Drei Schwestern

Roman | Der neue Roman des gefeierten Erzählers und Bestseller-Autors | »Große Leseempfehlung.« Dora Heldt
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Buchprofile - Rezension
Wie drei Schwestern ihrer prekären Herkunft entkommen wollen.
Es sind nicht kriminelle Clans oder mafiöse Strukturen, denen die drei Schwestern der Familie Wagner angehören und denen sie zu entfliehen versuchen – jede auf ihre Art. Christian Baron zeichnet in seinem Roman nach, wie schwierig der Aufstieg aus dem Arbeitermilieu in den 1980er Jahren auch und gerade für junge Frauen in Westdeutschland ist. Bei den durch starre Klassismus-Raster vorbestimmten weiblichen Biografien geht es nicht allein um Bildungsdefizite, trostlose Wohnungsverhältnisse oder prekäre Jobs; es geht auch um die durch Gewalt oder Alkoholismus gekennzeichneten Ehe- und Familienbeziehungen. Verweise auf die Persönlichkeiten und Referenztexte der feministischen Literatur und Politik findet man im Roman mehr als genug – sei es durch die Titel einzelner Kapitel (etwa "Ein Zimmer für sich allein") oder den beschriebenen Auftritt der Grünen-Politikerin Petra Kelly. Aber gelingen die Auf- und Ausbrüche der drei so unterschiedlichen Schwestern tatsächlich? Findet man als "Arbeitermädchen" Akzeptanz in der bürgerlichen Schicht oder in einer studentischen WG-Kommune? Da ist einmal Ella, die viel Wert auf Status und Wohlstand legt und die sich in eine Ehe mit dem spießigen Beamten Norbert flüchtet, die lieb- und kinderlos bleibt. Da ist Mira, die als Teenagerin ein totes Baby zur Welt bringt, nach Westberlin abhaut, sich in der linken Szene Kreuzbergs weg von den gelegentlichen Putzjobs ein Leben als Dichterin erträumt – und die dennoch nach Kaiserslautern zurückkommt und sich auf eine Beziehung mit dem Möbelpacker Ottes einlässt. Und da ist die Jüngste, Juli, renitent und aufmüpfig, die von der Schule fliegt und sich impulsiv gegen alles und jeden auflehnt. Alle drei Protagonistinnen zeichnen sich durch den unbedingten Willen aus, aus den sozialen Prägungen auszubrechen. – Eine gelungene – und leider weiterhin äußerst aktuelle – literarische Verarbeitung der sozialen Ungleichheit.
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Artikelbeschreibung

Unterschiedlicher könnten Mira, Juli und Ella kaum sein - und doch sind sie geeint in ihrer Sehnsucht nach jener großen Freiheit, die im Westdeutschland der Achtzigerjahre ein süßes Versprechen war. 

Mira ist sechzehn, da erleidet sie eine Totgeburt. Der Vater des Kindes ist fort, doch tröstet sie der schillernde Nachbarsjunge Ottes. Sie will ausbrechen aus den Zwängen des proletarischen Elternhauses, politisiert sich und träumt vom Dasein als Dichterin. Juli, die jüngste Schwester, beschützt und bevormundet Mira, die sich nicht abhängig machen soll von einem Mann. Erst recht nicht von Ottes, dem Juli nichts Gutes zutraut. Darüber vergisst sie jedoch, den eigenen Weg zu finden. Die große Schwester Ella hat einen sozialen Aufstieg durch Heirat hinter sich und wird durch die Probleme der Jüngeren in die Muster ihrer Vergangenheit katapultiert. Muss es Mira und Juli nicht gelingen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, wo doch scheinbar alles möglich ist? 

Zum Abschluss seiner Kaiserslauterer Trilogie erzählt Christian Baron von einer Welt, die Frauen alles verspricht, gegen deren unsichtbare Mauern die drei Schwestern aus "einfachen Verhältnissen" in der Klassengesellschaft aber unablässig anrennen müssen. Ein zärtlicher Roman über Mut und Aufbruch, über das Fallen und Weitermachen - und immer wieder über die Hoffnung und die Liebe. 

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Personeninformation

Christian Baron, geboren 1985 in Kaiserslautern, lebt als freier Autor in Berlin. Nach dem Studium der Politikwissenschaft, Soziologie und Germanistik in Trier arbeitete er mehrere Jahre als Zeitungsredakteur. 2020 erschien bei Claassen sein literarisches Debüt Ein Mann seiner Klasse, wofür er den Klaus-Michael-Kühne-Preis und den Literaturpreis »Aufstieg durch Bildung« der noon-Foundation erhielt.  Die von ihm zusammen mit Maria Barankow herausgegebene Anthologie Klasse und Kampf erschien 2021 bei Claassen.

Pressestimmen

»Mich hat selten ein Autor so berührt. Enorm gut erzählt ... Ein besonderes Buch. Ein besonderer Autor. Große Leseempfehlung.« Dora Heldt Dora Heldt trifft... Podcast 20251017
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