99 Nächte in Logar

Band 77045
Roman
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Buchprofile - Rezension
Ein Zwölfjähriger kehrt mit seiner Familie für einen Sommer ins ländliche Afghanistan zurück. Einblick in Kultur und Landesgeschichte.
"Wenn eine Gruppe Männer zusammensaß, nippte einer an seinem Chai und erzählte seine Geschichte, und kaum erreichte er den Punkt, an dem er nicht weiter fortfahren konnte, den Teil der Geschichte, den ich vor allem hören wollte, nippte jemand anders an seinem Chai und begann seine eigene Geschichte, und so ging es immer weiter, bis alle an die Reihe gekommen waren und nicht eine Geschichte zu Ende erzählt worden war." Ganz so verfährt der 12-jährige Ich-Erzähler nicht, aber er nimmt doch die Tradition des orientalischen Geschichtenerzählers auf, lässt, wann immer sich die Möglichkeit bietet, eine weitere Geschichte einfließen. Und dabei sind auch hier nicht alle auserzählt. Die Rahmenhandlung spielt 2005 in Afghanistan. Marwand, der mit seinen Eltern und Brüdern in den USA lebt, kehrt für einen Sommer zurück in die Provinz Logar, wo er seine Kindheit verbracht hat. Dort erwarten ihn unzählige Familienmitglieder. Außerdem kreuzt Budabasch, ein Hofhund, seinen Weg und beißt ihm die Fingerspitze ab. Wenig später ist Budabasch verschwunden. Zusammen mit zwei kleinen Onkeln (14 und 12) und einem Cousin (wahrscheinlich 13) macht sich Marwand auf die Suche nach ihm. Der Autor schildert nun eine rauschhafte Odyssee durch ein Land, das sich in einem Trauma artigen Zustand befindet, immer wieder unterbrochen von kleinen oder großen Geschichten aus der Familienhistorie. Überall sind die schmerzhaften Verletzungen des jahrzehntelangen Krieges spürbar. Allerdings irritiert der Blick auf das Geschlechterverhältnis und auch der Umgang mit Budabasch, der mehr als einmal misshandelt wird. Man hat sich dazu entschlossen, nicht alle (paschtunischen oder Farsi?) Worte ins Deutsche zu übersetzen bzw. im Anhang zu erklären, so dass sich Leser/-innen möglicherweise wie die Hauptfigur Marwand fühlen, der im Heimatland auch (nicht mehr) alles versteht.
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Artikelbeschreibung

Logar, Afghanistan, im Jahr 2005: Der 12-jährige Marwand kehrt mit seiner Familie für einen Sommer aus den USA in seine Heimat zurück. Doch wie "Heimat" fühlt sich das Dorf ohne McDonald's, dafür mit merkwürdigen Bräuchen und noch merkwürdigerer Sprache, überhaupt nicht an. Und dann beißt ihm gleich am ersten Tag Budabasch, der dreibeinige Wachhund des Dorfes, eine Fingerspitze ab und verschwindet in den Weiten des Hindukuschs. Für Marwand und seine Freunde beginnt eine abenteuerliche Jagd durch ein kriegsversehrtes Land. Eine wilde und märchenhafte Suche in 99 Nächten nach dem eigenen Platz zwischen den Kulturen.

"Bevor ich es vergesse, hier sind ein paar Dinge, die ich in Logar sah: Eine Kobra. Sechs Kinder im Alter von vier bis elf, die zu der Kobra liefen. Eine Kobra mit abgezogener Haut, von sechs Kindern totgeschlagen. Eine Drohne (glaube ich?). 1.226 weiße Lilien. Einen wahren Gott. Keinen Budabasch."

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Personeninformation

JAMIL JAN KOCHAI wurde in einem afghanischen Flüchtlingscamp in Pakistan geboren, ist aufgewachsen in den USA. Sein Roman "99 Nächte in Logar" stand auf der Shortlist des PEN/Hemingway Award für das beste Debüt und war nominiert für den DSC Prize for South Asian Literature. Mit dem Erzählband "Die Heimsuchung des Hadschi Hotak" stand er auf der Shortlist des National Book Award und gewann den Aspen Words Literary Prize sowie den Clark Fiction Prize. Kochai lehrt Kreatives Schreiben an der California State University, Sacramento. Werner Löcher-Lawrence studierte Journalismus, Literatur und Philosophie, arbeitete als Lektor in verschiedenen Verlagen. Heute ist er als literarischer Agent und Übersetzer tätig. Zu den von ihm übersetzten Autoren gehören u.a. John Boyne, Hilary Mantel, Hisham Matar, Benjamin Myers und Ann Napolitano.
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