Wie die Hasen

Roman
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Buchprofile - Rezension
Erinnerungen an die Mühlviertler Menschenjagd 1945 nach 70 Jahren.
Die Ich-Erzählerin Lisa, Lehrerin im österreichischen Linz, stammt aus einer Bauernfamilie, die im Februar 1945 einen russischen Gefangenen versteckte, der aus dem KZ Mauthausen hatte fliehen können. Ihre Großmutter ist zur Erzählzeit des Romans, 2015, die letzte Zeitzeugin, spricht bei allen Gedenkveranstaltungen und spaltet durch dieses auch unerbittliche Engagement ihre Familie. Doch Lisa und ihre Oma sind in dieser Sache und emotional eng verbunden. Auch Lisas Bruder Jakob trägt die Relevanz des Erinnerns für die Zukunft in seinem Handeln in sich. Und stellt sich mit einer Aktion seiner Studentengruppe gegen den eigenen Vater, der als Kommunalpolitiker versucht, ein Mahnmal im Ort zu verhindern. Das Leben dreht sich sehr rasch: Eine Alzheimererkrankung nimmt der Großmutter die Kraft, weiterhin bei Gedenkveranstaltung zu sprechen, und Lisa erwartet aus einem selbst herbeigeführten One-Night-Stand ein Kind. Ihren wegen schlechter Blutwerte früheren Eintritt in die Mutterschutzzeit nutzt sie statt zur Selbstsorge als Gelegenheit, täglich ihre Oma zu besuchen. Und weil 2015 die „Hasenhatz“ genannte Suche der geflohenen Gefangenen nach 70 Jahren in einem besonderen Festakt in Erinnerung gerufen werden soll, steht Lisa mit ihrer Großmutter auf dem Podium und spricht für sie, bis diese in einem lichten Moment – und weil Lisas Wehen einsetzen – sich noch einmal zu Wort meldet. – Anna Silber gelingt ein spannendes Zeitzeugnis, dessen familiären Dialoge in der Direktheit, Zartheit und Härte des Dialekts geschrieben sind. Kirchgang, Tischgebet und Segnen der Kinder beim Abschied sind als stabilisierende Rituale selbstverständlich. Dass über die Dominanz des Erinnerns die Sorge für das neue Leben sehr kurz kommt, ist entweder eine Schwäche des Buches oder kennzeichnend für die literarische Absicht der Autorin. – Empfehlenswert.
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Artikelbeschreibung

Am 2. Februar 1945 rettet die Bauernfamilie Reisinger einem sowjetischen Häftling das Leben, der aus dem KZ Mauthausen ausgebrochen ist, indem sie ihn in ihrer Scheune versteckt und so vor der Hetzmeute schützt. Siebzig Jahre später ist Paula eine der letzten Zeitzeuginnen des als »Mühlviertler Hasenjagd« in die Geschichte eingegangenen Pogroms - und die bestimmende Person im Leben ihrer Enkelin Lisa.Als Lisa ungeplant schwanger wird und Paula mit der Diagnose Demenz konfrontiert wird, gerät das Familiengefüge am Reisingerhof ins Wanken. Was wird aus Erinnerung, wenn sie den letzten Zeitzeuginnen entgleitet? Anna Silber erzählt von starken Frauen, vom kollektiven Gedächtnis und von Vorbildern, die nach und nach verschwinden.

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Personeninformation

Anna Silber wurde 1995 in Mödling geboren und wuchs in Deutschland auf. Sie studierte Transkulturelle Kommunikation und Internationale Betriebswirtschaft. Zahlreiche Förderpreise und Stipendien. Ihr Debütroman »Chopinhof-Blues« erschien 2022 im Picus Verlag, 2023 »Das Meer von unten«.
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