Sister Deborah

Roman | Der Messias ist eine Schwarze Frau!
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Buchprofile - Rezension
Ein Roman über Kolonialismus, Patriarchat und Religion, in dem Frauen Widerstand leisten.
Zwei Zeitebenen, zwei Frauenbiografien, zwei Kontinente – und die um Deutungsmacht und Einfluss konkurrierende Religionen. In den 1930er Jahren wird Sister Deborah, eine evangelikale US-Missionarin, in Ruanda für ihre Heilkräfte verehrt. Auch die kränkliche Ikirezi wird zu Sister Deborah gebracht und von ihren Leiden erlöst. Die von der Heilerin verkündete Lehre vom Messias als Schwarze Frau zieht vor allem eine stetig wachsende weibliche Anhängerschaft an, die bald eine feministische Revolution anzettelt. Denn die als Erlöserin erwartete „Himmlische Dame“ würde „der Knechtschaft, in die die Frauen geraten waren, ein Ende setzen“ und „in Ruanda ein Königreich der Frauen begründen.“ Diese Vision ruft gleichermaßen die weißen Kolonialherren wie auch die einheimischen Stammesführer auf den Plan, die Sister Deborah der Hexerei anklagen und sie aus dem Dorf verjagen – oder sogar umbringen? Zwei Jahrzehnte später macht sich Ikirezi, die als Kind von Sister Deborah geheilt wurde und die nun eine erfolgreiche Wissenschaftlerin an der Howard University in Washington ist, zu einer Recherchereise in ihr Heimatland auf. Das Ziel: Die Spuren der verschwundenen Prophetin und ihrer Jüngerinnen zu finden. – Der Roman ist schmal im Umfang, doch die Lektüre herausfordernd; die Handlung bewegt sich in einem erzählerischen Dickicht von Legenden, sich überlagernden und teilweise widersprechenden Erinnerungen und Überlieferungen. Mit der von Sister Deborah prophezeiten weiblichen Erlöserfigur konterkariert Scholastique Mukasonga den patriarchalischen Machtanspruch des Kolonialismus und die männliche Dominanz im Christentum – das ist gewagt und literarisch gelungen.
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Artikelbeschreibung

Ruanda in den 1930er Jahren: Während sich in Ostafrika immer mehr Menschen zum Christentum bekennen, verkündet Sister Deborah, eine Missionarin aus den USA, dass der Messias niemand anderes als eine schwarze Frau sein wird. Sister Deborah wird der Hexerei angeklagt und verschwindet auf mysteriöse Weise. Zwei Jahrzehnte später beschließt Ikirezi, eine geniale Akademikerin in Washington, die einst von ihr behandelt wurde, sich auf die Spuren der legendären Prophetin zu begeben. Sie taucht ein in die Vergangenheit, um ihre Geschichte zu erzählen, doch der Zauber von Sister Deborah ist gewaltiger als sie ahnt.

»In Sätzen von größter Schönheit und Bescheidenheit gibt uns Mukasonga eine Million Seelen zurück, die hinter dem Wort "Genozid" zu verschwinden drohten.« Zadie Smith

»Scholastique Mukasonga ist in Frankreich wie auch der anglophonen Welt längst auf große Resonanz gestoßen und für ihr Werk mit vielen Preisen geehrt worden. Es ist höchste Zeit, den erschütternden Geschichten, die sie zu erzählen hat, endlich auch bei uns mehr Aufmerksamkeit zu widmen.« FAZ  

»Mukasonga Scholastique ist die große Erzählerin der Mimikry. Mal mit Humor, mal mit unverstelltem Blick auf Gewalt zeigen ihre Geschichten, wie jene, die anderen ihre Kultur aufzwingen wollten, sich selbst unterwarfen.« Deniz Utlu

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Personeninformation

Scholastique Mukasonga, geboren in Ruanda, lebt und arbeitet in der Normandie. Ihre Romane erscheinen bei Gallimard. Sie wurde u.a. mit dem Prix Renaudot, dem Grand Prix SGDL de la nouvelle und dem Prix Simone de Beauvoir pour la liberté des femmes ausgezeichnet. 

Jan Schönherr lebt in München und hat Autor*innen wie Jack Kerouac, Jacques Poulin, NoViolet Bulawayo und Scholastique Mukasonga übersetzt. Für seine Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Arbeitsstipendium des Freistaats Bayern 2022.

Pressestimmen

»In ihrem neuen Roman spannt Scholastique Mukasonga auf knappem Raum sehr weite Bögen und erzählt eine große Geschichte in einer Abfolge prägnanter Szenen.« Tobias Döring Frankfurter Allgemeine Zeitung 20260121
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