Damenschach

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Buchprofile - Rezension
Transgendertrouble: Finn Job schickt seine Figuren in ein nicht unbedenkliches satirisches Kammerspiel.
Marie-Louise, kaum erwacht, langweilt sich. Trotz üppigen Frühstücks, serviert in einer exzentrischen Wiener Architektenvilla, trotz ihres 50. Geburtstages. Nach diesem schrägen Beginn löst Finn Jobs zweiter Roman zunächst den Ironiebonus ein, den er verspricht. Mit Champagner empfängt die wohlstandsverwöhnte Witwe ihren Hausfreund David, einen Psychoanalytiker, der partout nicht in einer Tragödie leben will, die blutig endet. Madame erwartet weitere Gäste, vor allem ihre Zwillingsschwester Marie-Claire, die nun als Mann lebt und Marius heißt. Es wird wenig gegessen und umso mehr getrunken, und der Stoff, aus dem die Dialoge sind, besteht aus Allgemeinplätzen über Feminismus und Rassismus, aus Fragmenten aus guten Gedichten und schlechten Erinnerungen – und kreist immer wieder um die Frage, warum es so schlimm sein soll, wenn Frauen keine Männer sein wollen und wann ein Mann ein Mann ist. Kaum ein Klischee wird ausgelassen und nicht auseinandergenommen. Aber naturgemäß gibt es darauf keine Antwort, sondern bloß kuriose Gespräche, die aber zusehends ins Ungewisse und Missverständliche abdriften, als es um Transgender-Themen und Misogynie-Theorien geht. Gewiss, das kann man mit der Absicht erklären, die Forderung nach gesellschaftlicher Wokeness als Überreiztheit abzutun. Aber unabhängig davon, ob es der Autor darauf angelegt hat, ist es nicht so schön, sich für die Figuren fremdzuschämen. Eine bissige Entlarvung einer überempfindlichen Gesellschaft, die sich als die bessere fühlt, und ein überzogenes Finale.
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Artikelbeschreibung

Eingeladen hat Marie-Louise niemanden, und doch klingelt ihr »Hausfreund« David, ausgestattet mit Blumen und Champagner, schon vor dem Frühstück. Sie ist noch im Pyjama. Angekündigt hat sich hingegen ihr eineiiger Zwilling, der neuerdings Marius heißt, um gemeinsam den runden Geburtstag zu feiern. Nur kommt er nicht allein. Seine Freundin Olivia weckt allerhand Begehrlichkeiten, und großen Hunger hat sie auch. Die Haushälterin Ivana führt unbemerkt Regie, behält die Ruhe und alles im Blick.Eine exzentrisch überfüllte Architektenvilla im Wienerwald wird zur Bühne dieser zunehmend schrillen Dinnerparty, die vom Pizzaservice beliefert wird. Die Stimmung ist ebenso angespannt wie erotisch aufgeladen. Es wird laufend nachgeschenkt und vor allem gestritten. Darüber, wie man wurde, was man ist, was gesagt werden darf und zu befürchten wäre und wohin das alles führen kann. Irgendwann fällt ein Schuss. Ob Marie-Luise am nächsten Tag zum Damenschach gehen kann, ist durchaus ungewiss.Dieser satirische Roman überzeichnet und entlarvt schwungvoll den grotesken Leerlauf der öffentlichen Rede. Eine intelligente, gegenwärtige Komödie in fünf Akten, die auch von den Sehnsüchten ihrer liebenswürdigen Figuren erzählt.

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Personeninformation

Finn Job, geboren 1995 in Hannover, lebt in Berlin und Wien. Er studierte vorübergehend Literatur, Philosophie und Kunstgeschichte. Gelegentlich schreibt er Essays, Glossen und Kurzgeschichten für deutschsprachige Zeitungen und Magazine. Sein Schreiben wurde unter anderem vom Deutschen Literaturfonds und vom Berliner Senat gefördert. 2022 erschien sein von der Presse hochgelobter Debütroman »Hinterher«.
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