Der Gott in einer Nuß

Fliegende Blätter von Kult und Gebet
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Buchprofile - Rezension
Religion in der Nussschale: Christian Lehnert legt "Fliegende Blätter" über christliche Rituale vor.
Religiöse Rituale sind Wiederholungen reglementierter Handlungen, die eine besondere Gültigkeit beanspruchen und die sich ästhetisch betrachten lassen. Als sei diese treffende Definition von Wolfgang Braungart geradezu für die Literatur gemacht, setzt sie Christian Lehnert, Dichter und Theologe in Leipzig, in seinem Buch "Der Gott in seiner Nuß" gleich um. Es ist eine Sammlung von Notizen. Sie schwanken zwischen Reflexion und Erzählung und sind von der Frage bewegt, was an kirchlich-religiösen Kulthandlungen so bedeutsam und so schön ist. Es geht um das stille Gebet und das Kirchenlied, die Sakramente und biblische Figuren, religiöse Redewendungen und Szenen aus dem Neuen Testament. Aus der kurzen Beschreibung kultischer Vollzüge entwickelt Lehnert, auch gestützt auf seine Erfahrungen als Pfarrer, prägnante Lehrstücke. Etwa über die Folge von Tauf- und Bestattungsfeier oder über die Engel, die seit der Aufklärung ins Putten-Fach abgerutscht sind, aber ihr "Biotop" in der Liturgie gefunden haben. Dort können sie, etwa beim "Gloria", Seelen rühren, Widersprüche lösen, das Undenkbare ins Gemüt legen. Man muss diese Gedanken nicht teilen, um zu verstehen, was sie bedeuten: Kult und Gebet haben einen größeren Platz im Leben, als wir anzunehmen gewohnt sind. Christian Lehnert hat ein wunderbares Buch über die Kraft und den Sinn der christlichen Rituale geschrieben. Für alle Bestände.
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Artikelbeschreibung

Über Sinn und Aufbau der kultischen Handlungen und Texte, die als Gottesdienst oder Messe im Zentrum religiöser Praxis des Christentums stehen, ist viel geschrieben und spekuliert worden - meistens in theoretisch-theologischer Absicht. Christian Lehnert, selbst Theologe, wählt für seine Annäherung an dieses Zentralgeschehen des Kults einen besonderen, seinen eigenen Weg: den des Dichters. In der für ihn typischen Gattungsmischung von Reflexion, Schau und Erzählung, bei der die verschiedensten sprachlichen Register von kristallklarer bis hin zu expressiver Prosa gezogen werden, nähert sich Lehnert den feststehenden Formen des kultischen Vollzugs, deren Bedeutung vielen längst verloren ist: Kyrie, Gloria, Glaubensbekenntnis, Abendmahl ... Auf diesem Weg führen seine Beobachtungen und Meditationen in eine energetische Erfahrung der "Leere", die sich auf mystisches Gotteserlebnis zurückbesinnt und landläufige Verständnisroutinen durchbricht. Kritisch und polemisch fordert Lehnert dabei den Konservativismus und seine erstarrte Religionspraxis ebenso heraus wie die charismatischen, liberalen oder esoterischen "Bewegungen", die glauben, das Christentum auf dessen "Totenfeld" beerben zu können.

"Deutlicher als je zeigt sich die notwendig ungewordene Gestalt des Christentums, seine Unabgeschlossenheit, seine Strömungsform hin auf etwas, das immer aussteht, und dieses wird erst zeigen, was das Christentum seit jeher war - seine Schönheit und Liebe."

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