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Roman | »Keine andere Autorin schreibt so gut wie sie über Intimität.« Mariana Enriquez
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Buchprofile - Rezension
Einblick in das Leben einer jungen Frau mit indigenen Wurzeln, die es aus ihrer ländlichen kolumbianischen Heimat in die Großstadt Buenos Aires gezogen hat.
Eine junge Kolumbianerin schlägt sich seit einigen Jahren mit knappem Budget als Werbetexterin durch, spekuliert jetzt auf ein Literaturstipendium in den Niederlanden, wiewohl trotz bedrohlich naherückendem Abgabetermin kein zündender Text für die Bewerbung gelingt. In der Ichform beschreibt sie mit spitzer Feder ihr nicht nur räumlich beengtes Leben inmitten einer anonymen, halbfertigen Hochhaussiedlung mit kleinkarierten Nachbarn in einer erzwungenen Hausgemeinschaft. Die wenigen menschlichen Kontakte, aber auch sich selbst, unterzieht sie einer eher kritischen Beurteilung, wägt ab und resümiert schonungslos. Regelmäßig schickt ihr die Schwester Pakete, liebevolle Grüße aus der Heimat, eingedenk langer Transportwege oft verdorbenen Inhalts. Und eines Tages in einer hölzernen Kiste die Mutter! Verstörende Erinnerungen scheinen auf, Gespräche werden geführt, die nie möglich waren, die Mutter kocht und umsorgt die widerspenstige Tochter, und sorgt für Unmut, weil plötzlich Kehricht und tote Beutetiere der Hauskatze Agata auf nachbarlichen Balkonen landen - bis schließlich auch die tot aufgefunden wird. Ein Haus-Tribunal verlangt Rechenschaft, die Mutter verschwindet, - war sie denn jemals da? - und eine mögliche Schwangerschaft könnte dem Leben eine ganz neue Wendung, vielleicht Sicherheit geben. Genau beobachtete, fast pedantisch sezierte Alltäglichkeiten, Personen und Verhaltensweisen wechseln mit tiefgründigen Gedanken über Gut und Böse, von Beziehungen, Sicherheiten, dem Sinn des (eigenen) Lebens.
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Artikelbeschreibung

Die Mutter wird per Post geliefert

Erfrischend frech - eine neue Frauenstimme aus Lateinamerika. Eine junge Kolumbianerin versucht, Klarheit in ihr Leben zu bringen, in dem ein unzuverlässiger Geliebter, ein launischer Arbeitgeber, eine überforderte Freundin, misstrauische Nachbarn und eine diebische Katze kommen und gehen. Sie schreibt Texte für eine Werbeagentur und hofft auf ein Stipendium. Doch nichts ist sicher. Da fehlte gerade noch, dass ihre Mutter aus einem Paket springt und andauernd gute Ratschläge gibt. Ein hintergründiges Spiel beginnt: Ist die Mutter wirklich da oder ist sie nur eine Halluzination?

In einer minutiösen, eleganten Prosa, klar und genau, führt uns die Autorin durch das Labyrinth einer im Prekariat lebenden Generation. Beunruhigend und humorvoll.

»Keine andere Autorin schreibt so gut wie sie über Intimität.« Mariana Enriquez

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Personeninformation

Margarita García Robayo, 1980 in Cartagena in Kolumbien geboren. Sie schreibt Kurzgeschichten und Romane und wurde für den Erzählungsband Cosas peores mit dem Premio Literario Casa de las Américas ausgezeichnet. Margarita García Robayo lebt in Buenos Aires. Ihre Bücher wurden in über zehn Sprachen übersetzt. Dies ist ihr erster Roman auf Deutsch.

Dagmar Ploetz ist in Argentinien aufgewachsen, studierte in München Germanistik und Hispanistik, arbeitete journalistisch und im Lektorat und übersetzt seit 1986 lateinamerikanische und spanische Literatur, u.a. Gabriel García Márquez, Juan Rulfo, Juan Marsé und Rafael Chirbes. Für ihre Arbeit erhielt sie den Jane Scatcherd-Preis und den Münchner Übersetzungspreis.

Pressestimmen

Wunderbar skurril! Die Presse 20240824
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