Glaubenswelten
12.05.2026

Interview mit Anselm Grün

Über Hoffnung und den Katholikentag

Vom 13. bis 17. Mai findet der Katholikentag in Würzburg statt. Mit dabei: Anselm Grün. Im Interview verrät er, warum er ein Buch zum Veranstaltungsmotto verfasst hat, mit welchen Anliegen Menschen dort zu ihm kommen und warum die Kirche präsent bleiben muss.
 

„Hab Mut, steh auf!“ (Mk 10,49) lautet das Leitwort des Katholikentags vom 13. bis 17. Mai in Würzburg. „Hab Mut, steh auf!“ (Mk 10,49) lautet das Leitwort des Katholikentags vom 13. bis 17. Mai in Würzburg. Foto: © Daniel Schwarz/Katholikentag

Pater Anselm, was ist der Katholikentag für Sie?

Sicher ein spiritueller Ort. Da kommen viele, die spirituell in ihren Pfarreien oft nicht satt werden. Auf dem Katholikentag können sie sich aussuchen, was für sie passt. Natürlich ist es auch ein „Familientreffen“, auf dem die Kirche sich präsent zeigt.

Müsste man diesbezüglich in Pfarreien nachbessern?

Viele bemühen sich. Es gibt lebendige Pfarreien, aber in vielen ist es durch die Personaldecke nicht so einfach, immer wieder neue Wege zu finden. Auch durch die mangelnde Bereitschaft der Menschen. Ich kenne sehr engagierte Pfarrer, die keinen großen Erfolg haben, weil die gesellschaftliche Evidenz einfach ein Stück gegen die Kirche spricht.
   

Anselm Grün ist Mönch der Benediktinerabtei Münsterschwarzach und spiritueller Autor. Anselm Grün ist Mönch der Benediktinerabtei Münsterschwarzach und spiritueller Autor. Foto: © Katharina Gebauer
Auf Katholikentagen sind Sie als Gesprächspartner gefragt. Mit welchen Anliegen kommen Menschen zu Ihnen?

Viele bedanken sich, weil sie eines meiner Bücher gelesen haben, das ihnen geholfen hat. Das freut mich. Manche Gespräche können auch beschwerlich sein. Aber ich mache das eigentlich gern, weil die Leute Zuversicht und Hoffnung brauchen. Sie wollen eine Spiritualität haben, die nicht moralisiert, sondern die sie aufbaut.

Sie haben ein Buch zum Motto des Katholikentags in Würzburg geschrieben: „Hab Mut, steh auf.“ Dort schreiben Sie, man müsse dem verbreiteten Gefühl der Ohnmacht etwas entgegensetzen. Was empfehlen Sie?

Ohnmacht kann lähmen oder aggressiv machen. Da muss man aktiv reagieren. Das eine ist, mutig aufzutreten, zum Glauben zu stehen. Aber auch Zivilcourage zu zeigen, wenn ich Menschen sehe, die Hilfe brauchen. Es geht darum, eine Atmosphäre von Mitmenschlichkeit, von Hilfsbereitschaft in die Gesellschaft zu bringen.

Niemand von uns kann Kriege beenden. Es ist wichtig, dass wir uns nicht ständig mit negativen Nachrichten vollstopfen, sondern die Hoffnung behalten. Ein Weg dazu ist sicher das Beten. Das löst keine Probleme in Kriegsgebieten. Aber wenn ich bete, gehe ich als hoffender Mensch in die Gesellschaft. Dann habe ich eine andere Ausstrahlung.

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Kann diese Hoffnung etwas zu gesellschaftlichen Debatten beitragen?

Auf jeden Fall, weil sie kein Optimismus ist, sondern die Probleme anschaut, wie sie sind. Trotzdem gibt die Hoffnung Energie.

Ich halte viele Führungsseminare. Da stellt sich immer auch die Frage, welche Hoffnung ich in meiner Firma, meiner Arbeit, meiner Person vermittle. Da merken die Menschen, dass dieser christliche Wert von Hoffnung viel mehr Energie hat als die Begriffe der Betriebswirtschaft.

Betriebswirtschaft spricht von Zukunftsvision, aber das erweckt keine Kraft in Menschen, weil es rein rational ist. Die christlichen Werte sind emotional. Wenn die richtig vermittelt werden, können Menschen merken: Dieser alte christliche Begriff hat Energie, und der hilft uns heute sinnvoll zu arbeiten. Denn wenn ich Hoffnung vermittle, hat mein Leben auch einen Sinn und dann habe ich auch Energie.

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Von Kritikern heißt es bisweilen, Katholikentage seien zu politisch und die Kirche solle sich aus der Politik raushalten. Wie sehen Sie das?


Natürlich soll die Kirche nicht direkt Politik treiben und als Besserwisserin auftreten. Aber es ist wichtig, dass sie ein Forum zur Verfügung stellt, etwa für ethische Themen. Die Werte, die die christliche Tradition hat, müssen geachtet werden. In der Bibel steht zum Beispiel: Wer Gerechtigkeit sät, wird Frieden ernten. Wir sollen uns um Gerechtigkeit innerhalb der Gesellschaft und der Weltpolitik bemühen.

Die französische Philosophin Corine Pelluchon hat gesagt, wenn eine Gesellschaft keinen Hoffnungshorizont hat, kreist jeder nur noch um sich selber. Die Kirche hat die Aufgabe, daran zu arbeiten, dass die Gesellschaft wieder einen Hoffnungshorizont hat.

Interview: Hannah Krewer

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Artikel von KNA
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