John of John

Roman | Nominiert für den Booker Prize 2026
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Buchprofile - Rezension
Berührende Familiengeschichte auf der schottischen Insel Harris.
Nach seinem Studium in Edinburgh und der anschließend erfolglosen Job-Suche, kehrt Cal auf seine Heimatinsel Harris in den Äußeren Hebriden zurück. Er liebt die Farben, die Natur und das raue Klima der Insel, kann sich aber nur schwer wieder an den Menschenschlag und seinen eigensinnigen Vater gewöhnen. Cal hat in Edinburgh seine Homosexualität offen gelebt, hat sich seiner Familie gegenüber aber nie offenbart. Allein seiner geliebten Großmutter zuliebe bleibt er auf der Insel und arbeitet zusammen mit seinem Vater auf dem gemeinsamen Hof und in der hofeigenen Weberei für Tweedstoffe. Was Cal nicht weiß: auch sein Vater führt seit Jahrzehnten mit seinem besten Freund Innes eine Liebesbeziehung, deretwegen Cals Mutter die Scheidung einreichte. Cals Großmutter will Vater und Sohn wieder zusammenbringen und dadurch Cals Vater zwingen, seine Beziehung zuzugeben und endlich sein Glück zu finden. – Dieser Roman ist ein wahres Schmuckstück, nicht nur für Liebhaber der schottischen Mentalität. Obwohl die Menschen so rau wie die sie umgebende Natur sind, strahlt der Roman eine menschliche Wärme und Gemeinschaftssinn aus, wie man sie selten findet. Es ist anrührend zu lesen, wie schwer Vater und Sohn sich tun, obwohl sie sich so ähneln. Ein großartiger Familienroman, der einen tief berührt und bis zur letzten Seite fesselt.
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Susanne Steufmehl empfiehlt:

Die besten Familienromane handeln von dysfunktionalen Familien oder von denen, die sich vom Vater-Mutter-Kind-Schema unterscheiden, denn genau hier finden sich die Geschichten, über die sich zu schreiben lohnt.

Ein meisterliches Beispiel dafür ist der neue Roman des schottischen Schriftsellers Douglas Stuart, der mit „John of John“ auf die Hebriden-Insel Harris entführt, ein Flecken Erde von atemberaubender Naturschönheit, beherrscht von rauem Klima. Von hier kommt der weltberühmte Harris-Tweed, der bis heute nicht industriell, sondern von den Einwohnern überwiegend in Heimarbeit und inspiriert von den Farben der Insel hergestellt wird. Das spielt in diesem Roman eine wichtige Rolle, denn Cal, der junge Protagonist, wird von seinem Vater John nach Hause zurückbeordert, damit er sich in das Farmleben, die Tweed-Weberei und die Betreuung seiner geliebten Großmutter einbringt. Für den homosexuellen, jungen Mann ein einschneidender Schritt, denn er ist vor seiner Familie nicht geoutet, andererseits hat er nach seinem Studium mit seinen künstlerischen Ambitionen in Edinburgh nicht Fuß fassen können.

Nun ist er also wieder auf der Insel und unter der Fuchtel seines strengen, gottesfürchtigen Vaters und der liebevollen Fürsorge seiner Großmutter, die den Schwiegersohn im Gegensatz zu ihrer Tochter nicht verlassen hat. Cal tut sich schwer, wieder in die Rolle des Kindes zu schlüpfen und lässt keine Gelegenheit aus, den sturen Vater zu provozieren, gegen die eingefahrenen patriarchalen Strukturen zu rebellieren und sich gegen Verkupplungsabsichten zu wehren. Bis eine Kinderfreundin in Not gerät und er hinter ein lange gehütetes Lebensgeheimnis seines Vaters kommt...

„John of John“ hat alles, was man von einem aufregenden Stück Literatur erwartet: die Geschichten, die Landschaft, die Einbettung in Historie und Gesellschaft und ein hinreißendes Personal von Douglas Stuart in einnehmender Weise in Szene gesetzt.

Susanne Steufmehl, Medienberaterin Belletristik und Sachbuch
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Artikelbeschreibung

Der neue Roman von Douglas Stuart: »Menschliche Wärme, die seltsam schöne Atmosphäre eines unwirtlichen Insellebens, eine große innere Spannung: Ein Roman, wie er nur alle zehn, fünfzehn Jahre vorkommt.« (Daniel Schreiber) Cal ist zurück und all das, vor dem er nach Edinburgh geflüchtet war, ist wieder da: das karge Leben auf den Hebriden, der windgepeitschte Kreislauf aus Schafzucht und Nächten am Webstuhl, die Enge der Inselgemeinschaft. Sein Vater John hat ihn nach Hause beordert, dem er all sein Wissen über Farben und Wolle verdankt, dessen Hingabe als Tweed-Weber er liebt und dessen presbyterianische Strenge er hasst. Sie sind einander so nah und kennen sich so wenig - blind für das wohlgehütete Geheimnis des anderen. Niemals könnte Cal dem Vater von seiner Sehnsucht nach einem Partner erzählen, wo dieser schon seine langen Haare als Sünde ahndet. Stattdessen sucht Cal immer mehr die Nähe von Innes, Johns sanftem bestem Freund ...Ein großer Roman über Verpflichtung und Verblendung, Liebe und Scham und die verwandelnde Kraft der Wahrheit.

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Personeninformation

Douglas Stuart, geboren und aufgewachsen in Glasgow, studierte am Royal College of Art in London. Nach seinem Abschluss zog er nach New York, wo er als Modedesigner arbeitete. Für seinen ersten Roman "Shuggie Bain", der in 40 Ländern erschien und zum Weltbestseller wurde, erhielt er den Booker Prize 2020. Nach "Young Mungo" (2023) erschien bei Hanser Berlin zuletzt "John of John", mit dem er erneut für den Booker Prize nominiert ist. Sophie Zeitz, 1972 geboren, lebt in Berlin. Sie übersetzt Literatur aus dem Englischen, u. a. Taffy Brodesser-Akner, Tess Gunty, John Green, Henry David Thoreau und Joseph Conrad, und ist dafür mehrfach ausgezeichnet worden.
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