Wörterbuch der Sprache der Blumen

Roman
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Buchprofile - Rezension
Der vorletzte Roman des bekannten Autors Lobo Antunes gibt Einblick in ein wichtiges Kapitel der portugiesischen Zeitgeschichte.
Der vorletzte Roman des vielschreibenden portugiesischen Autors (1942-2026), im Original 2020 erschienen, dreht sich um eine politische Persönlichkeit, die zur Zeit der Diktatur eine herausragende Rolle spielte: Júlio Fogacho (1907–1980), hoher Funktionär der Kommunistischen Partei. Er wurde mehrfach verhaftet, gefoltert und verbrachte Jahre im Arbeitslager Tarrafal und in anderen politischen Gefängnissen. Aufgrund seiner nicht ganz konformen Linie mit der Parteispitze, v.a. aufgrund seiner Homosexualität hat ihn die Partei geächtet und letzten Endes fallengelassen. Fogacho, Spross einer Landgutsbesitzerfamilie, kommt selbst nie zu Wort, er huscht als Schatten seiner selbst durch die Buchseiten. Jene, die mit ihm zu tun hatten, berichten von ihm, sein Freund, seine Schwester, sein Geliebter oder seine Genossin – insgesamt 23 Stimmen, die mäandernd sich um die Figur bewegen, von jenem aufrichtigen und feinsinnigen Menschen erzählen, doch v.a. von sich selbst. In ihre Berichte lassen sie verschiedene Zeiten und Orte einfließen. Es sind stürmische und zugleich zögerliche innere Monologe, die ein Netz voller Erinnerungen an unglückliche Kindheiten, an Gewalt, Krankheit und Tod knüpfen. Was Fogacho betrifft, scheint keiner seiner Zeitgenossen dem anderen zu vertrauen. Und doch drückt jede Stimme auch Sehnsüchte aus, nach Verständnis und Nähe, nach Achtung und Liebe. Obwohl jede Figur sich um ihr eigenes Selbst dreht, erhaschen wir durch die vielen Puzzlestücke des Privaten einen Blick in die Zeitgeschichte, in das einst so verschlossene Land während der Diktatur. Die Lektüre ist anspruchsvoll, denn wir müssen kleinsten Hinweisen und flüchtigen Zeichen nachgehen, um die Zusammenhänge zu verstehen. Gerade dies begeistert Antunes-Fans, denn Sprache, unkonventionelle Bilder und ein beinahe meditativer Duktus ziehen uns in einen magischen Bann. Seiner langjährigen Übersetzerin dürfen wir dankbar sein, dass dies alles auch auf Deutsch gelingt, ihr Glossar ist sehr hilfreich.
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Artikelbeschreibung

23 Erzähler*innen, 23 Geschichten und ein Menschenleben.

Er ist gebildet, elegant und zurückhaltend. Er ist der Sohn einer verarmten Großgrundbesitzerfamilie. Und er ist aktives Mitglied der Kommunistischen Partei Portugals. Letzteres wird ihn in die Fänge der Polizei und schließlich in die entsetzlichen Gefängnisse des Salazarregimes bringen. Dass die Partei nicht zu ihm stehen wird - vermutlich wegen seiner Homosexualität -, ist nur eines von vielen weiteren Hindernissen auf seinem Lebensweg.

Der Roman »Das Wörterbuch der Sprache der Blumen« setzt Júlio Melo Fogaça, einer bedeutenden, aber in Vergessenheit geratenen Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts ein Denkmal. In dreiundzwanzig Kapiteln erzählen dreiundzwanzig Menschen, die ihm begegnet sind, die ihn gekannt, ihn geliebt haben, von ihrem Leben und von der Rolle, die er darin gespielt hat. Es ist die Erinnerung an ein Menschenleben und eine Geschichte von Sehnsucht und Hoffnung, Armut und Einsamkeit, Schönheit und Natur, die Weltliterat António Lobo Antunes in seiner einzigartig kunstvollen Sprache heraufbeschwört.

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Personeninformation

António Lobo Antunes wurde 1942 in Lissabon geboren. Er studierte Medizin, war während des Kolonialkriegs 27 Monate lang Militärarzt in Angola und arbeitete danach als Psychiater in einem Lissabonner Krankenhaus. Lobo Antunes zählte zu den wichtigsten Autoren der europäischen Gegenwartsliteratur. In seinem Werk, das in vierzig Sprachen übersetzt worden ist, setzte er sich intensiv und kritisch mit der portugiesischen Gesellschaft auseinander. Er erhielt zahlreiche Preise, darunter den »Großen Romanpreis des Portugiesischen Schriftstellerverbandes«, den »Jerusalem-Preis für die Freiheit des Individuums in der Gesellschaft« und den Camões-Preis. António Lobo Antunes starb im März 2026 im Alter von 83 Jahren. Maralde Meyer-Minnemann, geboren 1943 in Hamburg, erhielt 1992 und 2021 den "Hamburger Förderpreis für literarische Übersetzungen", 1997 den Preis "Portugal-Frankfurt", 1998 den "Helmut-M.-Braem-Preis" und wurde 2005, 2011 und 2013 für den "Preis der Leipziger Buchmesse" nominiert.

Pressestimmen

»Man mag den extremen Verismus der Anschaulichkeits- und Detailbesessenheit dieses Autors bewundern oder sich als Leser im Sprachdickicht dieses Verrätselungsvirtuosen verloren fühlen.« Sigrid Löffler / Falter
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