Irgendwo in diesem Dunkel

20,00 €
(inkl. MwSt.)
Versandkostenfrei in DE
Sofort lieferbar
Buchprofile - Rezension
Erneuter autobiographischer Versuch, die bedrückenden Erlebnisse in Kindheit und Jugend beschreibend zu verarbeiten.
Mit "Sie kam aus Mariupol" (BP/mp 17/349) hat Natascha Wodin einen Markstein gesetzt. "Irgendwo in diesem Dunkel" ist eine Weiterführung, in manchen Teilen auch eine Ergänzung, gelegentlich auch Wiederholung aus anderer Perspektive. Sie legt den Schwerpunkt auf die Erlebnisse der Kindheit und Jugend in einer früheren Siedlung für "Displaced Persons", jetzt einem übel beleumdeten "Russen Ghetto" der 50er Jahre, nahe einer mittelfränkischen Kleinstadt. Dann, nach dem Selbstmord der Mutter, folgen Jahre in einem Heim in Bamberg, das von wenig mitfühlenden Ordensschwestern geführt wird. Diesen schrecklichen Umständen können sie und ihre Schwester nur dadurch entkommen, dass der Vater aus gesundheitlichen Gründen seinen Beruf als Sänger in einem Kosakenchor aufgeben muss und nicht mehr auf Tournee gehen kann. Dem rigiden und gewalttätigen Vater entflieht das inzwischen junge Mädchen, verwahrlost dabei zusehends und lebt mehr oder weniger auf der Straße. Anschluss an gleichaltrige deutsche Jugendliche findet das Mädchen nicht. Sie wird diskriminiert, gemobbt, und missbraucht. Eingestreut in diese beklemmenden Rückblenden sind Gegenwartsbezüge. Ihre Stellung als Dolmetscherin für Russisch und die sich daraus ergebenden weiteren Nachforschungen über ihre ihr weitestgehend unbekannte Familiengeschichte. Die Besuche beim früher so verhassten Vater im Altersheim, ihre Fürsorge für den nun pflegebedürftigen Mann und am Ende dessen Tod und Begräbnis. - Natascha Wodin kreist auch in diesem Buch immer wieder um die Frage nach ihrer Herkunft, nach den Umständen, die ihr Leben als Kind und Jugendliche prägten und bis heute bestimmen. Lesenswert!
Weiterlesen

Artikelbeschreibung

In "Sie kam aus Mariupol", ausgezeichnet mit dem Preis der Leipziger Buchmesse, hat Natascha Wodin ihrer Mutter ein berührendes literarisches Denkmal gesetzt. Jetzt lässt sie ein Buch folgen, das an den Freitod der Mutter 1956 anschließt. Erzählt wird die Zeit, als die ältere der beiden Töchter sechzehn ist, ein mehrjähriger Aufenthalt in einem katholischen Kinderheim liegt hinter ihr. Sie lebt beim Vater in den "Häusern" am Fluss, abseits vom deutschen Städtchen, unter Verschleppten und Entwurzelten in einer Welt außerhalb der Welt. Dabei möchte sie so gern zu den Deutschen gehören, möchte Ursula oder Susanne heißen und träumt von einem Handwerker, den sie heiraten könnte, um ihrer russischen Herkunft zu entkommen. Aber der seit je gefürchtete Vater sperrt sie ein. Sie soll keine roten Schuhe tragen, sie soll zu Hause putzen. In einem Taftkleid der Mutter flieht sie in die Vogelfreiheit, die Schutzlosigkeit der Straße. Diese Geschichte eines Mädchens, das als Tochter ehemaliger Zwangsarbeiter im Nachkriegsdeutschland lebt - misstrauisch beäugt und gemieden von den Deutschen, voller Sehnsucht, endlich ein Teil von ihnen zu sein -, wird aus dem Rückblick erzählt, ausgehend vom Tod des Vaters in einem deutschen Altenheim. Sein Leben, das noch in der russischen Zarenzeit begonnen hat und fast das gesamte 20. Jahrhundert überspannt, ist für die Tochter immer ein Geheimnis geblieben. Irgendwo in diesem Dunkel, hinter all dem Schweigen, sucht sie den Schlüssel zum Verstehen. Eine ungeheuerliche Geschichte der Ort- und Obdachlosigkeiten, erzählt in der klaren, um Sachlichkeit bemühten und doch von Emotion und Poesie getragenen Sprache Natascha Wodins, die ihresgleichen sucht.

Produktsicherheit

Hersteller: Rowohlt Verlag GmbH
Anschrift: Kirchenallee 19
Hamburg
DE
Kontakt: produktsicherheit@rowohlt.de
Mehr von Wodin, Natascha

Bewertungen

Die Bewertungen werden vor ihrer Veröffentlichung nicht auf ihre Echtheit überprüft. Sie können daher auch von Verbrauchern stammen, die die bewerteten Produkte tatsächlich gar nicht erworben/genutzt haben.