Alle Schönheit, aller Zauber. Lucie und Hermann von Pückler

Das schillerndste Paar der Goethezeit
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Buchprofile - Rezension
Porträt einer ungewöhnlichen Lebenspartnerschaft und Lebensleistung.
Die umfangreiche Briefkorrespondenz der Protagonisten ist die Basis dieser lesenswerten Doppelbiografie, die Einblick gibt in die Lebenswelt und Beziehung von Lucie von Hardenberg, geschiedene Gräfin Pappenheim (1776-1854), mit dem berühmten, neun Jahre jüngeren Fürsten Hermann Ludwig Heinrich von Pückler-Muskau (1785-1871). Pücklers visionäre Gartenkunst (Weltkulturerbe), aber vor allem auch die vielen legendären Reisen haben bis heute zu seinem Mythos beigetragen. Doch wer war eigentlich die Frau neben ihm, wie groß ihr Anteil an diesen unvergleichlichen Lebensprojekten? Der Leser erfährt, dass ihr Anteil entscheidend war, denn ihr Mut, ihre weitreichenden Kontakte, die Beharrlichkeit in ihrem ambitionierten Wirken und nicht zuletzt ihr großes Vermögen haben die extravaganten Parkvorhaben des zunächst wenig ruhmreichen, jedoch exzentrischen Grafen (!) Pückler Wirklichkeit werden lassen. Fakt ist aber auch, dass die oft als Vernunftehe bezeichnete Verbindung echte Zuneigung und besondere Seelenverwandtschaft auszeichnete. Nur so war die außergewöhnlich große Toleranz der Fürstin angesichts der vielgestaltigen Eskapaden und Zumutungen ihres mitunter rücksichtslos-egoistischen Mannes möglich. Auch an Pücklers schriftstellerischem Erfolg und seiner damit verbundenen öffentlichen Anerkennung hatte sie wesentlichen Anteil. – Die hier erfreulicherweise ausführlich zitierten Brieftexte bieten dem Leser interessante Charakterstudien und einen intensiven Zugang zu individuellen Lebensplänen und persönlichen Ansichten. Der im Mittelteil des Bandes angesiedelte Fotoblock vervollständigt diese charismatische, ins Innere blickende Lektüre. – Beste Leseempfehlung!
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Artikelbeschreibung

Ihre Heirat war eine Sensation: Lucie von Hardenberg, schwerreiche Tochter des preußischen Staatskanzlers, Mutter von zwei Töchtern und frisch geschieden, heiratete mit 40 Jahren den deutlich jüngeren Abenteurer Hermann Fürst Pückler. Noch war er nicht der erfolgreiche Schriftsteller und berühmte Gartenkünstler, sondern Standesherr mit altem Schloss und hohen Schulden. Dafür war er charmant und eloquent - man bewunderte seine Geistesblitze ebenso wie sein elegantes Auftreten.

Nach neun glücklichen Jahren plötzlich die Scheidung, ein Skandal, der die Gesellschaft erschütterte. Die exorbitanten Ausgaben für Schloss und Park Muskau hatten das Paar finanziell an den Rand des Ruins getrieben; der Fürst will im reichen England eine vermögende Erbin finden. Seine Briefe an Lucie von dieser Reise, sprühend vor Witz und zärtlicher Liebe, werden unter dem Titel Briefe eines Verstorbenen zum europäischen Bestseller. Sensationell wiederum seine Reise in den Orient, von der er als »Conkubine« die blutjunge Sklavin Machbuba mitbringt - ein bis heute diskutiertes unerhörtes Ereignis.

Viel ist über Fürst Pückler und seine einzigartigen Parkanlagen geschrieben worden; wenig weiß man dagegen über seine Frau Lucie, ohne deren liebevolle Zuwendung sein Leben wohl anders verlaufen wäre. Dagmar von Gersdorff, bekannt durch ihre erfolgreichen Darstellungen von Goethes Mutter, Caroline von Humboldt, Julia Mann und Goethes Schwiegertochter Ottilie von Goethe, erzählt temperamentvoll und dabei bestens dokumentiert von diesem schillerndsten Paar der Goethezeit.

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Personeninformation

Dagmar von Gersdorff, geb. von Forell, stammt aus Trier/Mosel. Sie lebt heute als Literaturwissenschaftlerin und Biographin in Berlin. Verheiratet, drei Kinder. Studium der Germanistik und Kunstgeschichte an der Freien Universität Berlin. Ihre Promotion schrieb sie über den Einfluss der deutschen Romantik auf Thomas Mann. Für die Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz verfaßte sie drei Text-Bild-Bände.
Bekannt wurde sie durch ihre Biographien über bedeutende literarische und historische Persönlichkeiten: Marie Luise Kaschnitz, Bettina und Achim von Arnim, Goethes Mutter, Caroline von Günderrode, Goethes Enkel, Prinz Wilhelm von Preußen und Elisa Radziwill, Caroline von Humboldt. Ihr Werk wurde mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet. Sie ist Mitglied des Verbandes deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller sowie Mitglied des internationalen PEN.

Pressestimmen

»... höchst unterhaltsam und gleichermaßen fundiert erzählt. « Hartmut Horstmann Westfalen-Blatt 20260630
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