Die Welt und alles, was sie enthält

Roman | »Ein atemberaubender Roman von ebenso großer Schönheit wie Brutalität.« Douglas Stuart
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Buchprofile - Rezension
Der lange Lebens- und Leidensweg des Rafo Pinto aus Sarajevo in der ersten Hälfte des 20. Jh.
Der junge Arzt Rafo Pinto stammt aus einer sephardischen bosnischen Familie. Er erlebt zufällig die Schüsse auf den österreichischen Kronprinzen in Sarajevo und wird als Soldat an die galizische Front geschickt. Dort trifft er Osman, der die Liebe seines Lebens wird. Als Kriegsgefangene werden die beiden nach Taschkent deportiert und landen dabei in den Wirren der Russischen Revolution. Beim Versuch zu entkommen, werden sie getrennt. Pinto und eine schwangere Frau entkommen nach Usbekistan; bei der Geburt stirbt die Frau und Pinto versucht, mit dem Neugeborenen weiter zu fliehen, mit der Idee, irgendwann nach Sarajevo zurückzukehren. Mit anderen Flüchtlingen überlebt er einen Sandsturm in der Wüste Takla-Makan und schlägt sich in etlichen Jahren bis Shanghai durch. Das Mädchen Rahela wächst trotz aller Widrigkeiten heran und verliebt sich in einen amerikanischen Spion. Währenddessen verfällt Pinto, der sich als Arzt für Prostituierte durchschlägt, dem Opium. Rahela wird mit ihrem Mann beim Einmarsch der Japaner evakuiert. 1949 kehrt sie, kurz bevor die Kommunisten die Stadt einnehmen, zurück, um nach Pinto zu suchen. Denn über einen britischen Geheimdienstoffizier, dem Pinto mehrfach begegnet ist, hat sie erfahren, dass ihr Ziehvater noch lebt. - So aufgeklärt sich der junge Pinto gibt, ist er bis ans Ende seines Lebens doch tief im Glauben seiner Väter verankert. Durch die vielen schrecklichen Erlebnisse - an der Front und in den Weiten Asiens - entwickelt er einen ausgeprägten Fatalismus. Für ihn ist Gott untätig und fern, die Menschen und ihre Schicksale berühren den Schöpfer nicht. Und dennoch reflektiert er seine Erfahrungen an dessen Bild. Der Autor beschränkt sich weitgehend auf Darstellungen der Gefahren und Leidenssituationen, zum Beispiel greift er in Shanghai die Beschießung durch japanische Truppen heraus und schildert sie detailreich, während er die Jahre zuvor nur in wenigen Sätzen streift. Eindrucksvolle Lektüre.
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Artikelbeschreibung

Der lang erwartete neue Roman von Aleksandar Hemon

Als Erzherzog Franz Ferdinand an einem Junitag des Jahres 1914 in Sarajevo eintrifft, ist Rafael Pinto damit beschäftigt, hinter dem Tresen der Apotheke, die er von seinem Vater geerbt hat, Kräuter zu zerkleinern. Es ist nicht ganz das Leben, das er sich während seiner Studententage im libertären Wien vorgestellt hatte, aber es ist nichts, was ein Schuss Laudanum, ein Spaziergang und Tagträumereien nicht in Wohlgefallen auflösen könnten.

»Als Schriftsteller ist sich Hemon bewusst, wie trickreich man Erinnerungen verfälschen kann, damit sie literaturtauglich werden. Für die Leser sind sie ein Geschenk.« NZZ 

Und dann explodiert die Welt. Der Krieg verschlingt alles, was er kannte, und das Einzige, worauf Pinto hinlebt, ist die Zuneigung von Osman, einem Kameraden, einem Mann der Tat, der Pintos poetische Seele komplementiert. Ein charismatischer Geschichtenerzähler und Pintos Beschützer und Liebhaber.

Gemeinsam entkommen Pinto und Osman den Schützengräben und geraten in die Fänge von Spionen und Bolschewiken. Während sie über Berge und durch Wüsten reisen, von einer Welt in die andere, bis nach Shanghai, ist es einzig Pintos Liebe zu Osman, die überleben wird.

Die große, zärtliche, mitreißende Geschichte umspannt Jahrzehnte und Kontinente  -  und wird Sie erschüttern, wie es die Bücher von Hanya Yanagihara und Douglas Stuart vermögen. 

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Personeninformation

Aleksandar Hemon wurde 1964 in Sarajevo geboren. 1992 hielt er sich im Rahmen eines Kulturaustauschs in den USA auf, als er von der Belagerung seiner Heimatstadt erfuhr. Er beschloss, im Exil zu bleiben. Seit 1995 schreibt er auf Englisch und veröffentlicht regelmäßig unter anderem in «The New Yorker», «Granta» und «The Paris Review». Sein Erzählband «Die Sache mit Bruno» erschien 2000, 2002 folgte der Roman «Nowhere Man», der für den «National Book Critics Circle Award» nominiert war. Die MacArthur Foundation zeichnete Hemon 2004 mit dem «Genius Grant» aus. Spätestens seit seinem international gefeierten Roman «Lazarus», der in Deutschland auf der Shortlist des Internationalen Buchpreises 2009 stand, gehört er zu den meist beachteten Stimmen der amerikanischen Gegenwartsliteratur. 2013 erschien «Das Buch meiner Leben». Hemon lebt mit seiner Familie in Chicago.

Henning Ahrens, geb. 1964, lebt in Frankfurt a. M. Veröffentlicht als Autor Lyrik und Prosa; zuletzt erschien sein Roman »Jahre zwischen Hund und Wolf«. Er übersetzte Lyrik, Kinder- und Jugendbücher sowie zahlreiche Romane aus dem Englischen, darunter solche von Saul Bellow, Jonathan Safran Foer, Richard Powers und Hanif Kureishi.

Pressestimmen

»Der in Bosnien geborene, in den USA lebende und auf Englisch schreibende Autor wird wegen seiner erzählerischen Bravour, seiner fabulierenden Lust und List zu Recht mit dem literarischen Migranten Vladimir Nabokov verglichen.« Franz Haas Neue Zürcher Zeitung 20240425
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