Freiheitsschock

Eine andere Geschichte Ostdeutschlands von 1989 bis heute
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Buchprofile - Rezension
Schonungsloses, polemisches, aber gut recherchiertes Buch zu den Hintergründen ostdeutscher Befindlichkeiten.
Der Autor konstatiert in seinem Buch fundiert für viele Menschen im Osten den titelgebenden Freiheitsschock: nach zwei Diktaturen wurden sie nach der Wiedervereinigung in eine Freiheit gestoßen, die sie als Masse weder gewollt hatten noch mit der sie etwas anfangen konnten. Egal, ob sie oder ihre Eltern von der SED-Diktatur profitiert haben oder einfach nur Freiheit mit materiellem Wohlstand verwechselten – in der neuen Bundesrepublik mit ihrer Freiheit, aber auch ihren vielen Schattenseiten haben sich diese Menschen ihren eigenen "Westen" erfunden und sich selbst als "Rebellen" dagegen definiert. Kowalczuk hat in die 240 Seiten seines Buches sehr viel gepackt. Außer seiner Hauptthese erzählt und belegt er noch zahlreiche andere Möglichkeiten, auf knappem Raum entwickelt er eine der besten Schilderungen des "Ostens". Von den 1980er Jahren bis heute zieht er die verschiedenen Entwicklungslinien während der Endphase der DDR, der friedlichen Revolution, der Wiedervereinigung bis heute. Manches, was er berichtet, kann ich auch aus den Erinnerungen meines Vaters, der kurz vor dem Mauerfall in den Westen geflohen war, bestätigen, insbesondere, dass nationalsozialistisches und rechtskonservatives Gedankengut schon in den 1950er Jahren auch als eine Art "Widerstand" gegen die Diktatur aufgefasst wurden. Wenn heute in Ostdeutschland rechts gedacht, rechts gehandelt, rechts gewählt wird, dann hat das Wurzeln, die bis 1945 nahtlos zurückreichen. – Man wird vielleicht nicht allem in dem Buch zustimmen können, so sehe ich selbst das Treiben der Treuhand nach 1990 kritischer als der Autor. Auch ist es eine Streitschrift, der Tonfall kann manchmal Menschen ohne "Berliner Schnauze" etwas zu hart vorkommen. Das ändert nichts daran, dass hier der momentan wichtigste Beitrag zur Ostdeutschlanddebatte vorliegt, von dem drei Wochen nach Erscheinen bereits die 5. Auflage gedruckt wird. – Allen Büchereien empfohlen.
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Artikelbeschreibung

Der Kampf um Freiheit in Ostdeutschland - Ilko-Sascha Kowalczuks kompromisslose Analyse

1989/90 erlitt Ostdeutschland einen "Freiheitsschock", das ist die Grundthese dieses Buches. Ilko-Sascha Kowalczuk erzählt die Geschichte Ostdeutschlands seit 1990 als Kampf um die Freiheit - ein Kampf, dessen Ausgang richtungsweisend ist für die Zukunft ganz Deutschlands. Er will aufrütteln: zu mehr aktiver Eigenverantwortung, zu einer Abkehr von der eigenen Opferrolle und zu einem Blick auf die Geschichte, bei dem die DDR nicht immer schöner wird, je länger sie her ist. Die Diktatur bleibt in diesem Buch eine Diktatur und die Einheit eine Freiheitserfolgsgeschichte: eine Intervention gegen die antifreiheitlichen Strömungen von einem der profiliertesten ostdeutschen Intellektuellen.

Die AfD ist ein gesamtdeutsches Phänomen, aber in Ostdeutschland ist sie besonders erfolgreich. Wie ist das zu erklären? Wieso wird die liberale Demokratie gerade dort in Frage gestellt, wo die erste erfolgreiche Revolution auf deutschem Boden stattfand? Über Ostdeutschland wird gerade intensiv diskutiert, und Ilko-Sascha Kowalczuk ist eine der markantesten Stimmen dieser Debatte. Der Kampf um die Freiheit ist sein Lebensthema. Selbst in der SED-Diktatur groß geworden, hat er Standardwerke zur Geschichte der DDR und des Kommunismus vorgelegt, aber auch zur Revolution von 1989 und den Folgen der "Übernahme" der DDR durch die Bundesrepublik. Kowalczuk will die Ostdeutschen aus ihrer Opferrolle herausholen. Der Westen mag sich seinen Osten "erfunden" haben. Doch auch der Osten erfand und erfindet sich seinen Westen. In der DDR war der Westen für viele ein Sehnsuchtsort, doch auch die antiwestliche Propaganda der SED hatte weit zurück reichende Wurzeln. Sie wurden durch die Frustrationen des Vereinigungsprozesses verstärkt. Und sie hindern jetzt viele Ostdeutsche daran, sich die liberale Demokratie der Bundesrepublik zu eigen zu machen.

Empowerment statt Opferrolle: der Anti-Oschmann
Eine Intervention gegen die antifreiheitlichen Strömungen
Von einem der profiliertesten ostdeutschen Intellektuellen

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Personeninformation

Ilko-Sascha Kowalczuk ist Historiker und Publizist sowie wissenschaftlicher Berater der Geschäftsführung des Berliner DDR Museums. Er ist einer der renommiertesten deutschen Experten für die Geschichte der DDR und des Kommunismus. Im Juni 2025 erhielt er den Karl-Wilhelm-Fricke-Preis.

Pressestimmen

„Ilko-Sascha Kowalczuk ist der Punk unter den deutschen Historikern, akademischer Rebell und intellektueller Nonkonformist. Doch hängt er keinen destruktiven No-Future-Parolen an. Vielmehr zeigt er sich mit seiner zwischen Analyse und Anklage changierenden „anderen Geschichte Ostdeutschlands“ als Verteidiger von Demokratie und Freiheit“
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Jacqueline Boysen

„Ein feuriges Plädoyer für Liberalismus.“
Bestenliste Oktober von ZEIT, ZDF und Deutschlandfunk Kultur

„Kowalczuk, der sich durch seine fundierten Analysen und kritischen Werke zur DDR-Geschichte und der deutschen Wiedervereinigung einen Namen gemacht hat, wirft einen scharfsinnigen Blick auf das, was nach der Euphorie des Mauerfalls folgte.“
NDR extra3, Christian Ehring

„Beschreibt die Wendejahre aus einer komplett neuen Perspektive.“
hr2 Kultur

„Beleuchtet das zunehmende Fremdeln mit der Demokratie.“
mdr artour, Jens-Uwe Korsowsky

„Ein brennend wichtiges, schmerzhaftes Buch, das den Homogenitätsfetisch der DDR in einen großen historischen Zusammenhang stellt und seine Nachwirkungen bis heute erklärt … eine grundsätzliche Intervention, an der niemand vorbeikommt, der die deutsch-deutschen Verhältnisse verstehen möchte.“
rbb Radio3, Natascha Freundel

„Ein Plädoyer für Freiheit und Demokratie. Ein Plädoyer die Werte der Revolution von '89 nicht zu verraten.“
MDR, Stefan Nölke

„Freiheitsschock“ ist nicht nur ein Wutbuch, sondern vielmehr eine Erkundungsreise zum Ursprung eines Phänomens, bei dem der Autor den Osten nur vornweg traben sieht.“
Mitteldeutsche Zeitung, Steffen Könau

„Kowalczuks Buch ist einerseits historische Analyse der vergangenen 35 Jahre, andererseits ein persönlich argumentierender Essay, stets ausgehend von eigenen Erfahrungen.“
Deutschlandfunk, Niels Beintker

„Eine messerscharfe und unbequeme Bilanz der letzten 35 Jahre, die aber unbedingt nötig ist, um die Gegenwart besser zu verstehen.“
MDR, Bettina Baltschev

„Kowalczuk plädiert für mehr aktive Eigenverantwortung und die Abkehr von der eigenen Opferrolle.“
SWR Kultur Lesenswert, Michael Kuhlmann

Platz 2 der Sachbuch-Bestenliste von der literarischen WELT, NZZ, RBB Kultur und Radio Österreich 1 im Oktober 2024: „Sind die Ostdeutschen für autoritäre Strukturen besonders empfänglich? Der Historiker Kowalczuk erklärt die ostdeutschen Befindlichkeiten und das Wahlverhalten mit den divergierenden Vorstellungen von Freiheit und Demokratie.“

„Das Buch trifft offensichtlich einen Nerv“
Deutschlandfunk, Henry Bernhard

„Eindrucksvoll schildert er, wie schwer es ist, sich von den Zumutungen und Verformungen der Diktatur zu befreien.“
Spiegel, Anne Rabe

„Ein kluges Buch.“
WELT, Elmar Krekeler

„Eine gut und hart argumentierte Gegenanalyse zu aktuellen Ostalgie-Bestsellern. Kowalczuk unterlegt seine Thesen mit jahrzehntelanger Forschungserfahrung und seiner zuweilen rotzigen Berliner Schnauze.“
Tagesspiegel, Robert Ide

„Kowalczuks Blick ist eben nicht der typische West-Blick … Kowalczuk ist selbst in der DDR aufgewachsen und angeeckt. Für ihn war 1989 ein Moment der Freiheit. Er dachte nicht: „Juhu, endlich Kapitalismus.“ Der Freiheitsgewinn wird ihm jedoch inzwischen zu stark relativiert – und das beschreibt er in seinem Buch herrlich.“
Süddeutsche Zeitung, Philipp Grütering (Deichkind)

„Kaum einer kann die DDR so gut erklären wie der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk.“
SPIEGEL, Frank Thadeusz
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