Die heiligen Narren

Roman
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Buchprofile - Rezension
Ein einfacher Knecht auf einem spanischen Landgut wehrt sich in den 60er Jahren gegen die Unterdrückung der Großgrundbesitzer.
Azarías, ein alter Knecht, lebt in den 60er Jahren auf einem spanischen Landgut. Auch wenn er als zurückgeblieben gilt, erledigt er gewissenhaft kleinere Aufgaben. Er kümmert sich um das Federvieh, reinigt die Ställe und rupft abends die Vögel, die sein Herr, der jagdwütige Señorito Iván, erlegt hat. Als Azarías seine Stelle verliert, kommt er bei seiner Schwester Regula und seinem Schwager Paco auf dem Nachbargut unter. Dort zieht der alte Mann eine aus dem Nest gefallen Dohle auf und kümmert sich liebevoll um den Vogel. Paco begleitet Iván regelmäßig auf die Jagd, bis er sich nach einem anstrengenden Tag das Bein bricht. Azarías mit seinem Verständnis für Tiere soll einspringen. - Der bereits 1981 erschienene Roman ist in Spanien Schullektüre. Er schildert den Konflikt zwischen Großgrundbesitzern und Landbevölkerung. Erst Azarías, einem einfachen Knecht, gelingt es hier stellvertretend für eine breite Masse von Unterdrückten, gegen das Herrschaftssystem zu rebellieren und starre Strukturen aufzubrechen. Der schmale Roman hat nur 6 Kapitel, wobei jedes Kapitel aus einem einzigen Satz besteht. In einfacher Sprache mit hauptsächlich wörtlicher Rede wirkt er wie die Erzählung einer seiner Figuren. Eine Wiederentdeckung aus dem Gastland der Frankfurter Buchmesse. Lesenswert!
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Artikelbeschreibung

Mit literarischer Wucht zeichnet Miguel Delibes ein differenziertes Bild vom Leben unter dem Franco-Regime, das die scheinbare Unabänderlichkeit der sozialen Ordnung ad absurdum führt. Zum Helden wird ausgerechnet Azarías, ein Sonderling, dessen ganze Liebe einer Dohle gehört, die er vor dem Hungertod gerettet hat. Denn als eines Tages der junge Gutsbesitzer aus Wut über eine misslungene Jagd das Gewehr auf den Vogel des Untergebenen richtet, reagiert der sonst so friedliche Azarías unerwartet ...

Eine allgemeingültige Geschichte über Unterdrückung - und darüber, dass Befreiung nicht nur nötig, sondern möglich ist.

»Ein Buch, in dem die unmittelbar vorhergehende, die Gegenwart noch immer tangierende Vergangenheit erblickt werden kann.« NZZ



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Personeninformation

Miquel Delibes, geboren 1920 in Valladolid, studierte Rechtswissenschaft und arbeitete als Anwalt, Lehrer für Handelsrecht und Chefredakteur der Zeitung »El Norte de Castilla«. 1974 wurde er zum Mitglied der spanischen Königlichen Akademie ernannt, 1993 erhielt er den Premio Miguel Cervantes, den wichtigsten spanischsprachigen Literaturpreis. »Die heiligen Narren« wurde 1984 verfilmt. Er starb 2010 in seinem Heimatort. Bis heute zählen seine Romane im spanischen Sprachraum zur Schullektüre.

Petra Strien-Bourmer, promovierte Romanistin, lebt als Übersetzerin von Belletristik und Lyrik in Köln. Sie hat zahlreiche Romane, Erzählungen, Lyrik spanischer und lateinamerikanischer Autoren übersetzt (u. a. Laura Esquivel, Angeles Mastretta, Adolfo Bioy Casares, Leopoldo Lugones, Rosario Castellanos, Enrique Vila-Matas, Juan Gelman, José Angel Valente).

Pressestimmen

»Delibes' Roman ist ein moderner Klassiker aus der Zeit des Übergangs von der Diktatur zur Demokratie.« Victoria Eglau Deutschlandfunk Kultur 20221206
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