Beziehung
07.05.2026

Muttertag 2026

Liebe ist alles

Der Mai gilt als "der" Liebesmonat: Menschen heiraten und Kinder lassen ihre Mütter hochleben. Aber Liebe kann auch viel umfassender sein. Das zeigt sich oft noch in der letzten Lebensphase.
    

Foto: © AdobeStock - Robert Kneschke

„Hast Du nur ein Wort zu sagen, dann lass es Liebe sein“, heißt es im Lied „Liebe ist alles“ der Gruppe Rosenstolz. Alles andere wird nebensächlich, wenn Menschen diese Erfahrung machen - bis zu ihrem letzten Atemzug.  

Diane Button kann das bestätigen. Die US-Amerikanerin ist eine Sterbeamme und begleitet Menschen in ihrer letzten Lebensphase. Ihre Erfahrung: In den letzten Stunden auf Erden verdichtet sich alles wie unter einem Brennglas. Die Tage vor dem Tod seien oft „die intensivsten und wahrhaftigsten Tage im Leben eines Menschen“, schreibt Button in ihrem Buch „Was am meisten zählt. Die Geheimnisse eines guten Lebens“. 

Bei ihrer Arbeit hat sie die vielen Dimensionen und Facetten von Liebe kennengelernt - zum Partner, zu Geschwistern, den eigenen Kindern und Enkeln, Verstorbenen, aber auch zur Natur oder dem Haustier. Und nicht zuletzt zu sich selbst. 

Späte Erkenntnis der Selbstliebe

Selbstliebe war eine Lektion, die auch Button erst lernen musste. Wie viele andere habe sie sich lange hässlich und mit äußeren Makeln behaftet gefühlt. Ihren Körper habe sie erst lieben gelernt, nachdem ihr infolge einer Krebserkrankung beide Brüste abgenommen werden mussten. Mit einem Mal habe sie sich stark, schön und selbstbewusst gefühlt. Button habe tief in sich gespürt: „Ich war immer schön gewesen. Ich hatte es nur nicht sehen können ... wir alle sind schön. Es ist nur so schwer, das bei uns selbst zu erkennen.“  

Ein liebevoller, freundlicher Umgang mit sich selbst und anderen kann das eigene Umfeld positiv beeinflussen und die Welt zu einem besseren Ort machen. Sterbenden gebe es inneren Frieden zu spüren, dass sie durch ihr Leben dazu beigetragen haben. Denn schon kleine Gesten der Wertschätzung und Großzügigkeit können andere Menschen anstecken und weitere Kreise ziehen. 
    

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Liebe wächst durch Verschwenden

Vor allem aber steckt Freundlichkeit an und kommt in Form von Nähe, einem gestärkten Miteinander und stabilen sozialen Beziehungen wieder zu einem zurück. Nicht ohne Grund heißt es, dass Freundlichkeit „die kleine Schwester der Liebe“ ist. Und diese ist „das Einzige, was wächst, indem wir es verschwenden“, so ein Gedanke der Schriftstellerin Ricarda Huch.  

Bei der Geburt eines Kindes fließen Eltern über vor Liebe; aber auch am Lebensende ist Liebe aus der Erfahrung Buttons ein ganz zentrales Gefühl. Der Schauspieler Harald Krassnitzer schildert in einem Interview sein tiefes Erleben bei der Pflege seiner an Demenz erkrankten Mutter. Nach einer Panikattacke durch Kriegserinnerungen war die alte Dame nicht mehr ansprechbar. Seine Schwester sei ihm dann zu Hilfe gekommen, und es sei etwas „ganz Fantastisches“ passiert, das er seinen Lebtag nicht vergessen werde. 

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„Die reinste Form von Liebe“

„Meine Schwester setzte sich mit meiner Mutter auf die Bettkante und streichelte ihr den Rücken: rauf und runter, rauf und runter. Ab und zu sagte sie ein zartes Wort.“ Nach einer halben Stunde habe sich die Mutter beruhigt und eine noch nie erlebte Dankbarkeit ausgestrahlt. „Urplötzlich wurde mir klar: Das ist die reinste Form von Liebe, die ich jemals gesehen habe.“  

Am Ende des eigenen Lebens sind aus Buttons Erfahrung vor allem jene Menschen wichtig, die einen durch Höhen und Tiefen begleitet haben und einem wirklich etwas bedeuten. Die Sterbeamme rät, sich schon in guten Zeiten zu fragen: Wer soll einmal an meinem Sterbebett sitzen? Mit wem möchte ich meine letzte Lebenswoche verbringen? 

Liebe offen bekennen

Doch weiß dieser Mensch überhaupt, dass er mir so wichtig ist? Habe ich das dieser Person überhaupt schon einmal gesagt? Button möchte dazu ermutigen, jedem Menschen seine Liebe offen zum Ausdruck zu bringen. Denn oft nehmen sich die Menschen nach ihrer Beobachtung viel zu wenig Zeit für den Austausch „mit den Menschen, die uns am Herzen liegen“.  

Am Sterbebett wurde sie mitunter Zeugin inniger Gespräche, „oft werden Worte ausgesprochen, die jahrzehntelang - manchmal über Generationen hinweg - ungesagt geblieben sind“. Eine wichtige Lektion in ihrem Buch lautet deshalb: „Sag den Menschen, die du liebst, was sie dir bedeuten“.  

Gerade weil Button seit über 20 Jahren mit Sterbenden und dem Tod auf Tuchfühlung ist, plädiert sie dafür, jeden Moment in seiner Fülle auszukosten. Sie wünscht sich, dass Menschen schon viele Jahre und Jahrzehnte vor ihrem Lebensende die Bedeutung wahrer Liebe und die Bestimmung ihres Lebens entdecken - und nicht erst auf dem Sterbebett. „Warte nicht, bis das Leben dir Grenzen setzt. Tu es jetzt!“ 

Angelika Prauß

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Artikel von KNA
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