Warum uns Neuanfänge magisch anziehen – Die Sehnsucht nach Veränderung verstehen
Wenn Alltag, Job oder Beziehungen belasten, wächst die Sehnsucht nach einem Neubeginn. Warum Aufbruch Mut braucht – und Stillstand keine Option ist.
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Die Arbeit stresst. Der Nachbar nervt. Die Liebe läuft im Leerlauf. Solche trüben Gedanken und Gefühle können den Wunsch wecken, das Alte hinter sich zu lassen und Neues zu wagen. Vielleicht lockt aber auch ein nächster Lebensabschnitt oder es tut sich eine unverhoffte Chance auf. Nichts erscheint so vielversprechend wie ein Neustart!
Die Sehnsucht nach einem Neubeginn zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Menschheit. Mythen, Märchen und Erzählungen der Religionen – sie alle handeln von Aufbrüchen: Aschenputtel will ihre Beschäftigung als Erbsenzählerin loswerden und kämpft gegen ihre Stiefmutter, um hinter dem Ofen hervorzukommen. Mose hängt seinen Job als Schafhirte an den Nagel, um sein Volk aus der Unterdrückung zu befreien.
Warum erzählen wir Menschen uns seit Jahrtausenden die Geschichte vom Neuanfang? Vielleicht, um einander Mut zu machen für die kleinen und großen Aufbrüche. Und um Wegweiser an der Hand zu haben, wenn das Leben uns zu Abschied und Neubeginn ruft.
Wenn das Leben ruft - Warum wir
Veränderungen brauchen
Manchmal klopft das Leben von innen her an. In solchen Momenten spüren wir: Es ist an der Zeit, dass ich die Sicherheit des vertrauen Zuhauses zurücklasse und Neues wage – etwa einen lang gehegten Traum umsetze oder dem grau gewordenen Alltag neue Farbe verleihen. Ein anderes Mal wirft uns ein Ereignis aus der Bahn: der Verlust des Arbeitsplatzes, eine Trennung, eine schwere Krankheit… Ein solcher Umbruch kann unser Leben auf den Kopf stellen. Eine Rückkehr in das vertraute Leben ist nicht mehr möglich. Ungewollt findet man sich in Neuland vor, und es bleibt keine Wahl: Wir können nicht anders, als uns Schritt für Schritt in neues Terrain vorzutasten.
Lebensphasen im Wandel:
Warum Stillstand keine Option ist
Schließlich gibt es noch Lebensphasen, die wir durchlaufen. Es ist einfach so: Lange Zeit stimmt das gewohnte Leben, doch irgendwann spürt man: Mein vertrauter Alltag passt nicht mehr – so ähnlich, wie wenn man aus Kleidern herausgewachsen ist. In der Lebensmitte etwa meldet sich oft zu Wort, was bisher auf der Strecke geblieben ist und nun integriert, werden will. Auch in späteren Jahren stehen tiefgreifende Wandlungen an: Die Kinder verlassen das Haus und neue Freiräume wollen sinnvoll gestaltet werden ... Und ebenso ruft das Leben im Alter zu Abschied und Wandlung: Etwa in der Besinnung auf die Dinge, die man in der Weisheit des Alters als wesentlich erkennt. Oder in der Sehnsucht nach Heilung und Versöhnung. So vielgestaltig der Ruf des Lebens auch ist: Auf einer tieferen Ebene fordert er immer auf, dass wir uns weiterentwickeln. Als Person wachsen. Und stets voranschreiten auf der Reise zu uns selbst.
[inne]halten - das Magazin 25/2025
Suche nach Einheit
Papst Leo beschwört am Ort des Konzils von Nizäa die Gemeinschaft der Christen.
Lesen Sie im [inne]halten-Magazin unseren Themenschwerpunkt und weitere Geschichten und Berichte aus dem kirchlichen Leben.
Sehnsucht als Kompass: Die spirituelle
Kraft des Neubeginns
In der christlichen Spiritualität spielt die Sehnsucht eine zentrale Rolle. Sie deutet diese als eine göttliche Kraft im Menschen. Die Sehnsucht ist die Herzens-Stimme, die jedem Menschen seinen Weg zeigt. Sie lässt uns nach unserer Aufgabe im Leben, nach unserer Bestimmung suchen. Sie weckt den Traum von einer besseren Welt und schickt uns auf den Weg, das Eigene dazu beizutragen. Steckt jemand in einer Krise, treibt die Sehnsucht ihn an: „Bleib nicht sitzen in deinem Elend, sondern steh auf und suche, was dir fehlt. Halte Ausschau nach dem, was dich gesunden lässt.“ Und auch, wenn alles gerade stimmig ist, so weitet die Sehnsucht einem das Herz, denn in diesem ist immer „Raum für mehr, für Schöneres, für Größeres“ (Nelly Sachs). Für mehr Liebe und Leben, Freude und Freundschaft, Friede und Gerechtigkeit … Davon kann das Herz nie genug bekommen! Die Sehnsucht gleicht einem spirituellen Instinkt für eine Wirklichkeit, die größer ist als wir selbst und alles Endliche. Sie wird mit verschiedenen Namen benannt: Leben, Liebe, Universum … Für Glaubende ist Gott das Wort für die immer größere und letztlich grenzenlose Wirklichkeit. Die Sehnsucht wird als eine besondere Gabe verstanden, die uns Menschen zum Göttlichen hinzieht. Und in ihm erst zur Ruhe kommt.
Abraham
stammvater
aus ur-zeiten
utopisches wetterleuchten im blut
sehnsuchtskompass gottweh
zähle die glühenden sandkörner
am nachthimmel
steck einen stern auf deinen wanderstecken
dein kindheit liegt dir erst noch voraus
nur im verlassen alles vertrauten
findest du heim
(Andreas Knapp)
(Mehr dazu in: Melanie Wolfers, Andreas Knapp, Atlas der unbegangenen Wege. Eine Reise zu dir selbst, bene! Verlag 2025)
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