Eine redliche Lüge

Roman | Lakonisch-humorvoller Gesellschaftsroman
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Buchprofile - Rezension
Eine junge Frau erlebt als Küchenhilfe in einem mondänen Haushalt Höhen und Tiefen ihrer Arbeitgeber mit.
Eine Schriftstellerin kehrt nach Jahrzehnten zurück in einen kleinen Ort an der normannischen Küste, wo sie im Jahr 2019 unmittelbar nach dem Studium einige Monate als Küchen- und Haushaltshilfe in einem sehr ungewöhnlichen Haushalt gearbeitet hat, und erinnert sich an diese für sie unvergessliche Zeit: Das Ehepaar Margaux und Philippe, beide um die sechzig, bewohnen ein architektonisch spektakuläres rundes Haus und führen darin ein traumhaftes Leben. Sie ist eine erfolgreiche Schriftstellerin, er ein ebenso erfolgreicher Finanzverwalter, gemeinsam geben sie eine luxuriöse Einladung nach der anderen für verschiedenste, zum Teil auch sehr prominente Gäste und feiern in der Domaine mondäne Feste. Die junge Elise ist fasziniert von diesem Traumpaar und ihrem traumhaften Leben, doch alles erscheint derart perfekt und makellos, dass sich zunehmend Zweifel einstellen, ob das alles nicht einfach zu schön ist, um wahr sein zu können. Und tatsächlich endet die rauschhaft schöne Zeit schließlich sehr abrupt mit einer großen Ernüchterung. - Der Roman ist ebenso ungewöhnlich wie das vermeintliche Traum-Ehepaar in ihrem realen Traumhaus (das Haus des französischen Regisseurs Claude Lelouche), da die sich im Jahr 2019 zutragende Geschichte nicht unmittelbar erzählt wird, sondern die dann selbst zur Schriftstellerin gewordene indirekt Beteiligte Elise sich Jahrzehnte danach daran erinnert und aus ihrer Gegenwart, die unsere Zukunft ist, auf unsere Gegenwart, die ihr mittlerweile zur Vergangenheit geworden ist, zurückblickt. Es ist ein stiller und nachdenklicher, zugleich aber auch durchaus spannender und unterhaltsamer Roman um die Sehnsucht nach Glück und Wahrhaftigkeit, um Schicksale und Lebenslügen, um Freundschaft und Liebe und um das Scheitern. Äußerst lesenswert und sehr zu empfehlen.
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Artikelbeschreibung

Was wir sehen - und lieber nicht sehen wollen

Einen Sommer lang arbeitet Elise für das gesellige Paar Margaux und Philippe in dessen Ferienhaus in der Normandie. Fasziniert von den  illustren Gästen in der Domaine de Tourgéville, vom Leben, Wesen und der Ehe der Leclercs, wird die junge Frau zur eindringlichen Beobachterin von Sein und Schein. Sie erlebt ein Panoptikum der menschlichen Täuschungen, begreift, dass das Streben nach Glück und die Bereitschaft zum Betrug zwei Seiten derselben Medaille sind. Eines Abends jedoch wird die Gelassenheit dieses Sommers jäh und derart umfassend erschüttert, dass es auch Elises Leben für immer prägt.

»Seit Fontane wurde nicht mehr so geistreich geplaudert in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur!« Denis Scheck

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Personeninformation

Husch Josten, geboren 1969, studierte Geschichte und Staatsrecht in Köln und Paris. Sie volontierte und arbeitete als Journalistin in beiden Städten, bis sie Mitte der 2000er-Jahre nach London zog, wo sie als Autorin für Tageszeitungen und Magazine tätig war. 2011 debütierte sie mit dem Roman »In Sachen Joseph«, der für den aspekte-Literaturpreis nominiert wurde. 2012 legte sie den vielgelobten Nachfolger »Das Glück von Frau Pfeiffer« vor und 2013 den Geschichtenband »Fragen Sie nach Fritz«. 2014 erschien »Der tadellose Herr Taft« sowie zuletzt die Romane »Hier sind Drachen« (2017) und »Land sehen« (2018) im Berlin Verlag. Jüngst wurde ihr der renommierte Literaturpreis der Konrad Adenauer Stiftung (2019) verliehen. Husch Josten lebt heute wieder in Köln.

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