Frau auf bloßen Füßen

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Buchprofile - Rezension
Hommage der Autorin an ihre ruandische Mutter Stefania, die als Tutsi 1994 mit der gesamten Familie - außer der im Ausland lebenden Tochter - Opfer des Völkermords wurde.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht der Alltag der im Exil in Nyamata lebenden Tutsi-Familien. Die Matriarchin Stefania, Mutter der Autorin, beschützt ihre Kinder vor dem Terror, der sie unaufhörlich bedroht: den mordenden und plündernden Hutu-Soldaten. Sie versucht, Traditionen zu bewahren und in Würde zu leben. Die Autorin zollt ihrer Mutter und den Frauen der Flüchtlingsdörfer, die die Kinder „umsorgt, beschützt, beraten und getröstet“ haben, Tribut. Sie erinnert sich an die Rituale, die ihre Kindheit prägten: an das Arrangieren von Hochzeiten, den Genuss von Sorghum-Bier, die Belohnung mit Brot und die Liebe der Frauen zur Pfeife. Von den Weißen wurden die Tutsi kategorisiert: “Schädel waren kaukasisch, unsere Profile semitisch, unsere Statur nilotisch”. Man erfährt viel von den Traditionen der Tutsi, sei es von der Bedeutung von Hirse für das Gemeinwohl und das Zusammenleben, oder von den Schönheitsidealen oder kulturellen Ritualen. Ihr christlicher Glaube vermischt sich häufig mit dem alten Glauben an die Naturgötter; Stefania betet zur Jungfrau Maria und zum Herrn der Geister, denn “es war besser, sich mit beiden gutzustellen”. Ein wichtiges und gut zu lesendes - weil sehr persönliches - Buch über das Leben der Tutsi in Ruanda bis zum Völkermord. Sehr empfohlen!
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Artikelbeschreibung

Die ruandische Autorin Scholastique Mukasonga erinnert sich an ihre Mutter Stefania. "Die Frau auf bloßen Füßen" ist eine Liebeserklärung an eine starke Frau, deren Obsession es war, ihre Kinder zu schützen: vor dem Verlust des kulturellen Erbes der Tutsi und vor allem vor dem gewaltsamen Tod. Es gelang ihr letztendlich nicht: Zusammen mit 36 Familienmitgliedern fiel Stefania 1994 dem Genozid in Ruanda zum Opfer. Die Autorin, einzige Überlebende, findet viele Jahre später eine wunderbar poetische, klare Sprache für die Erinnerung an das Leben ihrer Familie im kargen Südruanda, wo viele Tutsi-Familien in den 60er Jahren als Vertriebene lebten. Umgeben vom wachsenden Hass der Hutu hatte sich Stefania hier mit Stolz ein Leben in der Tradition ihrer Kultur erkämpft. Scholastique Mukasonga lässt den Alltag der Tutsi-Gemeinde mit Wärme und Humor wieder auferstehen. Sie gibt den namenlosen Toten des Völkermordes ihre Namen und Geschichten zurück und einer alten Kultur ihre Schönheit.

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Personeninformation

Scholastique Mukasonga, 1956 in Ruanda in eine Tutsifamilie geboren, erlebte schon als Kind den ethnischen Konflikt zwischen Hutu und Tutsi. Sie besuchte das Gymnasium in Kigali, schloss ihre Ausbildung zur Sozialarbeiterin im Exil in Burundi ab und arbeitete für UNICEF und die Weltbank. Mit ihrem französischen Ehemann ging sie 1992 nach Frankreich, wo sie heute mit ihrer Familie in der Normandie lebt. Der größte Teil ihrer Familie fiel dem Völkermord in Ruanda zum Opfer. Für ihre Romane, die die Ereignisse in Ruanda verarbeiten, wurde die Autorin mehrfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem "Prix Simone de Beauvoir pour la liberté des femmes 2021".
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