Bodden, Buddha und Brackwasser
Angela Krumpen träumte von Schwimmen im kühlen Wasser. Doch der Bodden in Vorpommern bot flaches Brackwasser, hungrige Mücken und eine Straße namens „Mückenstich“. Der Urlaub wurde zum Crashkurs im Loslassen – und doch schön.
Weite, Wind und Wildgänse. Endlich Urlaub. Vorpommern heißt uns mit endlosem, blauem Himmel, glitzerndem Boddenwasser, langen grünen Alleen, Störchen, Rehen und Scharen von Staren verheißungsvoll willkommen. Eigentlich.
Uneigentlich werden wir rasch und unsanft mit unserem fehlerhaften Erwartungsmanagement konfrontiert. Die Erholung, nach der ich mich so gesehnt hatte, bestand in meinem Kopf vor allem aus: schwimmen. Gerne in kälterem Wasser, sehr gerne draußen. Wenn ich mich nach Erholung gesehnt hatte, dann nach körperlicher. Und ansonsten: draußen sein. Draußen essen, lesen, schreiben.
Statt Wind und Weite: Maschendraht und Mücken
Geweckt hatten diese Erwartungen die Beschreibungen der Umgebung unseres Ferienhauses. Zum einen lag es direkt am Wasser, zum anderen gab es mehrere Badestellen in Fahrradnähe. Da sollte draußen sein und schwimmen wohl möglich sein. Dachte ich.
Die erste Erkundung zeigte: Vor die idyllische Sitzecke mit intensiv duftenden Lavendelstauden und Blick aufs Wasser hatten Nachbarn Maschendraht gespannt. Doch noch bevor ich mich über den Zaun vor meiner Nase zu Ende geärgert hatte, zählte ich zehn Mückenstiche – und floh ins Haus. Schnell zeigte sich: Die Mücken hatten die Hoheit über den Garten. Nur manchmal hielten sie Mittagsschlaf, und wir nutzten die kurze Pause auf der Terrasse. qui tent lam, totaquo eati id elicabores qui voluptatetur as vent la doluptatat.
Schlick und Schlamm
Die erste Fahrradtour führte uns zu den Badestellen. Unsere Jüngste stürmte ins Wasser – und rief erschrocken: „Meine Füße stecken fest!“ Tatsächlich: Der Bodden ist so flach und schlammig, dass hier niemand schwimmt. Und das Brackwasser? Ein Mückenparadies.
Theoretisch hatte ich gewusst, dass Boddengewässer „durch Inseln oder Landzungen vom Meer abgetrennte Küstengewässer“ sind, die man meist Lagunen nennt. Praktisch fällt mir jetzt erst auf, dass Bodden vom deutschen Wort Boden kommt und Grund bedeutet.
Klarer Fall von Erwartungsmanagement
Tja. Das wäre mal ein klarer Fall von Erwartungsmanagement gewesen, das – wie es heißt – „proaktive Steuerung von Erwartungen“ betreibt, um Missverständnisse, Unzufriedenheit und Enttäuschungen zu vermeiden. So hätte ich mir das Missverständnis, dass Badestellen nicht selbstredend Stellen zum Schwimmen sind, sparen können.
Dass es am Bodden Mücken gibt, wusste ich natürlich. Dass sie sich gleich in dunklen Wolken über meinem Kopf zusammenrotten und ich bald aussah wie damals, als ich Masern hatte, ahnte ich jedoch nicht.
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Humor hilft immer
Warum ich das alles in einer Kolumne über das gute Leben erzähle? Weil der Urlaub mich herausgefordert hat, meinen Blick zu weiten. Von dem, was ich mir vorgestellt hatte, hin zu dem, was vor Ort war.
Oft musste ich dabei an meine buddhistischen Lehrerinnen und Lehrer denken. Sie wollten mir Buddhas zentrale Einsicht über das Leiden nahebringen: Es entsteht, wenn wir uns an unsere Vorstellungen klammern, statt das Leben zu nehmen, wie es kommt. Hier hieß das dann: Mückenspray kaufen, nicht kratzen und Fahrrad fahren.
Was grundsätzlich immer hilft, das Leben anzunehmen, ist Humor. Ich freue mich über den Humor der Menschen hier, die eine Straße „Mückenstich“ nennen. Eine Möglichkeit, die Mücken auszutricksen, fanden wir auch: Beim Spazierengehen machten sie Streuselkuchen aus uns, aber beim Radfahren ließen sie uns in Ruhe.
So umrundeten wir die größten Rast- und Nistplätze von Kranichen in Europa, ließen uns den Wind um die Nase wehen und radelten durch schattige Wäldchen direkt am in der Sonne glitzernden Bodden.
Und zweimal fuhren wir mit dem Auto bis an die Ostsee. Zum Schwimmen.



