Die Schuldlosen

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Buchprofile - Rezension
Nachkriegserleben der Kindergeneration auf dem Balkan.
Die junge kroatische Autorin ist eine weitere südosteuropäische Stimme, die sich mit ihrer Heimat, mit Krieg und Vertreibung, Herkunft und Zugehörigkeit auseinandersetzt. Dabei beleuchtet sie am Beispiel von Iris und ihrer Familie, welche Spuren der Krieg in den 1990er-Jahren hinterlassen hat, als der Vielvölkerstaat Jugoslawien zerbrochen ist. Als Kinder kehren Iris und ihr älterer Bruder Relja mit der Mutter Lenka nach dem Krieg in das Dorf ihrer Vorfahren im verlassenen Grenzland zu Bosnien zurück. Im halbzerstörten Haus machen sie sich mit dem Großvater an den Wiederaufbau. Viele Häuser in den umliegenden Dörfern sind zerstört und verlassen, die Landschaft tief verwundet, durch die die Geschwister gemeinsam mit dem Nachbarsjungen Nino streifen. Der Vater bleibt noch verschwunden. Sie werden im gezeichneten Land erwachsen, „erben“ Gewalt, üben Rache und suchen ihren individuellen Weg und die Liebe, ob in der Heimat oder anderswo. Die Zerstörung, die Vertreibung, der Hass, das Schweigen und das Nachwirken des Krieges in die nächste Generation werden eindringlich thematisiert, auch wenn der etwas sperrige (fragmentarisch, poetisch, mäandernd) Schreibstil zunächst gewöhnungsbedürftig ist. Empfehlenswert auch zum Thema Balkankriege: Jehona Kicaj „ë“ (BP/mp 25/1009).
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Artikelbeschreibung

Ein grenzüberschreitender Roman über eine furchtlose Frau.Iris und Relja kehren mit der Mutter zurück in das zerstörte Haus im Grenzland zu Bosnien. Die Geschwister und der Nachbarsjunge Nino durchstreifen das entvölkerte Dorf, baden im Fluss, erkunden Körper. Iris den eigenen und den von Nino. Nino hingegen träumt von ihrem Bruder Relja. Die symbiotische Dreierbeziehung zerfällt, Nino und Reljagehen fort, die eigenwillige Iris bleibt zurück. Kneipen, Lkw-Kabinen, Autorückbänke. Kompromisslos erkämpft sich Iris ein selbstbestimmtes Leben an der Schwelle zum neuen Jahrtausend, bewahrt sich ihre seelische Unversehrtheit in einer verwüsteten Welt. Rebellion und Selbstermächtigung einer jungen Frau, die auf den Ruinen der Väter eine Zukunft bauen muss.Ein literarisches Ereignis von seltener emotionaler Wucht.

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Personeninformation

Ena Katarina Haler wurde 1996 in Osijek/Kroatien geboren und lebt in Zagreb. Sie studierte Architektur und Stadtplanung in Zagreb. Ihr erster Roman Nadohvat (2019) wurde mit dem Ksaver-Sandor-Gjalski-Preis für die beste Prosa und dem Ivan-und-Josip-Kozarac-Preisfür das Buch des Jahres ausgezeichnet. Sie arbeitet am Institut für Kunstgeschichte und schreibt regelmäßig für die Wochenzeitung Express über Architektur, Stadterbe, Literatur und Film.

Pressestimmen

"Es gibt nur wenige Bücher, in denen die Erzählung so subtil und präzise aus Erinnerung gebaut wird. Unangenehm und schön ..." Miljenko Jergovic

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