Der Vorweiner

Roman | Nach der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2020: Der neue Bov Bjerg!
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Buchprofile - Rezension
Auch in einer pessimistischen Zukunftsbeschreibung ringen die Menschen um Zuneigung.
Anna und Berta, Mutter und Tochter, leben nach klimawandelbedingten Naturkatastrophen und Kriegen in einer dystopischen Gesellschaft - vielleicht am Ende dieses Jahrtausends. Mit manchen Anleihen an George Orwells "1984" sehnen sich beide, auf einem Betonhochplateau in einem Rest-Westeuropa lebend, nach menschlicher Nähe. Ihre Gesellschaftsschicht leistet sich für den Fall ihres Todes einen "Vorweiner". Dafür kommen nur erfolgreich geflüchtete Männer, die in Übergangslagern leben und von einer staatlichen Kontrolle verwaltet werden, infrage. Die konnten sich aus Erdteilen, die inzwischen überschwemmt worden sind, in diese Lager retten. Trauer und Tod scheinen so erfolgreich von Dienstleistern übernommen und aus einem familiären Zusammenhang verbannt worden zu sein. Sehnsüchte, soziale Beziehungen, alltägliche Unterstützung erhält die Oberschicht von Mitgliedern einer Niederschicht. "Betäuber", "Gottes Auge" oder "Chirurgen" treten als Institutionen der Lenkung der Welt auf. Berta muss in Annas Anwesen dem Vorweiner weichen, distanziert sich mit einem Partner in eine eigene Umgebung, bis sie nach vielen Wirren als Erbin ohne Partner das Reich der Mutter übernimmt. - Diese Dystopie, also eine Erzählung mit einem nicht wünschenswerten Zukunftsentwurf und ohne Hoffnung, spielt eruptiv, in verknappter Sprache mit Optionen für eine Weltentwicklung. In der Kürze des Textes werden die Dimensionen der Gesellschaftsordnung kaum erkennbar in Verbindung zueinander gebracht.
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Artikelbeschreibung

Der neue große Roman des Bestsellerautors von "Auerhaus" und "Serpentinen" 

Resteuropa, Ende des Jahrhunderts. Bürgerkriege und Naturkatastrophen haben die Welt verwüstet. Eine dicke Schicht Beton hebt den Rumpfkontinent über den steigenden Meeresspiegel. In den Auffanglagern Neuschwanstein und Neulübeck versammeln sich dänische, ghanaische oder niederländische Geflüchtete. Einer von ihnen ist Jan.  

Mit nichts am Leib tritt er in die Dienste von A. wie Anna. Für sie war es höchste Zeit, sich einen Trauergastarbeiter zuzulegen.  

Tränen bringen Prestige, und nur wer über einen fähigen Vorweiner verfügt, um den wird am Ende überzeugend geweint. Zu echter Trauer ist ohnehin niemand mehr in der Lage. Auch nicht B. wie Berta, Annas Tochter. Berta ist die Erzählerin und das lidlose Auge unserer Geschichte. Und wie sie erzählt: furios, komisch und ohne Mitleid.  

Bov Bjergs neuer Roman ist ein kühner Wurf: barock wie ein Menuett, gegenwärtig wie ein Liveticker, fernsichtig wie eine Vorhersage. Und mit absolutem Gehör für Sprache und ihre Möglichkeiten komponiert. Der Vorweiner ist ein preiswürdiges Erzählkunstwerk über eine Welt, die in Staunen versetzt.

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Personeninformation

Bov Bjerg, geboren 1965, ist Schriftsteller und Vorleser. Sein erster Roman hieß »Deadline«, sein zweiter, »Auerhaus«, wurde verfilmt und von vielen Theatern inszeniert. Eine Geschichtensammlung erschien unter dem Titel »Die Modernisierung meiner Mutter«.
Mit »Serpentinen« war Bov Bjerg auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2020.

Pressestimmen

»Bov Bjerg hat ein neobarockes Kunstwerk verfasst, das in der zeitgenössischen Literatur seinesgleichen sucht.« Carsten Otte SWR
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