Spätdienst

Bekenntnis und Stimmung. Mit Arabesken von Alissa Walser
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Buchprofile - Rezension
Aphorismen, Gedanken, Sätze, kurze Selbstgespräche des hochbetagten Autors.
Schon die Widmung des Buches ist "typisch Walser": "Für Gegner ein gefundenes Fressen. Für meine Leser: vielleicht ein Ausflug ins Vertraute". Ob aber seine Gegner nach der Lektüre dieser "Bekenntnisse und Stimmungen" (Untertitel) wieder auf den Autor eindreschen werden, darf bezweifelt werden. Es handelt sich nicht um den lang erwarteten neuen Roman von dem jetzt auch schon hoch betagten Autor oder um eine Sammlung von fast immer in der Öffentlichkeit heftig umstrittenen Essays zu den aktuellen Zeitläuften. In einer sehr ansprechenden äußeren Form sind hier Aphorismen, Gedanken, Sätze, kurze Selbstgespräche auf über 200 Seiten ausgebreitet. Es ist dabei nicht so richtig erkennbar, ob es sich um kurze Aufzeichnungen und Sätze aus größeren Werken des Autors handelt oder ob sie hier tatsächlich zum ersten Mal publiziert werden. "Nichts mehr wissen zu wollen von sich macht sofort unsterblich". Oder die allerletzte Eintragung in diesem Band: "Es tanzen die Blätter im Wind, / wissen nicht, dass sie am Fallen sind". Ein "gefundenes Fressen für Gegner" sind diese Aufzeichnungen ganz bestimmt nicht. Aber in Ruhe gelesen hallen viele dieser kurzen Reflexionen doch sehr lange im Kopf der Lesenden nach. "Wäre es so schlimm, wenn die Bäume uns überleben?" Bis zum nächsten neuen Roman des Autors können sich seine Fans an diesen Sätzen wärmen. Die Gegner werden sie, vermutlich, ohnehin nicht lesen.
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Artikelbeschreibung

"Das Alter ist ein Zwergenstaat, regiert von jungen Riesen." Wer sagt das? Ein lyrisches Ich zwischen Glücksmomenten und Schwärze, Leere, Sturz. Beim Durchkämmen des Hundefells, beim Aufschneiden eines Apfels oder immer dann, wenn die Berge im Blau stehen, der Wind in den Bäumen rauscht, die Blätterschönheit den Atem raubt, kommt sie auf, die Frage, ob das das Glück sei, denn lange währt es nie. Schon fährt etwas dazwischen, Wörter, die wehtun, ausgesprochen von anderen, gegen die nur eines hilft: "Sich in Verse hüllen, als wären es Schutzgewänder, schön, weltabweisend, die Einbildung heißt Aufenthalt." In Martin Walsers neuem Buch finden sich Lebensstenogramme, mal sind sie lyrisch, mal essayistisch, immer aber berührend, tief empfunden, wahr.

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Personeninformation

Martin Walser, 1927 in Wasserburg am Bodensee geboren, war einer der bedeutendsten Schriftsteller der deutschen Nachkriegsliteratur. Für sein literarisches Werk erhielt er zahlreiche Preise, darunter 1981 den Georg-Büchner-Preis, 1998 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 2015 den Internationalen Friedrich-Nietzsche-Preis. Außerdem wurde er mit dem Orden «Pour le Mérite» ausgezeichnet und zum «Officier de l'Ordre des Arts et des Lettres» ernannt. Martin Walser starb am 26. Juli 2023 in Überlingen.

Alissa Walser, 1961 in Friedrichshafen geboren, lebt als Malerin, Schriftstellerin und Übersetzerin bei Frankfurt am Main. Letzte Veröffentlichungen: "Am Anfang war die Nacht Musik", 2010, "Von den Tieren im Notieren", 2015, und "Eindeutiger Versuch einer Verführung", 2017.

Pressestimmen

Ein Triumph gegenüber dem bloßen Wünschen. Arno Widmann Frankfurter Rundschau 20181120
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