Der alte Westen und der neue Süden

Was wir von Indien lernen sollten, bevor es zu spät ist | Das indische Jahrhundert beginnt - aber wo bleibt Europa?
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Buchprofile - Rezension
Indien aus der Nähe betrachtet.
Walter Lindner hat sein ganzes Berufsleben im diplomatischen Dienst verbracht und ist als etwas unkonventioneller Vertreter Deutschlands bekannt geworden. Seine letzte berufliche Station war der Posten als Botschafter in Delhi von 2019 bis 2022. Schon als Student hat Lindner den indischen Subkontinent ausführlich bereist und hat sich in den Bann der vielfältigen Kulturen ziehen lassen. Indien ist laut und dreckig, ein Land voller Gegensätze, von tiefer Spiritualität im Alltag geprägt, das bevölkerungsreichste Land der Erde. Indien ist vielsprachig und viele Inder streben nach Bildung und damit verbundenem sozialem Aufstieg. Lindner beschreibt vor dem Hintergrund seiner subjektiven Erfahrungen das riesige Land, unterfüttert mit vielen Fakten. Er will unseren Blick weg vom eurozentrischen Weltbild auf den indopazifischen Raum orientieren und uns die geopolitischen Auswirkungen des Aufstiegs der Atommacht Indien erklären. – Ein ganz aktuelles, unterhaltsam lesbares Buch über Indien, dem viel Leser zu wünschen sind.
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Artikelbeschreibung

Die Überheblichkeit des Westens. Oder: Was können wir von denen schon lernen? 

Das geopolitische Koordinatensystem kannte lange nur zwei Achsen: Ost und West. Mehr und mehr kommt eine neue hinzu: der Süden. Und wie man sehr gut am Beispiel Indien ablesen kann, ist er alles, was der Westen nicht ist: jung, dynamisch, innovativ. Das bevölkerungsreichste Land der Erde wird als gigantischer Absatzmarkt, Fachkräftereservoir und IT-Hub umworben wie kein anderes. Es zeigt auch, dass Demokratie nicht immer so aussehen muss wie einst in der alten Bundesrepublik in Bonn am Rhein. Zugleich sorgt Indien mit Hindu-Nationalismus und Kastenwesen, bedrückender Armut und Gewalt gegen Frauen für negative Schlagzeilen.

Walter J. Lindner hat als Botschafter und auf vielen Reisen das Land der Gegensätze kennengelernt wie wenige sonst. Er erzählt, wie Indien wirklich ist und warum wir nicht vergessen sollten, dass auch wir Deutschen auf dem Boden einer kolonialen Vergangenheit stehen, deren Folgen bis heute nachwirken.

Am Beispiel Indien zeigt Lindner, wie wir gemeinsam mit dem Globalen Süden eine Welt gestalten können. Denn China und Russland stehen schon bereit, um jede Lücke zu nutzen, die wir ihnen lassen.


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Personeninformation

Walter J. Lindner, geboren 1956 in München, studierter Jurist und ausgebildeter Musiker, war Botschaftsrat bei den Vereinten Nationen in New York, später Pressesprecher von Joschka Fischer und Staatssekretär im Auswärtigen Amt unter Sigmar Gabriel. Als Botschafter diente er Deutschland in Kenia, Somalia, Südafrika und Venezuela, bevor er sich 2019 mit dem Botschafterposten in Indien einen Lebenstraum erfüllte: Schon in den 1970er-Jahren hatte er das Land bereist, nun bildete es den Schlusspunkt seiner diplomatischen Karriere. Seit 2022 ist Lindner zurück in Deutschland und widmet sich mit Leidenschaft seinem zweiten Leben als Pianist, Komponist und Musikproduzent.

Heike Wolter, geboren 1976 in Berlin, ist promovierte Historikerin, Pädagogin und Lektorin. Als Ghostwriterin und Mitautorin hat sie Sachbücher zu unterschiedlichen Themen verfasst.


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