Die Außenseiter

Flucht, Flüchtlinge und Integration im modernen Europa
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Buchprofile - Rezension
Eine Geschichte der Flucht und Geschichten Geflüchteter.
Die Debatte um die Flüchtlinge, die 2015 nach Deutschland kamen, nimmt nicht ab. Man könnte meinen, dass noch nie solch eine Menge an Vertriebenen und Flüchtlingen unterwegs gewesen ist. Liest man das Buch von Philipp Ther und schaut damit gezielt in die Geschichte der Fluchtbewegungen, erkennt man das Gegenteil. Der Autor spannt den Bogen von den Hugenotten über den Zweiten Weltkrieg bis heute, doch er gliedert sein Buch nicht etwa chronologisch, sondern nach Fluchtursachen. Die drei großen Kapitel nennt er: "Religiöse Konflikte und Glaubensflüchtlinge", "Flucht vor dem Nationalismus und nationale Solidaritäten" sowie "im Zeitalter der Ideologien - politische Flüchtlinge". Zeichnungen heben Einzelschicksale hervor. Der Osteuropa-Historiker schreibt niemals abgehoben und immer mit einem immensen Fachwissen. - Empfohlen für alle Bestände.
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Artikelbeschreibung

Flucht und Integration gehören zu den beherrschenden Themen der Gegenwart. Sie sind ein maßgeblicher Grund für den Aufstieg rechtspopulistischer Parteien und drohen, die EU zu spalten. Ein Blick in die Tiefen der Geschichte relativiert allerdings die »Flüchtlingskrise« des Jahres 2015. Seit 1492 die sephardischen Juden von der iberischen Halbinsel vertrieben wurden, ist Europa immer ein Kontinent der Flüchtlinge gewesen.

Philipp Ther geht den Gründen der Flucht nach: religiöser Intoleranz, radikalem Nationalismus und politischer Verfolgung. Anhand von Lebensgeschichten veranschaulicht er die Not auf der Flucht, identifiziert Faktoren für gelingende Integration und erörtert das wiederholte Versagen der internationalen Politik sowie die Lehren, die daraus etwa in der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 gezogen wurden. Der Humanitarismus ist, wie Ther zeigt, in der Flüchtlingspolitik stets brüchig gewesen. Doch auch wenn heute einmal mehr die Angst vor einem Scheitern der Integration dominiert, haben die Zielländer fast immer von der Aufnahme von Flüchtlingen profitiert. Das belegt insbesondere die deutsche Nachkriegsgeschichte, als gerade die junge Bundesrepublik zu einem Flüchtlingsland wurde.

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Personeninformation

Ther, PhilippPhilipp Ther, geboren 1967, ist ein deutscher Sozial- und Kulturhistoriker. Nach Stationen u. a. an der FU Berlin, der Viadrina in Frankfurt/Oder, an der Harvard University und am European University Institute in Florenz ist er seit 2010 Professor am Institut für Osteuropäische Geschichte der Universität Wien. Seine Bücher Die dunkle Seite der Nationalstaaten. »Ethnische Säuberungen« im modernen Europa (2011), Die neue Ordnung auf dem alten Kontinent. Eine Geschichte des neoliberalen Europa (2014) und Die Außenseiter. Flucht, Flüchtlinge und Integration im modernen Europa (2017) wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet, Die neue Ordnung auf dem alten Kontinent u. a. mit dem Sachbuchpreis der Leipziger Buchmesse 2015. 2019 erhielt Philipp Ther den Wittgenstein-Preis, den höchstdotierten Wissenschaftspreis Österreichs.

Pressestimmen

»Ein Buch, das zeigt, wie wichtig der geschichtliche Blick ist, um das Heute gelassener zu analysieren. Eines der besten Sachbücher des Jahres.« Eva Thöne SPIEGEL ONLINE 20171214
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