Vergiss dich nicht

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Buchprofile - Rezension
Eine Tochter versucht, den Kontakt zu ihrer dementen Mutter aufrechtzuerhalten.
Was bleibt von einem Menschen, der an Demenz erkrankt ist? Wie lassen sich noch Verbindungen aufnehmen, welche Erinnerungen kann man noch miteinander teilen? Die Mutter der Autorin lebt auf der Demenzstation eines Pflegeheims. Es ist gut für sie gesorgt, aber ihre Erkrankung bewirkt, dass sie immer schweigsamer wird. Die gemeinsame Familiengeschichte scheint der einzige Anker zu sein, der die Verbindung zwischen Mutter und Tochter noch hält, doch werden die Begegnungen zunehmend monologisch. Es ist die Stimme der Tochter, die die Bruchstücke der Erinnerungen zu sammeln versucht. Gleichzeitig beobachtet sie die anderen Heimbewohner:innen. Auch ihre Welt wird immer kleiner; ihr Gedächtnis mag in die Tiefe gehen, doch lässt sich dies nicht mehr vermitteln. Das Pflegepersonal, das häufig einen Migrationshintergrund hat, bringt seine eigene Weltsicht an diesen Ort. Diese großformatige und aufwendig gestaltete Graphic Novel widmet sich dieser Schicksalsgemeinschaft in außergewöhnlichem zeichnerischem Ausdruck. Es ist eine Mischung aus expressiver Formensprache und subtiler Wiedergabe flüchtiger Episoden. Körper und Gegenstände verlieren ihre Kontur; an ihre Stelle treten schwarze, wolkenförmige Gebilde, die das Gedächtnis auszulöschen scheinen. Keine dieser Zeichnungen ist leicht zu entschlüsseln, was dem Thema angemessen ist. Ähnlich verhält es sich mit den Texten und Zeichnungen: die Handschrift und der schweizerdeutsche Dialekt stellen Leser:innen und Betrachter:innen vor Herausforderungen im Verständnis. Man erhält Einblicke in die Parallelwelt eines Pflegeheims, die von Trauer, von absurden Situationen und auch von Komik geprägt ist. Dies ist ein Buch des Abschieds von einem reichen Leben, dessen Verschwinden nicht aufzuhalten ist, das aber hier eine bedeutende Würdigung erfährt.
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Artikelbeschreibung

Likas Mutter lebt seit einigen Jahren in einem Heim für demenzkranke Menschen. Als die Besuche bei der Mutter immer schweigsamer werden, beginnt Lika Nüssli, inspiriert von den Menschen und Situationen in dieser Parallelwelt, zu zeichnen.«Vergiss dich nicht» ist eine Erzählung über das Erinnern, das Vergessen und den Migrationskosmos in Altersheimen. Denn trotz ungleicher Rollenverteilungen bilden Bewohner*innen und Pflegende eine Schicksalsgemeinschaft aus Menschen, deren Existenz und Wert von der Gesellschaft oft vergessen wird. Auf der Suche nach sich selbst und Zugehörigkeit sehen sich die Figuren immer wieder mit der Frage konfrontiert: Was ist Heimat? Der Körper, den wir bewohnen, ein Ort an dem wir leben, andere Menschen, die wir lieben, oder eine gemeinsame Geschichte?

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Personeninformation

* 1973 in Flawil. Nach einer Ausbildung zur Textildesignerin in Herisau studierte sie Illustration an der Hochschule für Design und Kunst in Luzern. Seit 2003 arbeitet sie als freischaffende Künstlerin in St. Gallen. Für ihr zeichnerisches Werk wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem 2016 mit dem Comicstipendium der Deutschschweizer Städte, 2020 mit dem Comic-Werkbeitrag von Pro Helvetia sowie 2023 mit einem Schweizer Literaturpreis für «Starkes Ding» (2022).
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