Tunnel - eine israelische Satire

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Buchprofile - Rezension
Eine Gruppe Israelis und eine Gruppe Palästinenser bauen aus entgegengesetzten Richtungen einen Tunnel, bis sich ihre Wege kreuzen.
Eine Gruppe Israelis und eine Gruppe Palästinenser bauen aus entgegengesetzten Richtungen einen Tunnel, bis sich ihre Wege kreuzen ... Was wie der Anfang eines Nationalitäten-Witzes klingt, ist in Wahrheit die 280 Seiten starke Comicsatire "Tunnel" von Rutu Rodan. Hier bauen zwei Parteien unwissend voneinander einen unterirdischen Gang Richtung Westbank; selbstverständlich, um den Frieden in Form religiöser Artefakte zu sichern. Der israelisch-palästinensische Konflikt findet in diesem Comic eine so groteske, ja witzige Darstellung, dass durchaus von einem Lehrstück gesprochen werden kann. In viereinhalb Kapiteln inszeniert Rutu Rodan mit ihren Comicbildern ein Action-Abenteuer zwischen großer Politik und den Sorgen des alltäglichen Lebens. Im sogenannten "ligne clair"-Stil (franz. "klare Linie") stark vereinfacht gezeichnet, wirkt Rodans Geschichte inhaltlich umso verwickelter. Alles in allem wirken israelische wie palästinensische Protagonisten hier einfach sehr menschlich, da sie ja allesamt Tunnelbauer sind. Für jugendliche und erwachsene Leser/-innen aller Büchereien sehr empfehlenswert.
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Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur Extrablatt empfiehlt:
Israel, an der Grenze zum Westjordanland. Eine zusammengewürfelte Gruppe unter der Leitung der Tochter eines berühmten Archäologen beginnt eine illegale Tunnelgrabung. Ihr Ziel: die verschollene Bundeslade. Als sie unter der Erde auf zwei aus der anderen Richtung kommende Palästinenser treffen, wird die Lage chaotisch. Allianzen und Absichten sind wechselhaft, fast jede/r spielt ein doppeltes Spiel und am Ende ist es der Zufall, der eine letzte böse Wendung bringt. Rutu Modans satirische Graphic Novel zeigt in rasanten Wendungen die Absurdität einer Gesellschaft im permanenten Kriegszustand.

Artikelbeschreibung

Eine politische Abenteuergeschichte

"Dies ist mein politischstes und komischstes Buch zugleich", sagt die israelische Comiczeichnerin Rutu Modan. Mit ihrer neuen Graphic Novel zeigt sie, wie man mit den Mitteln der Satire sehr unterhaltsam gegen die Verbohrtheit und für den Frieden kämpfen kann.

Die Suche nach der Bundeslade

Sperranlagen an Grenzen bringen die Menschen dazu, nach Möglichkeiten zu suchen, sie zu umgehen. Stellen Sie sich vor, eine Gruppe Israelis baut einen Tunnel in die Westbank, weil sie dort religiöse Artefakte vermutet. Ebenso zielstrebig bauen Palästinenser in entgegengesetzter Richtung ihren unterirdischen Gang. Als sich diese Wege kreuzen, müssen sie sich irgendwie arrangieren, wenn sie nicht auffliegen wollen.

Eine Gesellschaftssatire

In diesem Comic vermischt Rutu Modan eine Abenteuergeschichte, die an Indiana Jones erinnert, mit einer Gesellschaftssatire über den israelisch-palästinensischen Konflikt. Die Finessen und Wendungen in diesem Comic sind ebenso vielfältig und kompliziert wie in der Lebenswirklichkeit vieler Menschen in Israel und dem Westjordanland. Dabei hält sie sich mit eindeutigen, gar plumpen Meinungsäußerungen zurück, und konzentriert den Blick stattdessen auf die Protagonisten dieses grotesken Stücks: Ärchäologen, Schatzsucher, Schmuggler, die zufällig auch Israelis, Palästinenser oder einfach Menschen sind, die unterhalb der großen Politik ihr Leben meistern müssen. Selten wurde dieser große Konflikt so anregend, so komisch, so abenteuerlich dargestellt!

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Personeninformation

Rutu Modan ist 1966 in Tel Aviv geboren, wo sie als Comicautorin und Illustratorin arbeitet. In Israel mehrfach als Kinderbuchautorin ausgezeichnet, wurde sie international als Comiczeichnerin bekannt dank Actus Tragicus, einem israelischen Künstlerkollektiv und Verlagshaus für alternative Comicautoren. Actus Tragicus wurde 1995 von Mira Friedmann, Batia Kolton, Rutu Modan, Yimri Pinkus und Itzik Rennert gegründet und hat sich international einen ausgezeichneten Ruf erworben. Nach dem erfolgreichen Abschluss ihrer Ausbildung an der Bezalel Academy of Art and Design in Jerusalem (1992), begann sie regelmäßig Comic-Strips und Geschichten in führenden Zeitungen Israels zu veröffentlichen. 2001 gewann sie den Andersen Award für Illustration. Außerdem war sie Mitherausgeberin der israelischen Ausgabe von MAD-Magazine. Seit 2005 gehört sie zu den von der Israel Cultural Excellence Foundation (IcExcellence) ausgezeichneten "hervorragenden Künstlern Israels". Im November 2006 wurde ihre Graphic Novel "Blutspuren" (im Original: "Exit Wounds") veröffentlicht und löste damit in der Presse und bei ihren Lesern große Begeisterung aus. Die französische Ausgabe wurde im Frühling 2008 beim renommierten internationalen Comic-Fesitval in Angoulême mit dem Prix France Info ausgezeichnet. Rutu Modan ist in Israel und im Ausland als Illustratorin und Texterin tätig, sie hat bereits für die New York Times, den New Yorker und Le Monde gearbeitet und veröffentlicht ihre Werke weltweit. "Das Erbe" ist ihre zweite Graphic Novel, die zum Teil autobiographisch ist.

Pressestimmen

"Die Lektüre mit den zahllosen bizarren Wendungen ist ein einziges Vergnügen [...]." Andreas Platthaus Frankfurter Allgemeine Zeitung 20210107
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