Unerwünschte Töchter

Roman. Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2026
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Buchprofile - Rezension
Autobiografischer Roman der Autorin über ihre Vorfahrinnen, angefangen bei der Anfang des 20. Jh. im Dresdner Bildungsbürgertum aufgewachsenen Urgroßmutter bis hin zu ihrer eigenen Geburt 1967.
Carbes aus dem Bildungsbürgertum stammende Urgroßmutter Margarethe wächst in der Dresdner Villa „Parsifal“ auf. 1911, drei Monate vor der Geburt ihres Sohnes, heiratet sie Felix, der auch der Vater ihrer 1914 geborenen Tochter Marianne wird und im Ersten Weltkrieg stirbt. Danach heiratet Margarethe Felix Bruder Karl, mit dem die Familie immer wieder umziehen muss, weil Karl ständig seine Arbeitsstelle wechselt. Margarethes Tochter Marianne trifft es ebenfalls hart, als sie miterleben muss, wie ihre große Liebe Alfred, ein Sozialist, gegen seine Überzeugung Todesurteile im Sinne der Nazis signiert, bis er selbst ein Opfer des Kriegs wird. Mariannes und Alfreds Tochter Monika wird psychisch krank, beweist aber ihre Stärke, als sie 1967 trotz familiärer Einwände ihre dunkelhäutige Tochter Miriam (die Autorin) zur Welt bringt. – Aus Tagebüchern und dem Nachlass ihrer Vorfahrinnen entwickelt Carbe einen fiktiven Roman über deren Leben im Schatten zweier Weltkriege und in Ost und West. Sie alle haben nach innerer Freiheit und Glück gesucht und sich trotz unterschiedlicher Lebensentwürfe gegenseitig unterstützt. Ein lesenswertes Debüt, dem es an Authentizität seiner Figuren und Handlung nicht mangelt.
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Miriam Carbe verwandelt in ihrem Debüt die zahlreichen Tagebücher und Notizhefte ihrer Vorfahrinnen sowie ihre eigenen Erinnerungen in Literatur. Unerwünscht ist das kleinste gemeinsame Attribut, das die vier Frauen verbindet. Urgroßmutter Margarethe gilt in ihrer konservativen, bildungsbürgerlichen Dresdner Familie als rebellisch und somit schwer an den Mann zu bringen. Erst mit dreißig heiratet sie ihre große Liebe, nur um den Ehemann schon bald im Ersten Weltkrieg wieder zu verlieren. Ihre Tochter Marianne wächst im Gedankengut des Nationalsozialismus auf und wird 1944 von ihrem Vorgesetzten, einem Militärrichter, schwanger, der kurz vor Ende des Krieges fällt. Monika, ihre hochintelligente, aber seelisch instabile Tochter, verliebt sich Mitte der 1960er Jahre in einen nigerianischen Kommilitonen und bringt gegen den Willen ihrer Mutter und des Kindsvaters ein farbiges Baby zur Welt – Miriam, die Autorin dieses Buches. In der fehlenden Akzeptanz dieser Beziehung (nicht des Kindes!) kommt nicht nur der tief verwurzelte Rassismus der Großmutter ans Tageslicht, sondern auch der einer ganzen Generation.

Die Geschichte dieser vier Frauen, deren Leben von Goethe und Goebbels, von Krieg und Frieden, von Zuneigung und Zurückweisung bestimmt ist, wird niemanden kalt lassen. Und keiner wird umhinkönnen, die eigene Familiengeschichte zu hinterfragen.

Wer sich für herausragend gut erzählte Familienromane und für gelebte Zeitgeschichte interessiert, darf diesen Roman nicht verpassen.

Susanne Steufmehl, Medienberaterin Belletristik und Sachbuch
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Artikelbeschreibung

Vier Frauen, ein deutsches Jahrhundert und die Sehnsucht nach einem selbstbestimmten Leben: Miriam Carbes großer, mitreißender FamilienromanMargarethe, Marianne, Monika, Miriam. Vier Generationen. Sie lieben sich, sie tun sich weh, sie kämpfen um ihre Unabhängigkeit. Sie stammen aus dem Bildungsbürgertum Dresdens, die Männer und Väter fallen in den Weltkriegen. Zum schlimmsten Zerwürfnis kommt es nach der Übersiedlung in den Westen, als die hochintelligente, labile Enkelin Monika in den Sechzigerjahren gegen alle Widerstände ein uneheliches schwarzes Kind zur Welt bringen will. Die Autorin selbst ist dieses Kind. Menschlich, eindringlich und mitreißend macht Miriam Carbe ein ganzes Jahrhundert erlebbar. Wer dieses Buch liest, begegnet sich selbst und den eigenen Familiengeschichten. Episch und epochal - ein Meisterwerk.

Produktsicherheit

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Personeninformation

Miriam Carbe, geboren 1967, hat deutsche und nigerianische Wurzeln und wuchs in einer Familie von Frauen auf, die alle Tagebücher und Erinnerungsskizzen schrieben. Von ihnen erbte sie mehrere Kisten mit Notizbüchern, von denen die ältesten von 1908 stammen. Miriam Carbe hat drei Kinder und lebt in Frankfurt am Main. Sie arbeitet als Redakteurin bei Arte.

Pressestimmen

»Ein atmosphärisch dichter Blick in die deutsche Nachkriegsgeschichte.« Malena Ruder, NZZ am Sonntag, 28.06.26 »Mit 'Unerwünschte Töchter' beweist Miriam Carbe, dass große Erzählkunst manchmal gerade dann entsteht, wenn man den leisen Stimmen lauscht.« Undine Fuchs, Deutschlandfunk, Büchermarkt, 31.05.26 »Ein Roman, der nachwirkt und dazu anregt, über die eigene Familie und ihre Geschichten nachzudenken.« Irem Özkalgay, Harper's Bazaar, 27.05.26 »In ihrem Debütroman erzählt die Autorin von vier Frauengenerationen im 20. Jahrhundert: von Krieg, gesellschaftlicher Enge, sozialem Abstieg und dem Versuch, trotzdem ein selbstbestimmtes Leben zu führen.« Theresa Hübner, SWR Kultur, Lesenswert, 29.05.26 »Eine deutsche Epochen- und Mentalitätsgeschichte. Dass wir nun als Leser und Leserinnen von diesen Lebensgeschichten hören, ist ein großes Glück.« Joachim Scholl, Deuschlandfunk, Lesart, 23.6.26 »Miriam Carbe erzählt von Rassismus und Diskriminierung, aber auch von weiblicher Lebenskraft und familiärer Verbundenheit. Eine eindrucksvolle deutsche Jahrhundertgeschichte.« Thomas Hummitzsch, ORF, 31.05.26 »Die unbeirrbare erzählerische Kraft Miriam Carbes erschafft ein lebhaftes Panorama weiblicher Bürgerlichkeit zwischen 1912 und 1967. Trotz aller Fremdbestimmung ist die Stärke spürbar, die diese Frauen auch haben und um die sie wissen. Man will tatsächlich immer weiter streifen durch ihre Lebensgeschichten.« Hanna Meier, Kulturnews, 14.06.26 »Carbe schreibt sehr klar, präzise, es gibt gar kein Pathos. Stattdessen wirken viele Szenen genau deshalb so stark, weil sie emotional zurückgehalten erzählt werden.« Theresa Hübner, WDR, Westart, 26.06.26 »Miriam Carbe zieht mit ihrem Roman eine Linie durch die Zeit, im Versuch, zu verstehen. Eine deutsche Familiengeschichte, die sicher beispielhaft ist.« Valerie Bäuerlein, Berliner Morgenpost, 27.06.26 »Ein deutscher Jahrhundert-Roman.« Gerrit Bartels, Tagesspiegel, 11.07.26

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