Frauen sichtbar machen – Kunstinstallation in der Heilig-Geist-Kirche Pullach
Zum 150. Gründungsjubiläum der Pfarrei Heilig Geist in Pullach bei München macht eine Kunstinstallation auf die Frauen in der Kirchengschichte aufmerksam.
Neben den altehrwürdigen Heiligenfiguren ziehen derzeit farbige Frauen aus Papier die Blicke auf sich. Foto: © SMB/Krka
Aus grau-braunem Holz geschnitzt blicken die zwölf Apostelfiguren an den Seiten des Hauptschiffs der Pullacher Heilig-Geist-Kirche auf die Besuchenden herab. Doch wer hinaufschaut, achtet wahrscheinlich auf etwas ganz anderes: Jedem Apostel steht in leuchtenden Farben eine Frauenfigur aus Papier zur Seite.
Die Idee zu dieser außergewöhnlichen Kunstinstallation stammt von Gemeindeassistentin Marie-Pauline Meyer: „Unsere Gemeinde ist eine ganz lebendige – das wollte ich zum Ausdruck bringen. Und zu uns gehören nicht nur Männer, sondern auch Frauen. Sie repräsentieren unsere Gemeinschaft genauso. Doch an vielen Stellen tauchen sie einfach nicht auf.“
Frauen in der Kirche sichtbar machen
Unter den Aposteln und ihren farbenfrohen Begleiterinnen ist jeweils ein Verb zu lesen: „brennen“, „versöhnen“ oder auch „anecken“. „Unsere Religion ist eine aktive; die Verben drücken aus, wie wir unseren Glauben leben“, erklärt Meyer.
Für die Umsetzung ihrer Idee holte sie die Pullacher Goldschmiedin Angi Mayr ins Boot, die bereits mehrere Kunstprojekte mit Jugendlichen der Gemeinde realisiert hat. Mayr war sofort begeistert: „Ich hätte nicht gedacht, dass das Projekt so groß wird – dass man noch so viel damit machen kann“, lacht sie.
Farbenfrohe Frauenfiguren mit Symbolkraft
Während die studierte Theologin Meyer den theoretischen Hintergrund des Projekts im Blick behält, setzt die Künstlerin ihre Vision praktisch um:
„Ich wollte ansteckende, lebendige Frauen erschaffen, die mit all ihren Charakterstärken zeigen, dass wir etwas bewegen können.“
Eine Woche lang arbeitet Mayr fast ohne Pause, teilweise bis tief in die Nacht. Inspiration findet sie in ihrer Intuition und in der Natur. Das Material für die Figuren wählt sie bewusst in den sechs Regenbogenfarben – leuchtend, kraftvoll, mitreißend.
Die erste vollendete Figur ist die Lobende, ganz in Gelb, mit einem Kleid aus Kreisen. Doch die Favoritin der beiden Verantwortlichen ist die „grüne Dame“: Mit einer Krone auf dem Kopf und einem Lamm auf den Schultern verkörpert sie Stärke und Fürsorge. „Sie ist gekrönt durch das Tragen“, schwärmt Mayr. „Als Mütter tragen Frauen ein Kind aus und sind Hirten in dieser Welt.“
Daneben steht die violette Frau an der Seite des Apostels Paulus, die das Versöhnen ausdrückt: Ihr Körper ist von unzähligen Tauben bedeckt. „Sie ist etwas kleiner geraten als die anderen. Aber es passt zu ihr – sie soll den Frieden symbolisieren, und der ist in unserer Welt leider immer noch viel zu klein.“
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Raum für Interpretation und Empowerment
Obwohl sich Meyer viele Gedanken gemacht hat, welche Frauenfiguren aus Bibel und Kirchengeschichte dargestellt werden könnten, bleibt die Kunst bewusst offen für persönliche Deutung. „Die Figuren bieten so viel Raum für Interpretation. Immer wenn wir darüber reden, fällt mir etwas Neues dazu ein“, sagt Mayr.
Auch die Gemeinde reagiert begeistert. Schon beim Aufhängen der Kunstwerke – in fast fünf Metern Höhe – halfen viele Pfarrei-Mitglieder tatkräftig mit. Die Jugend versammelte sich spontan im Mittelschiff, um die farbenfrohe Kirchenkunst zu bestaunen.
Besonders bewegend war für Mayr die Reaktion einer Gemeindefrau, die trotz gesundheitlicher Einschränkungen unbedingt kommen wollte, nachdem ihr Mann ihr Fotos der Installation gezeigt hatte.
Die Zukunft der Kunstinstallation in Pullach
Ein Ende der Installation ist nicht absehbar – im Gegenteil. Die beiden Initiatorinnen haben noch viele Pläne mit „ihren Frauen“. Ob in Wort, Bild oder sogar als Wanderausstellung – wie Apostel selbst sollen die Figuren in die Welt hinausgehen und ihre Botschaft von Glaube, Empowerment und Gleichberechtigung verkünden.



