Nationalstraße

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Buchprofile - Rezension
Das Scheitern eines Mannes nach der politischen Wende in Prag.
Vandam lebt in einer Prager Plattenbausiedlung. In einem langen Monolog erzählt er seine traurige Geschichte. Er war im November 1989 bei der "samtenen Revolution" dabei und glaubt, der "Auslöser" gewesen zu sein. Er fristet ein einsames Dasein, da mehrere Versuche, ein normales Leben zu führen, gescheitert sind. Schauplätze sind seine Wohnung, der nahe Wald und eine Kneipe. Er ist ein zorniger Mensch, der gerne zur Faust greift, um (vermeintlichen) Beleidigungen etwas entgegenzusetzen. Auch die Ehe ist gescheitert; geblieben ist ein loser Kontakt zum Sohn, den er auch zu einem starken Menschen erziehen will. - Das trostlose Buch erzählt von einem Angeber, Hochstapler und Verlierer, der sich intensiv mit Geschichte auseinandersetzt, gleichzeitig aber nur ihm genehme Rückschlüsse zieht und sein Leben nicht in den Griff bekommt. Am Ende scheitert er endgültig. Anspruchsvoller und provozierender Roman, der geduldigen Lesern in größeren Büchereien empfohlen wird. (Übers.: Eva Profousová)
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Artikelbeschreibung

Frieden ist nur eine Pause zwischen zwei Kriegen

Vandam war einer von denen, die es losgetreten haben am 17. November 1989, als unten in der Prager Altstadt auf der Nationalstraße die samtene Revolution ins Rollen kam, die einige Wochen später das kommunistische Regime hinwegfegte. Damals war Vandam ein junger Polizist, ein Vorstadt-Held oben in der Plattenbausiedlung des neuen Prag, die dem Wald abgetrotzt mitten in rauer Natur liegt. Dort oben haben sie als kleine Jungs heimlich Krieg gespielt, dort hat Vandam nach seinem Vater gesucht, wenn der wieder einmal angedroht hatte, er würde sich erhängen, bis er am Ende doch übers Balkongeländer sprang.Fünfundzwanzig Jahre später wohnt Vandam immer noch in der Plattenbausiedlung seiner Kindheit. Längst ist er kein Held mehr, sondern ein Verlierer: Wegen Gewaltexzessen aus dem Polizeidienst entfernt, prügelt er sich als einsamer Schläger durch Tage und Nächte und hebt im Fußballstadion regelmäßig die rechte Hand zum Hitlergruß. 'Ich bin ein Römer. Kein Nazi. Warum sollte man in Europa nicht mit dem römischen Gruß grüßen dürfen? Ich bin ein Europäer. Ihr etwa nicht? Heil dem Volk! Heil Europa! Neger raus. Zigos raus. Sozialschmarotzer raus. Schwuchteln raus. Böhmen den Tschechen.'Gekonnt schlüpft Jaroslav Rudi¿ in diesem brillanten Monolog in den Kopf und den Körper eines Schlägers: 'Da wird mir das alles zu viel, meine Hand zuckt schon wieder, mein Herz pocht, ich spüre, wie sich alles in mir staut, wie es raus will, wie mein ganzer Körper kribbelt. Ich atme tief ein und aus, zum Schluss habe ich mich wieder.' Rudi¿ Buch gleicht einem Schlag in die Magengrube - und basiert auf einer realen Figur.

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Pressestimmen

«Wie Rudis das zuwege bringt, im Monster den Menschen zu entdecken, das macht die Lektüre seines Romans so aufregend.» Karl-Markus Gauss / Neue Zürcher Zeitung
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