Künstliche Beziehungen

Roman
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Buchprofile - Rezension
Gottes- und Messiaskomplex in der virtuellen Welt: Nathan Devers‘ Roman über einen, der im Videospiel über sich herauswächst und am Ende alles verliert.
Die ganze Welt ist von KI fasziniert. Die ganze Welt? Nur der junge Franzose Julien Libérat widersetzt sich der digitalen Macht. Und das auf drastischste Weise, indem er sich zu weit aus dem Fenster lehnt, und zwar mit einem schwarzumrandeten Post auf Facebook sowie ferner, im unbildlichen Sinne, im sechsten Stock seiner Wohnung in der Pariser Banlieue. Mit diesem Paukenschlag beginnt Nathan Devers seinen Roman über das Schicksal eines Geeks. Das ist ein vom Internet Gebannter, der im Unterschied zum Nerd soziale Kontakte pflegt, offline wie online. Aber Julien ist so unzufrieden mit seinen Gelegenheitsjobs, dass er sich einem Online-Spiel anvertraut. Das heißt „Antiwelt“, in dem die ganze Welt bis ins Detail nachgebildet ist. Dieses Metaversum bespielt nun Libérat als bewusst hässlicher, aber äußerst findiger Avatar, der Kryptowährung scheffelt, eine persönliche Leibgarde hält und sich auf allerlei Abenteuer einlässt, die soziale und moralische Grenzen überschreiten, bis zu einem Mord. Das Spiel wiederum hat der dauerkoksende Entwickler Sterner ausgeheckt. Der Roman entwickelt ein doppeltes Spiel von Gottes- und Messiaskomplex: einerseits verirrt und verliert sich Libérat in der virtuellen Welt, andererseits gönnt ihm Sterner sensationelle Erfolge als Lyriker, zunächst im Metaversum, dann auch in der Realität des Romans. Auf diese Weise verschwimmen die Grenzen zwischen virtuellen und realen Medien, die Unberechenbarkeit in der Gaming-Kultur wird sichtbar, und die Handlung wird zusehends von religiösen Fragen durchbrochen: Wie stark ist die Versuchung der Künstlichen Intelligenz? Was löst eine vervielfachte Identität aus? Und warum soll der Name Gottes nicht missbraucht werden? Devers hat einen spannenden und aktuellen KI-Roman geschrieben, der sich satirisch oder religiös lesen oder einfach nur kritisch betrachten lässt, als Warnung vor einer Welt, in der alles wahr erscheint und nichts Wahrheit besitzt.
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Artikelbeschreibung

Eine aufregende Entdeckung aus Frankreich: Nathan Devers' Roman »Künstliche Beziehungen«

Gedankenlos klickt Julien Libérat auf einen Link im Netz und lässt den Liebeskummer und sein erbärmliches Vorortzimmer hinter sich. Berauscht von den Möglichkeiten der KI, stürzt er sich in die fabelhafte »Antiwelt«, wo er sich unter dem Namen Vangel neu erfindet und mit seinem Boxergesicht ein stürmisches Leben führt.
Adrien Sterner ist der visionäre Entwickler dieses Metaversums, er duldet keine anderen Götter neben sich. Als Vangel zum Superstar wird, sieht er sich zunehmend bedroht und muss handeln.
Können wir mit verschiedenen Identitäten leben? Ist es möglich, sich eine eigene Welt zu erbauen? Nathan Devers' Roman setzt sich mit diesen Fragen auseinander und schafft eine lustvolle Verbindung von Literatur und virtueller Welt. Ein Roman über die Leidenschaft des Künstlichen.

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Personeninformation

Nathan Devers, geboren 1997, hat nach einer abgebrochenen Rabbiner-Ausbildung Philosophie an der École normale supérieure studiert und unterrichtet an der Universität in Bordeaux. Er arbeitet als Kommentator für verschiedene TV-Kanäle und ist Herausgeber der von Bernard-Henri Lévy gegründeten Zeitschrift »La Règle du jeu«. »Künstliche Beziehungen« ist sein zweiter Roman. Nathan Devers lebt in Paris.

André Hansen ist Übersetzer aus dem Französischen, Italienischen und Englischen. Er hat in Mainz, Dijon und Bologna studiert und war Teilnehmer am Georges-Arthur-Goldschmidt-Programm 2016. Er übersetzt sowohl literarische wie geisteswissenschaftliche Texte u.a. von Nicolas Mathieu, Thomas Piketty, Florence Aubenas und Mahir Guven.

Pressestimmen

[...] Devers [...] ist [...] ein seltenes Kunststück gelungen: Ein kluges Buch über Dinge, die uns auf den Nägeln brennen. Aber auch ein Buch voller clever getimter Action [...]. Uli Hufen Westdeutscher Rundfunk, WDR 5 (Bücher) 20240811
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