Das Philosophenschiff

Roman
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Buchprofile - Rezension
Russland 1922, das Einzelschicksal einer Frau verbindet Geschichte und Fiktion eines der sog. Philosophenschiffe.
Zu ihrem 100. Geburtstag lädt die Architektin Anouk Perleman-Jacob einen Schriftsteller ein und bittet ihn, ihr Leben der Nachwelt in Romanform zugänglich zu machen. Etwas irritiert, aber doch neugierig lässt sich fortan der Ich-Erzähler darauf ein und erfährt Unerhörtes und Unglaubliches. Als 14-jähriges Mädchen wird Anouk gemeinsam mit ihren wohlhabenden, intellektuellen, aber politisch uninteressierten Eltern in einer Nacht- und Nebelaktion auf ein Schiff geladen, das in die Geschichte als Philosophenschiff einging. Russland verlassend verschwindet mit der Heimat auch die Aussicht auf ein unbeschwertes Leben. Gespenstisch leer ist das Schiff und das junge Mädchen vertreibt sich die Langeweile, indem es heimlich auf verbotenes Areal vorstößt und die Bekanntschaft eines vom Leben gezeichneten, im Rollstuhl sitzenden Manns macht, der nachts versteckt und allein auf Deck geschoben wird. Als Lenin selbst gibt sich der Gebrechliche zu erkennen und duldet die Unterhaltung mit der geistreichen Anouk, der Angst fern ist. In Einschüben führen die Erinnerungen in die jüngere Vergangenheit der Greisin und Anouk erzählt von ihrem Leben und Freundschaften in Berlin, wohin sie ihre Biografie geführt hat. Prägend jedoch bleibt das Erleben und Erkennen auf dem Schiff, wo Gemeinschaft schwindet und Existieren ohne Zuversicht bleibt. Anouks Neugier überwiegt jedoch das Verzweifeln und so stellt sich die erwachsene Frau der Vergangenheit und reflektiert das Menschsein im Drang nach Macht. Das Urteil spricht letztlich ein ebenso plötzlich wie heimlich auftauchender Mann, der mit Stalins Gesichtszügen beschrieben wird und Lenin nach seinem Urteilsspruch kurzerhand ins Meer stößt. Zurück bleibt der Rezipient zwischen Fiktion und Historie. Er muss nun beides deuten, die Romangeschichte und den historischen Hintergrund - mit dieser Hausaufgabe wird der Leser entlassen. Besonders.
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Artikelbeschreibung

Eine beinahe wahre Geschichte vom "erstklassigen Erzähler Michael Köhlmeier." Denis Scheck, ARD DruckfrischMit diesem großen Werk schließt Michael Köhlmeier an seinen Bestseller "Zwei Herren am Strand" an. Zu ihrem 100. Geburtstag lädt die Architektin Anouk Perleman-Jacob einen Schriftsteller ein und bittet ihn darum, ihr Leben als Roman zu erzählen. In Sankt Petersburg geboren, erlebt sie den bolschewistischen Terror. Zusammen mit anderen Intellektuellen wird sie als junges Mädchen mit ihrer Familie auf einem der sogenannten "Philosophenschiffe" auf Lenins Befehl ins Exil deportiert. Nachdem das Schiff fünf Tage und Nächte lang auf dem Finnischen Meerbusen treibt, wird ein letzter Passagier an Bord gebracht und in die Verbannung geschickt: Es ist Lenin selbst.

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Personeninformation

Michael Köhlmeier, 1949 in Hard am Bodensee geboren, lebt in Hohenems / Vorarlberg und Wien. Bei Hanser erschienen u. a. die Romane »Abendland« (2007), »Zwei Herren am Strand« (2014), »Matou« (2021), »Frankie« (2023), »Das Philosophenschiff« (2024) und »Die Verdorbenen« (2025), außerdem Gedichtbände«, »Die Märchen« (mit Bildern von Nikolaus Heidelbach, 2019) sowie die Essaybände »Das Schöne. 59 Begeisterungen« (2023)« und »Das Gute. 53 Zuneigungen« (2025). Michael Köhlmeier wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. 2017 mit dem Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung sowie dem Marie Luise Kaschnitz-Preis für sein Gesamtwerk und 2019 mit dem Ferdinand-Berger-Preis.

Pressestimmen

"Michael Köhlmeier gelingt mit dieser cleveren und gewitzt erzählten Geschichte eine Parabel auf den linken politischen Terror... Der Roman ist ein Meisterwerk der Erzählkunst, in dem Realität und Fiktion auf gekonnte Weise miteinander verwoben werden - spannend, tiefgründig und humorvoll zugleich. Und wie gesagt: brandaktuell." Michael Luisier, SRF2 Kultur, 25.02.24 "Eine berührende, politisch hellsichtige Parabel auf die Politik des Terrors ... Präzise sind die Dialoge, verspielt die längeren Prosapassagen. Köhlmeier beweist auch mit diesem Buch seine literarische Könnerschaft." Carsten Otte, SWR2 lesenswert, 28.01.24 "Ein spannender, kluger, mit großer formaler Könnerschaft erzählter Roman." Karl-Markus Gauß, Süddeutsche Zeitung, 07.02.24 "Eine eindringliche, leicht und zugleich zweifelnd erzählte Geschichte vom Scheitern großer Ideen im 20. Jahrhundert ... Ein sehr kluger und dabei wahnsinnig leicht und angenehm und wie ein Parlando zu lesender Roman, über den man lange nachdenkt." Verena Auffermann, Deutschlandfunk Kultur, 31.01.24 "Ein poetisches Buch der Unruhe. Hinter diesem wunderbaren Roman steht die Frage nach den Grundstrukturen des Terrors." Judith Kuckart, Neue Züricher Zeitung, 30.06.24 "Ein klassisch-köhlmeiersches Spiel zwischen Fakt und Fiktion." Alice Pfitzner, ORF ZiB, 29.01.24 "Ein mutiger Blick auf die ewig korrumpierende Macht, die selbst dann gefährlich wird, wenn sie das Gute will." Maximilian Sippenauer, Titel, Thesen, Temperamente, 21.01.24 "Ein Schelmenstück des Vorarlbergers, das nicht nur dem Gründer der Sowjetunion voller Hintersinn 'huldigt' ... Mit all ihren kunstvollen erzählerischen Flauten ist Michael Köhlmeiers nasse Klassenfahrt ein langes, eindringliches Gedankenspiel. Kann sein, dass das Lenin-Jubiläum sich von diesem wunderbar boshaften Anschlag nicht mehr erholen wird. Kein Klassenkampf, sondern famose Spiegelfechterei." Ronald Pohl, Der Standard, 29.01.24
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