.000 Elefanten aufhalten sollen. Doch alle Expeditionen, auf denen Ngono ihn begleitet, schlagen fehl, wie überhaupt jeglicher kultureller Austausch zum Scheitern verurteilt ist. Der lange Arm des Kolonialismus beherrscht jede Beziehung zwischen den Spaniern und den Guanianern. Was die Betrachter:innen und Leser:innen dieser Graphic Novel erwartet, ist ein Panorama an Erfahrungen in einem Land, das bis heute von der spanischen Kolonialherrschaft geprägt ist. Für Ngono bedeutet die Begegnung mit Sanjuán Gehorsam und Unterwerfung, aber auch ungläubiges Staunen über die technischen Leistungen der Weißen. Erst spät findet er Worte der Anklage. Für Sanjuán hingegen gibt der fremde Natur- und Kulturraum keinen Anlass, sich kundig zu machen über die Gegebenheiten seiner neuen Heimat. In dieser Geschichte findet tatsächlich kaum Kommunikation zwischen den Figuren statt; die Unterschiede scheinen unüberwindlich. Genau dieses Unvermögen abzubilden, gelingt der Illustrierung. Die Zeichnungen und Foto-Collagen, die schmalen Bildausschnitte, zerstückelten Panelfolgen und die Briefauszüge – dieses ganze große, so differenzierte Bildprogramm greift die biografischen Lebenslinien auf. Das so authentisch wirkende und hochartifizielle Bildprogramm vermag, die Kluft der Kulturen zu veranschaulichen. Hier liegt eine sehr wertvolle Arbeit vor: man lernt viel über die koloniale Macht und Prägung sowie über die Unvereinbarkeit von Lebensentwürfen. Dazu tragen auch die drei sehr lesenswerten Texte im Nachwort bei. So leistet diese berührende Graphic Novel einen wichtigen Beitrag zum Verständnis lange währender, staatlicher und persönlicher Gewalterfahrungen.
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Artikelbeschreibung

1944 reiste ein Team von Fotografen und Kameraleuten unter dem Mandat Francos nach Guinea, um das koloniale Leben in diesem ungewöhnlichen «Schwarzen Spanien» im Herzen Afrikas zu porträtieren. Einer dieser «Bilderjäger» war Manuel Hernández Sanjuán, der im Zuge seines zweijährigen Aufenthalts ein enormes, heute vergessenes Archiv anlegte.Die Geschichte seiner Expedition wird in Zehntausend Elefanten anhand der Erinnerungen von Ngono Mbá erzählt, einem der Träger, der an dieser seltsamen Reise teilnahm, die die erfundenen Wahrheiten des Regimes «dokumentieren» sollte: jene unauslöschliche Erinnerung, die bis heute die koloniale Vergangenheit Spaniens darstellt.

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Personeninformation

Pere Ortín (Sagunt, 1968) ist Journalist und Dokumentarfilmer. Er hat für Medien wie National Geographic, La Vanguardia, Geo und VSD geschrieben und als Reporter auf der ganzen Welt gearbeitet. Ramón Nze Esono Ebalé (*1977 in Micomeseng, Äquatorialguinea) ist bildender Künstler, Illustrator, Karikaturist und Comicautor. Er emigrierte nach Lateinamerika und lebt seit Kurzem in Spanien. Als er nach Äquatorialguinea zurückkehrte, wurde er von der Polizei verhaftet und nach fadenscheinigen Geldwäschevorwürfen im berüchtigten Black Beach-Gefängnis inhaftiert, weil er Karikaturen des Präsidenten veröffentlicht hatte. Nach einer Welle internationaler Proteste, bei der auch der PEN Austria beteiligt war, wurde er nach gut einem halben Jahr entlassen und ging neuerlich ins Exil.

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