Du stirbst nicht

Roman. Ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis 2009
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Buchprofile - Rezension
Helene muss nach einer überstandenen Hirnblutung mühsam den Weg zurück in ihr Leben finden.
Helene erwacht und weiß nicht, wo sie ist und wer die Menschen an ihrem Bett sind. Erst ganz allmählich dämmert ihr, dass sie sich in einem Krankenhaus befindet und Kopf wie Körper nur noch eingeschränkt funktionieren. Der Weg zurück in ihr Leben gestaltet sich schwierig, denn mit den zurückkehrenden Erinnerungen während der Rehabilitation kehren auch die Probleme zurück, die ihre Hirnblutung nur verbarg und denen sie sich nun unter neuen Vorzeichen stellen muss. - Strikt aus der Sicht der wiedererwachenden Helene hat die mehrfach ausgezeichnete Autorin ein Szenario entwickelt, das jeden von uns als Betroffenen oder Beteiligten treffen kann. Die Neuordnung der Gedanken, das Rückerinnern, die gewonnenen Erkenntnisse aus der alle Beteiligten überfordernden Situation, all das schildert Schmidt mit beachtlichem Einfühlungsvermögen und großer Ausführlichkeit. Wegen des hohen literarischen Anspruchs eignet sich dieser Titel allerdings eher für Büchereien mit entsprechend interessierter Leserschaft. - Ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis 2009.
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Artikelbeschreibung

Vom Hirnschlag erwacht - die atemberaubende Geschichte einer Heilung

Helene Wesendahl weiß nicht, wie ihr geschieht: Sie findet sich im Krankenhaus wieder, ohne Kontrolle über ihren Körper, sprachlos, mit Erinnerungslücken. Ihr Weg zurück ins Leben konfrontiert sie mit einer fremden Frau, die doch einmal sie selbst war.

Kathrin Schmidt packt ihre Leser diesmal durch die Beschränkung, und zwar im wörtlichen Sinne. Mit den Augen ihrer erwachenden Heldin blicken wir in ein Krankenzimmer, auf andere Patienten, das Pflegepersonal und den eigenen Körper, der plötzlich ein Eigenleben zu führen scheint. Und wir erleben die mühsamen Reha-Maßnahmen mit, die Reaktionen der Familie, den aufopferungsvollen Einsatz ihres Mannes - und die bruchstückhafte Wiederkehr ihrer Erinnrung.

Was da zutage tritt, konfrontiert Helene mit einem Leben, in dem sie sich kaum wiedererkennt, und das vieles in Frage stellt, was in der neuen Situation so selbstverständlich scheint. Sie entdeckt frühe Brüche in ihrer Biographie, verdrängte Leidenschaften und aus der Not geborene Verpflichtungen. Als ihr bewusst wird, dass ihr Herz sich bereits auf Abwege begeben hatte und sie den Mann, der sie jetzt so eifrig pflegt, eigentlich verlassen wollte, droht sie den Boden unter den Füßen zu verlieren.

Kathrin Schmidt gelingt das Erstaunliche: Sie macht den Orientierungs- und Sprachverlust nach einer Hirnverletzung erfahrbar und zeigt einen Weg der Genesung, der in zwei Richtungen führt, zurück und nach vorn. Dabei entsteht ein Entwicklungsroman ganz eigener Art, der durch seine innere Dynamik fesselt und durch die Rückhaltlosigkeit, mit der seine Heldin sich mit ihrer Vergangenheit und Gegenwart konfrontiert, fasziniert. Er überzeugt vor allem durch die bewegende Schilderung eines sprachlichen Neubeginns.

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Personeninformation

Kathrin Schmidt, geboren 1958 in Gotha, arbeitete als Diplompsychologin, Redakteurin und Sozialwissenschaftlerin. Sie erhielt für ihre literarischen Arbeiten zahlreiche Preise, darunter den Leonce-und-Lena-Preis 1993. Ihr 1998 erschienener Roman »Die Gunnar-Lennefsen-Expedition« wurde mit dem Förderpreis des Heimito-von-Doderer-Preises und dem Preis des Landes Kärnten beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 1998 ausgezeichnet. Für ihren Roman »Du stirbst nicht« erhielt sie 2009 den Preis der SWR-Bestenliste und den Deutschen Buchpreis. Zuletzt erschien ihr Gedichtband »waschplatz der kühlen dinge« (2018).

Pressestimmen

» Du stirbst nicht ist ein herausragender, wahrhaftiger Roman.« Meike Fessmann Süddeutsche Zeitung
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