Wie Glaube bei Depression helfen kann
Elisabeth Müller erlebt eine tiefe Erschöpfung – körperlich, emotional und seelisch. Erst in der Kombination aus Psychotherapie, achtsamer Seelsorge und ihrer eigenen spirituellen Praxis findet sie zurück zu sich selbst.
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Elisabeth Müller (Name geändert) fühlt sich kraftlos. Die dreifache Mutter kann fast nichts mehr essen und nächtelang nicht schlafen. Es fällt ihr schwer, sich zu konzentrieren. Sie hat keine Lust mehr, etwas zu unternehmen, schafft es gerade noch, ihren Alltag zu bewältigen. „Ich habe recht schnell versucht, einen Psychologen zu finden, weil ich mir sicher war: Da komme ich ohne professionelle Hilfe nicht raus“, erinnert sich die 48-Jährige heute. Ihre Psychotherapeutin rät ihr zu einem Klinikaufenthalt. So kommt Müller ins kbo-Isar-Amper-Klinikum Haar, in dem Diakon Josef Kafko als Seelsorger für psychisch kranke Menschen wirkt. Bei einer Depression sei zunächst die fachliche Begleitung, sowohl medikamentös wie auch therapeutisch, „ganz wichtig“, erläutert der Religionspädagoge und Psychologe.
Warum soziale Unterstützung für
Betroffene so wichtig ist
Angehörige sollten diesen Weg mitgehen und zum Beispiel darauf achten, dass Erkrankte regelmäßig ihre Medikamente nehmen oder ihre Termine beim Therapeuten oder beim Psychiater einhalten. „Was Betroffenen ganz besonders hilft, ist, wenn andere Menschen da sind, die ihre Krankheit akzeptieren, die damit umgehen können, dass sie eben jetzt in dieser depressiven Phase sind oder diese Erkrankung haben“, erläutert der Diakon. Denn zahlreiche Menschen mit Depressionen berichteten ihm, dass sie auf großes Unverständnis stießen: „Viele Leute sagen zu ihnen: ,Reiß dich doch zusammen, dann kannst du aufstehen. Reiß dich zusammen, dann kannst du das schaffen.‘ Aber in dieser Krankheit können die das nicht und es tut ihnen irrsinnig gut, wenn jemand sagt: ,Ich nehm dich so, wie du bist. Ich akzeptiere, dass du das nicht kannst, und ich bin trotzdem bei dir.‘“
Selbstannahme durch Gottesbeziehung
Auch Müller hat einige Menschen, die in dieser harten Zeit an ihrer Seite stehen. Ihre Mutter tut sich jedoch mit der Situation schwer, Vorwürfe und Kritik sind an der Tagesordnung: „Sie hat mir immer wieder gesagt, ich sei eine schlechte Mutter und Ehefrau und schuld daran, dass es der ganzen Familie schlecht gehe. Jedes Mal von Neuem gaben mir diese und ähnliche Sätze einen Stich ins Herz. Ich fühlte mich völlig wertlos, ein Berg an Schuld drückte mich zu Boden. Oft wusste ich nicht, wie ich so weiterleben sollte.“ Halt findet die Religionspädagogin in dieser Zeit in ihrem Glauben: „Gott war für mich der Einzige, der mich so nimmt, wie ich bin, der mir seine bedingungslose Liebe schenkt – und das war genau das, was ich in dieser Situation am meisten brauchte.“ Durch ihre Gottesbeziehung habe sie gelernt, sich selbst anzunehmen und zu erkennen: „Ich bin gut,so wie ich bin.“
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Wie Glaube zur inneren Stärke führen kann
„Der Glaube kann dazu beitragen, dass jemand mit der Krankheit besser umgehen kann“, bestätigt Diakon Kafko. „Er kann helfen, den Weg der Gesundheit mit mehr Vertrauen zu gehen.“ Stärkend sei auch der Mitglaube anderer Menschen: „Wenn jemand weiß, ich habe Menschen, die sich um mich sorgen, die mich vor Gott hintragen mit ihrem Gebet, ich bin da nicht allein, ist das eine Stütze.“ Der christliche Glaube spielt auch in Kafkos Arbeit mit den Patienten eine wesentliche Rolle: „Die wissen, ich komme von der Kirche, und auf dieser Basis führe ich die Gespräche. Wenn dann Religion, Glaube, Hoffnung oder Glück zur Sprache kommt, höre ich das gut und versuche, das Thema zu vertiefen und zu schauen: Was ist für die Menschen wichtig? Was brauchen sie? Was suchen sie?“ Das könne ein Segen sein, ein kurzes Gebet, die Krankenkommunion oder der Wunsch nach der Spende des Bußsakraments oder der Krankensalbung durch einen Priester. Müller steht mit Diakon Kafko nach wie vor in einem regelmäßigen Austausch: „Wir führen immer wieder Gespräche, auch über den Glauben. Dieser hat mir geholfen, meine Depression zu überwinden. Dieser hilft mir, stabil zu sein.“



