Auch ein Urlaub zuhause kann
erholsam sein - Naturerlebnisse,
Ausflüge und Mikroabenteuer
Viele suchen im Urlaub das Glück in der Ferne. Dabei können schöne Erinnerungen und Erholung oft ganz in der Nähe entstehen. Wie Kinder und Erwachsene davon gleichermaßen profitieren können.
Kleine Abenteuer helfen dabei, aus dem Alltag auszubrechen. Foto: © StockAdobe/Iuliia Sokolovska
Stress im Job, beengte Wohnverhältnisse ohne Balkon, streitende Nachbarn, Krisenmeldungen allerorten - es gibt Umstände, da möchte man wenigstens im Urlaub all dem für ein paar Tage oder Wochen entfliehen. Dabei können hohe Spritpreise, Inflation und Krisen in Urlaubsgebieten in diesem Jahr so manchen Erholungssuchenden ebenso ausbremsen wie Arbeitslosigkeit.
Die gute Nachricht: Um mal richtig abzuschalten, muss man nicht zwingend die Koffer packen und auf Reisen gehen, sagt die WiesbadenerDiplom-Psychologin Anna Rosa Ott. Denn: "Naherholungsziele sind genauso erholsam". Sie empfiehlt einen Besuch eines besonders schön gelegenen Freibades oder Sees, oder ein Städtchen in der Nähe zu erkunden.
Erholung zuhause: warum Natur entspannt
Ott rät auch, "den eigenen Ort mal aus dem Blick von Touristen zu entdecken" - Sehenswürdigkeiten, an denen man seit Jahren vorbeiläuft, anzusehen, eine Stadtführung oder -rundfahrt zu buchen, ohne Termindruck und Einkaufszettel durch den Ort zu bummeln und das neue Café zu testen. Und: "Natur ist immer erholsam", sagt die Erholungsexpertin. Vor allem die "blaue" Natur wie ein See oder ein kleiner Fluss habe eine entspannende Wirkung, aber auch das Verweilen in einem grünen Umfeld wie Bäume und Wiesen sei erholsam, erklärt die 41-Jährige.
Natürlich habe ein mehrtägiger Tapetenwechsel Vorteile, räumt die Expertin ein. "Die Arbeit zu Hause - die unerledigte Steuererklärung, der Wäscheberg und eine nötige Renovierung - schaut einen nicht dauernd vorwurfsvoll an." Deshalb falle es vielen leichter, woanders abzuschalten. Dennoch dürften der An- und Abreisestress und Anpassungsschwierigkeiten durch einen Jetlag nicht unterschätzt werden, betont die Autorin des 2025 erschienenen Buches "Jeden Tag ein bisschen Erholung".
Alternativen zur Reise:
Tagesausflüge statt teurem Urlaub
Entspannung ohne Koffer: Die Deutschen gelten zwar als Reiseweltmeister, wie auch die aktuelle Erhebung des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2025 mit 57.774.005 registrierten Reisenden belegt - ein neuer Rekord. Dennoch schätzen viele Menschen aber offenbar auch den Urlaub zu Hause. Für fast die Hälfte aller Menschen hierzulande ist er laut einer repräsentativen YouGov-Umfrage für die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) "mit etwas Planung eine gute Alternative". Nur 5 Prozent gaben an, dabei "gar nicht entspannen" zu können. Dagegen erklärten jeweils 25 Prozent, bei einem Urlaub zu Hause "eher gut" bis "sehr gut" abschalten zu können.
Aber: Gerade wer arbeitslos ist, wenig verdient oder nur eine kleine Rente hat, sehnt sich nach einem Tapetenwechsel - und wenn es nur für einen Tag ist. An diese Menschen richtet sich das Angebot "Urlaub ohne Koffer", das von kirchlichen Trägern initiiert wird, anfangs vor allem für ältere Menschen. Etwa in Frankfurt, wo die Katholische Erwachsenenbildung solch eine kleine Tagesreise seit 2008 spendenunterstützt für sieben Euro pro Person mit geringem Einkommen anbietet.
Ein Tag Abstand vom Alltag
In diesem Jahr stehen zwischen den Sommer- und Herbstferien 869 Plätze für unterschiedliche Zielgruppen zur Verfügung. "Für manche Menschen ist ein Tag bei 'Urlaub ohne Koffer' tatsächlich der einzige Urlaubstag im Jahr", erklärt Projektleiterin Münever Cavusoglu. Das Projekt ermögliche Begegnungen, schaffe Gemeinschaft und gebe den Teilnehmenden die Gelegenheit, wenigstens für einen Tag Abstand vom Alltag zu gewinnen.
Doch was kann ein einzelner Tag schon bringen? "Oft deutlich mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde", sagt Cavusoglu. Die Teilnehmenden erlebten neue Orte, lernten andere Menschen kennen und sammelten positive Erinnerungen. "Viele berichten uns, dass sie noch lange von diesen Erlebnissen zehren." Neben den Ausflugszielen selbst seien die Begegnungen zwischen den Menschen "häufig das eigentliche Highlight". Das Angebot sei somit auch ein "Beitrag gegen Einsamkeit und soziale Ausgrenzung". In diesem Jahr stehen etwa eine Schiffstour auf dem Rhein, ein Zoobesuch und ein Abstecher in einen Wildpark auf dem Programm.
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Urlaub als Familie: Gemeinsame Erinnerungen
"Es müssen nicht gleich spektakuläre Erlebnisse sein, um sich zu erholen", lautet auch das Fazit von Erholungsexpertin Ott. Gerade aus ihrer Erfahrung als Mutter erfordern kleinere Unternehmungen auch nicht viel Aufwand und Geld. Wer etwa Kinder nach dem Urlaub fragt, was ihnen besonders gefallen hat, werde mitunter überrascht. Für den Nachwuchs mache es keinen Unterschied, ob er zehn Stunden geflogen oder zehn Minuten gewandert ist - "viel wichtiger ist es, schöne Erlebnisse und gemeinsame Erinnerungen zu schaffen".
Etwa durch Mikroabenteuer, die einen ein bisschen aus der eigenen Komfortzone locken - etwa das Übernachten unter freiem Himmel oder eine Nachtwanderung mit anschließendem Picknick bei Sonnenaufgang. Wer Überraschungen mag, kann bei einer Wanderung eine Münze entscheiden lassen, ob es weiter nach links oder rechts geht und wohin einen der Weg schließlich führt.
Mikroabenteuer: Erlebnisse direkt vor der Haustür
Ein Fan von solchen Mikroabenteuern in vertrautem Umfeld ist die Regensburgerin Sophia Wiesbeck. Dabei gehe es vor allem um Entdeckungsfreude und das Ausbrechen aus gewohnten Bahnen, schreibt sie in ihrem Blog "Sophias Welt". Solche kleinen Abenteuer können für sie eine Wanderung im Regen oder in den Sonnenaufgang sein, aber auch der Besuch eines Klettergartens, das Barfußlaufen im Wald oder das Backen von Stockbrot am knisternden Lagerfeuer.
Raus aus dem Alltagstrott und Abwechslung - das gilt besonders für Menschen, die ihre Urlaubstage im vertrauten Umfeld verbringen. Schon "um die Ecke" kann man besondere Naturerlebnisse planen, findet Erholungsexpertin Ott. Sie selbst war gerade mit ihrer Familie beim Kanufahren auf der Lahn, nur eine Stunde von ihrem Wohnort entfernt. Wer sich mit Sport gut entspannen kann, könne auch mal einen Stand-up-Paddling-Kurs machen. Angenehmer Nebeneffekt: "Wer so etwas für sich in der eigenen Umgebung entdeckt hat, kann es dann auch nach dem Urlaub in den Alltag integrieren".



