Die späten Tage

Über das Altwerden und eine späte große Liebe
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Buchprofile - Rezension
Erinnerungen und Überlegungen zum Altern und einer späten großen Liebe.
„Ich wohne in meiner Gedankenwelt und will nichts anderes, als langsam und beharrlich mein dünnes Wortfädchen spinnen, immer noch getrieben von meiner Obsession, die allein mich noch mit der verbindet, die ich einmal war“. – Dieses Zitat gibt Auskunft über Struktur und Absicht von Natascha Wodins neuem Buch „Die späten Tage“. Im Mittelpunkt steht ein Erzählendes Ich, das, erkennbar mit autobiografischen Zügen der Autorin ausgestattet, in einer Aneinanderreihung kurzer, aphoristischer Passagen Auskunft über sein Leben und seine Familiengeschichte gibt. Die einzelnen Abschnitte, teils längere Erinnerungen, teils Zitate anderer Autor*innen, teils bloße Sentenzen, sind dabei als die „Wortfädchen“ zu verstehen, die zu einem literarischen Netz verwoben werden. So entsteht eine autofiktionale Verschränkung der Gegenwart der Erzählerin als alternder Frau mit ihrer Vergangenheit als Tochter russischer Zwangsarbeiter in der deutschen Nachkriegszeit und ihrem Weg aus dieser Herkunft heraus. – Der neue Titel von Natascha Wodin ist ein Buch über das Altern, aber auch die Emanzipationsgeschichte einer Frau, die sich nicht nur aus ihrem Herkunftsmilieu entfernt, sondern auch verschiedene Liebesgeschichten aufarbeitet, die in der Tradition feministischer Romane nach dem Vorbild von Ingeborg Bachmanns „Malina“ stehen. Leser*innen, die bereits Wodins Bestseller „Sie kam aus Mariupol“ (BP/mp 17/349) kennen, werden vieles wiedererkennen, allerdings aus einer anderen Perspektive beleuchtet.
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Artikelbeschreibung

Natascha Wodin, Autorin des Bestsellers Sie kam aus Mariupol und eine der großen Autorinnen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, erzählt in ihrem neuen Buch berührend, ehrlich und poetisch vom Altwerden und einer späten großen Liebe. Es geht um widersprüchliche Gefühle, um Nähe und Fremdsein in einer Beziehung und um die Gedanken an den näher rückenden Tod, den Schmerz des unaufhaltsamen Abschieds.

Was bedeutet es, wenn man sich in hohem Alter noch einmal verliebt? Wenn nicht mehr viel Zeit füreinander bleibt und man sich eigentlich schon im Alleinsein eingerichtet hat? In Natascha Wodins neuem Buch wagt die Erzählerin den Versuch, die Liebe über die Einsamkeit siegen zu lassen, ein letztmögliches Lebensexperiment, in dem sich die Fragen nach Liebe und Tod mit existenzieller Dringlichkeit stellen und die Mühen des Alters zum Alltag gehören. Die Geschichte des Paares ist der rote Faden im Text, einem Gewebe aus Erinnerungen, Reflexionen, Beobachtungen - aufgezeichnet an einem mecklenburgischen See mit Blick auf das Wasser und den gegenüberliegenden Horizont.

«Wie gut und ermutigend, dass es Natascha Wodin und ihre Bücher gibt!» Marko Martin, Welt am Sonntag

«Die Sprache Wodins nimmt dem, was sie erzählt, nicht den Schrecken. Im Gegenteil: Sie macht ihn spürbar, nachvollziehbar. Und gleichzeitig spendet ihre Kunst den so nötigen Trost.» Der Spiegel

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Personeninformation

Natascha Wodin, 1945 als Kind sowjetischer Zwangsarbeiter in Fürth/Bayern geboren, wuchs erst in deutschen DP-Lagern, dann, nach dem frühen Tod der Mutter, in einem katholischen Mädchenheim auf. Auf ihren 1983 erschienenen ersten Roman Die gläserne Stadt folgten zahlreiche weitere Veröffentlichungen, darunter die Romane Nachtgeschwister und Irgendwo in diesem Dunkel. Ihr Werk wurde unter anderem mit dem Hermann-Hesse-Preis, dem Brüder-Grimm-Preis und dem Adelbert-von-Chamisso-Preis ausgezeichnet, für Sie kam aus Mariupol wurden ihr der Alfred-Döblin-Preis, der Preis der Leipziger Buchmesse und der Hilde-Domin-Preis für Literatur im Exil 2019 verliehen. 2022 wurde sie mit dem Joseph-Breitbach-Preis für ihr Gesamtwerk ausgezeichnet. Natascha Wodin lebt in Berlin und Mecklenburg.

Pressestimmen

Es liegt nicht zuletzt an den Landschaftsbildern und an den darin eingebetteten Lebensreflexionen, dass man "Die späten Tage" so gerne liest. Meike Fessmann Süddeutsche Zeitung 20251218
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