Die Anomalie

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Buchprofile - Rezension
Ein und dasselbe Flugzeug landet im März und im Juni 2021 aus Paris kommend in New York, an Bord dieselben 243 Passagiere - ein großartiges Gedankenspiel.
Der mit dem renommierten Goncourt-Preis ausgezeichnete Autor beschreibt das Leben einiger Passagiere eines Fluges von Paris nach New York im März 2021. Da ist der Auftragsmörder Blake, der depressive Schriftsteller Miesel, der sich umbringt, der schwarze Musiker Slimboy und Lucie Bogaerts, die einen kleinen Sohn hat und mit dem Architekten André nach New York geflogen ist. Nur landet drei Monate später dasselbe Flugzeug mit denselben Passagieren erneut in New York. Wie kann das sein? Die US-amerikanische und die französische Regierung sowie sämtliche Sicherheitsdienste sind alarmiert, internieren die Passagiere und versuchen, mithilfe der herausragendsten Wissenschaftler das Rätsel zu lösen, wie Menschen vollständig dupliziert werden können. Handelt es sich um eine Simulation? Und wer oder was ist simuliert? Wie kann man den Unterschied zwischen realem und virtuellem Existieren erkennen? Den identischen Doppelgängern fehlen mehr als drei Monate ihres Lebens. Dieses Szenario eröffnet dem Autor unendlich viele, oft humorvolle Kombinationsmöglichkeiten, als die Doppelgänger miteinander konfrontiert werden: So bringt Blake June Blake March um, Victor Miesel June findet doch noch einen Sinn im Leben, die beiden Slimboys tun sich zusammen, die Lucies kämpfen um den Sohn, der dann eine verblüffende Lösung vorschlägt. In dem zu Recht preisgekrönten Roman geht es um physikalische Phänomene, um "Wurmlöcher", um Simulationen. Le Tellier spekuliert, ob Wurmlöcher im All oder eine Art "Fotokopierer" verantwortlich für die Verdoppelung sind - oder ist unsere gesamte Welt sowieso nur eine Art Simulation? Die spannendste Frage des Romans aber ist: Wie gehen die Figuren damit um, dass sie sich plötzlich verdoppelt haben? Die einen haben von März bis Juni ihre Leben normal gelebt, den anderen fehlt dieser Zeitraum. Was tun sie, wenn sich die März- und die Juni-Versionen gegenüberstehen? Eine großartige, anspruchsvolle Gedankenspielerei!
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Artikelbeschreibung

Der Überraschungserfolg aus Frankreich: eine brillante Mischung aus Thriller, Komödie und großer Literatur. Im März 2021 fliegt eine Boeing 787 auf dem Weg von Paris nach New York durch einen elektromagnetischen Wirbelsturm. Die Turbulenzen sind heftig, doch die Landung glückt. Allerdings: Im Juni landet dieselbe Boeing mit denselben Passagieren ein zweites Mal in New York. Im Flieger sitzen der Architekt André und seine Geliebte Lucie, der Auftragskiller Blake, der nigerianische Afro-Pop-Sänger Slimboy, der französische Schriftsteller Victor Miesel, eine amerikanische Schauspielerin. Sie alle führen auf unterschiedliche Weise ein Doppelleben. Und nun gibt es sie tatsächlich doppelt - sie sind mit sich selbst konfrontiert, in der Anomalie einer verrückt gewordenen Welt.

Hochkomisch und teuflisch intelligent spielt der Roman mit unseren Gewissheiten und fragt nach den Grenzen von Sprache, Literatur und Leben. Facettenreich, weltumfassend, ein literarisches Ereignis.

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Personeninformation

Hervé Le Tellier, 1957 in Paris geboren, ist seit 1992 Mitglied der Autorengruppe OuLiPo, der u.a. Georges Perec, Italo Calvino und Oskar Pastior angehörten. Er veröffentlichte Romane, Erzählungen, Gedichte und Kolumnen und lebt in Paris. Für seinen Roman Die Anomalie erhielt er 2020 den Prix Goncourt. Das Buch wurde in 44 Sprachen übersetzt und verfilmt. 2026 wurde Hervé Le Tellier für sein Werk mit dem Würth-Preis für Europäische Literatur ausgezeichnet.

ROMY RITTE ist Übersetzerin und war

Jürgen Ritte, geboren 1956 in Köln, ist Übersetzer, Literaturkritiker, Essayist und Professor für Literaturwissenschaft an der Université Sorbonne Nouvelle in Paris. Ausgezeichnet mit dem Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis. Er übersetzte u. a. Patrick Deville, Edmond Jabès, Paul Morand, Georges Perec, Marcel Prousts Korrespondenz, Olivier Rolin.

Pressestimmen

Ohne Zweifel Weltliteratur. ARD "Druckfrisch" 20210912
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