Kinder sind keine Ware
Die katholischen deutschen Bischöfe lehnen Leihmutterschaft weiter ab und warnen vor ethischen und sozialen Folgen.
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Der Politiker Jens Spahn hat es getan. Eine amerikanische Leihmutter hat für ihn und seinen Partner ein Kind ausgetragen. Vor einigen Jahren hatte er sich noch strikt gegen eine solche Praxis ausgesprochen. Spahn hat das die politische Karriere gekostet und Leihmutterschaften wieder zu einem vieldiskutierten Thema gemacht.
Mit dem befassen sich auch die katholischen Bischöfe Deutschlands auf ihrer Herbstvollversammlung in Fulda. Und ihre Ablehnung ist eindeutig: „Wegen der Würde eines Kindes und einer Mutter und ihrer Vermarktung bleiben wir bei dieser klaren Positionierung“, erklärt der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck gegenüber innehalten.de. Das sagt er auch als Vorsitzender der neuen Kommission Glaube und Wissenschaft, zu deren Vorsitzendem ihn die Vollversammlung gerade gewählt hat.
Leihmutterschaft: Bischöfe
warnen vor Ausbeutung
Der Augsburger Weihbischof Anton Losinger ergänzt das mit einem Beispiel: Ein amerikanisches Paar hatte bei einer ukrainischen Leihmutter ein Kind austragen lassen. Es kamen dann aber Zwillinge zur Welt, einer davon mit einem körperlichen Handicap: „Die Auftraggeber haben das gesunde Kind mitgenommen und das behinderte zurückgelassen.“ Damit macht der Ethik- und Wissenschaftsexperte Losinger das Dilemma klar: „Wir erleben, wie durch Geldverträge Mutterschaft erkauft wird, zulasten von Frauen, die meistens in einer wirtschaftlichen Notlage handeln.“
Und selbst bei einer altruistischen und ohne Gewinnabsicht eingegangenen Leihmutterschaft bleibt eine erhebliche Schwierigkeit. Die Kinder haben eine von Juristen sog. „gespaltene Elternschaft“ zu bewältigen, mit möglicherweise einer genetischen, einer biologischen und einer sozialen Mutter, vielleicht sogar mit einem anonym bleibenden Samenspender. Das verursache bei den Betroffenen oft ein lebenslanges Fragen nach ihrer eigentlichen Identität, so Losinger gegenüber innehalten.de.
Die deutschen Bischöfe wollten zwar niemandem absprechen, verantwortungsvolle Eltern zu sein oder unter einem unerfüllten Kinderwunsch schwer zu leiden. Doch die Leihmutterschaft werfe eben erhebliche Probleme auf. Der Vorschlag, sie in Deutschland unter strengen Auflagen zu erlauben, um ausbeuterische Praktiken und Auswüchse im Ausland zu verringern, überzeugt die Bischöfe nicht.
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Sorge vor Designerbabys
Weihbischof Losinger weist zudem auf ein weiteres damit verbundenes Problemfeld hin: „Die Frage Leihmutterschaft und Gentechnologie ist leider eine verschwiegene oder vergessene.“ Mit Hilfe der Genschere CRISPR/Cas9 könnten Wunschkinder maßgeschneidert werden, Haar- oder Augenfarbe sind dabei noch eher harmlose Eingriffe in die Keimbahn.
Zudem gingen Auftraggeber und Reproduktionsmediziner bei künstlichen Befruchtungen und Leihmutterschaften auf Nummer sicher. Es wird nicht nur ein Embryo für die Einpflanzung aufgezogen, sondern mehrere. Derzeit gebe es weltweit Zehntausende solcher Embryonen, „von denen wir überzeugt sind, es sind Menschen im Werden“, so Losinger, „und von denen ehrlicherweise gesagt werden muss, dass niemand weiß, was man mit ihnen anfangen soll“. Deshalb brauche es gerade „im Bereich der Top-Level-Forschung eine nüchterne Technikfolgenabschätzung“.
Weihbischof Anton Losinger im Interview mit innehalten.de Chefreporter Alois Bierl am Rande des Herbsttreffens der katholischen Bischöfe in Fulda. Foto: © DBK/Sowa
Es mag ein Extrembeispiel sein, dass Auftraggeber einer Leihmutterschaft das gehandicapte Zwillingskind einfach zurücklassen. Dass Kinder wie eine von Amazon gelieferte Ware behandelt werden. Bei Nichtgefallen wird sie zurückgegeben. Die schweren Bedenken der Kirche gegenüber der Leihmutterschaft bleiben dennoch. Dass sie gehört und bedacht werden, da ist sich Anton Losinger sicher.
Als langjähriges Mitglied im Deutschen Ethikrat und Mitglied im Senat der Max-Planck-Gesellschaft hat er aktuelle Forschungsvorhaben und Spitzenwissenschaftler kennengelernt. „Und die stellen sich gesteigert die Frage nach der Verantwortung ihres Tuns für die Menschheit.“ Die Bischöfe wollen mithelfen, sie mit dem christlichen Menschenbild zu beantworten.
International unterschiedliche Regeln für Leihmutterschaft
In Deutschland ist sowohl die kommerzielle als auch die uneigennützige „altruistische“ Leihmutterschaft verboten. Mutter eines Kindes ist einzig die Frau, die das Kind geboren hat. Dahinter steht vor allem die Annahme, dass Schwangerschaft und Geburt eine enge Beziehung zwischen Mutter und Kind begründen und deshalb prägend für eine spätere Eltern-Kind-Beziehung sind. Außerdem soll eine Ausbeutung von Frauen verhindert werden.
Das Verbot führt allerdings zu einem „Leihmutterschaftstourismus“ in Länder, in denen Leihmutterschaft legal ist. Damit kollidieren dann unterschiedliche Rechtssysteme. Mittlerweile wird die Elternschaft für ein im Ausland von einer Leihmutter geborenes Kind von deutschen Behörden und Gerichten regelmäßig anerkannt.
Beliebtestes Ziel deutscher Paare für Leihmutterschaften ist die Ukraine, wo diese auch kommerziell erlaubt und gesetzlich geregelt sind. Zu einem der wichtigsten Ziele des Leihmutterschaftstourismus hat sich zuletzt Kolumbien entwickelt, weil es dort keine gesetzlichen Regelungen gibt. Nach der Geburt des Kindes trennt ein Gerichtsurteil die schwangere Mutter endgültig von dem Kind. Allerdings wurde vor wenigen Wochen ein Gesetzentwurf zum Verbot sämtlicher Formen der Leihmutterschaft ins Parlament eingebracht.
In den USA gelten in den einzelnen Bundesstaaten unterschiedlichste Regelungen. (kna/alb)



