Persönlichkeitsentwicklung
16.01.2026

Abenteuer Thaiboxen 

In Thailand entdeckt Siri Meyer ihre Wurzeln und den Nationalsport Muay Thai, das Thaiboxen. Eine Reise zu Kultur, Kampfkunst und persönlicher Stärke. 
    

Thaiboxerin Sirigan „Siri Thaiboxerin Sirigan „Siri" Meyer, beim Training mit Schülern in ihrem Gym in Bonn. Foto: © Raphael Schlimbach/KNA

Wo andere Leute sich eine blutige Nase holen, hat Sirigan „Siri" Meyer ihre zweite Heimat gefunden. Denn in den Boxringen thailändischer Kampfsport-Clubs hat sie nicht nur den Nationalsport Muay Thai, sondern auch das Land ihrer Vorfahren ganz neu kennengelernt. Als sie während der Corona-Pandemie in Thailand festsaß, begann für die Bonnerin ein neuer Lebensabschnitt. Es war eine kulturelle Findungsphase und der erste Schritt auf ihrem Weg zur Profikämpferin. 

Siri wurde als Tochter eines Deutschen und einer Thailänderin in Thailand geboren. Aufgewachsen ist sie aber in Bonn. Die Thai-Kultur lernte sie über ihre Mutter kennen. „Wir waren jedes Jahr dort. Und auch in Deutschland hat meine Mutter Thai gekocht, Thai gesprochen und thailändische Freunde eingeladen", erzählt Siri. Mit der Zeit spürte sie aber, dass sie mehr über ihre zweite Heimat wissen wollte - spätestens, als sich ihre Thai-Kenntnisse verschlechterten. Mit Ende 20 zog es sie daher für einige Monate in ihr Geburtsland. Hier lernte sie das Leben der Thais und ihren Nationalsport erst richtig kennen - und sollte nie mehr davon loskommen. 

Muay Thai: Tradition, Technik und thailändisches Kulturerbe 

Muay Thai ist ein weltweit beliebter Sport, der sich in verschiedenen Verbänden und in großen Turnierformaten etabliert hat. Vom Boxen und Kickboxen unterscheidet er sich dadurch, dass Schläge und Tritte mit Fäusten, Beinen, Ellbogen und Knien erlaubt sind - plus der sogenannte Clinch, bei dem sich die Gegner im Stand umklammern, schlagen, treten oder zu Fall bringen dürfen. 

Allerdings ist Thaiboxen nicht einfach ein Sport für Leute, die sich gerne prügeln. Im Gegenteil geht es laut Siri um Respekt, Selbstoptimierung und kulturelles Erbe: „Muay Thai gehört fest zur thailändischen Kultur. Es ist uralte Tradition." Die Techniken gehen zurück auf mittelalterliche Kriegskunst thailändischer Palastwachen. Angereichert mit religiös-mythologischen Elementen, hielt sich die Kampfkunst über die Jahrhunderte und wurde im ganzen Land über Generationen weitergegeben. 

     

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Muay Thais soziale Rolle 

Neben Traditionspflege bedeutet Muay Thai für viele Thailänder aber auch einen Ausweg. „Viele hier sind arm. Eltern liefern ihre Kinder dann gerne in Muay-Thai-Gyms ab, weil die Gyms zum Beispiel Schulgelder übernehmen und Essen ausgeben", erklärt Siri. Kinder hätten ihrerseits oft den Wunsch, Profi zu werden, um irgendwann mit den Preisgeldern ihre Familien unterstützen zu können. 

Muay Thai ist für diese Kinder alles. Siri erlebte das selbst während des ersten Corona-Lockdowns. „Wir saßen alle dort fest. Ich hatte keine Möglichkeit, nach Deutschland zu fliegen", erinnert sich die Boxerin. So verbrachte sie ihre Freizeit tagein, tagaus mit dem Sport und begann schließlich selbst zu unterrichten. „Wir waren alleine, nur ein paar Sportler und Kinder. Wir haben uns um sie gekümmert und den ganzen Tag trainiert." 

Die Zeit während Corona war für Siri auch menschlich prägend. „Wir haben Abenteuer erlebt. Wir sind raus zum Fischen und zum Jagen, auch weil viele Menschen im Lockdown irgendwann kein Geld mehr hatten", erzählt sie. „Ich durfte gerade über den Sport lernen, wie man als Thai lebt. Ich habe meine Sprache wiedergewonnen und den Alltag der Menschen gesehen - auch der Armen." 


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Muay Thai-Tradition in Thailand und Deutschland weitergeben 

Was Siri in Thailand gelernt hat, versucht sie nun weiterzugeben. Den Großteil des Jahres wohnt sie in Thailand, wo sie trainiert und regelmäßig kämpft. Mittlerweile gehen über 20 Kämpfe auf ihr Konto, darunter die Teilnahme an einer Europameisterschaft. „Da war schon alles dabei. Ich habe in einem Tempel gekämpft, in einer Bar und natürlich in Stadien." Den Rest der Zeit verbringt Siri im Rheinland. Dort sorgt sie wie viele andere thailändische Trainer für den Erhalt der Muay-Thai-Traditionen im Ausland. 

Ihr Haus-Club, das Bonner „Hyve Martial Arts Gym", ist einer der wenigen in Deutschland, die ein Thai-Zertifikat als traditionelle Muay-Thai-Schule tragen. „Wie kulturell Muay Thai eigentlich ist, haben noch nicht alle Gyms im Westen begriffen. Aber es bessert sich", sagt Siri. Sie möchte dabei helfen, das kulturelle Erbe ihrer zweiten Heimat in die Zukunft zu tragen - und auch die positiven Seiten des Muay Thai publik machen: „Der Sport entwickelt Körper und Geist. Man wird stärker, weil man an sein Limit geht. Und an diesem Limit fühlt man seine Umwelt viel intensiver." 

Raphael Schlimbach-Quarrella

KNA
Artikel von KNA
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