Kommentar
Digitale Endgeräte bewusst nutzen!
Zwischen Komplettverbot und häufigem Einsatz im Unterricht: Wie stehen wir zu Handys und Tablets in der Schule? Martin Goppel von der Katholischen Erziehergemeinschaft (KEG) in Bayern kommentiert.
Pädagogischer Fehler oder sinnvolle neue Möglichkeit? Die Nutzung von digitalen Geräten im Schulunterricht ist umstritten. Foto: © JackF/AdobeStock
Der KEG in Bayern ist bewusst, dass Kinder bereits in der frühkindlichen Entwicklung von den Eltern ans mobile Endgerät erzogen und gewöhnt werden. Umso wichtiger ist es, Kindern in den Kitas und Grundschulen wesentliche und grundlegende Fähigkeiten zu vermitteln. Aber: Leider sind noch nicht alle Schulen in Bayern mit digitalen Endgeräten für Schülerinnen und Schüler ausgestattet, weshalb ein generelles Verbot von privaten Endgeräten im Zeitalter der Digitalisierung nicht zielführend an Bayerns Schulen wäre. Wir dürfen uns der Realität nicht verschließen. Kinder sollen pädagogisch und didaktisch wertvoll und realitätsnah auf den privaten und beruflichen Alltag vorbereitet werden. Digitale Endgeräte sind hierfür essenziell.
Pädagogisch wertvolle Nutzung digitaler Geräte
Nachgewiesen ist aber auch, dass das frühere „Schwätzen“ heute ein „Daddeln“ unter dem Tisch oder ein häufiger Toilettengang ist. Die private Nutzung des Handys im Unterricht ist in der Tat zum Alltag geworden. Nach dem Piazolo-Beschluss liegt das Handyverbot in der Hand der Schulleiter (Hausrecht). Dies sieht die KEG als absolut richtig an und empfiehlt dennoch die sinnvolle Anschaffung von sogenannten Handy-Hotels oder Handy-Safes und sogenannten Medienkoffern (Leihgeräten). Denn die KEG sieht eine sinnvolle und pädagogisch wertvolle Nutzung eines digitalen Endgerätes im bewussten Kontrast zum Buch, zur Natur, zum Sport und zu den sogenannten „Digital-Detox“-Pausen als den besten Weg an.
Im pädagogischen Rahmen soll weiterhin der Schulleiter oder Lehrer entscheiden, was für die Schülerin oder den Schüler individuell sinnvoll ist, und das individuell passende Medium wählen. Denn es ist nachgewiesen, dass Kinder und Jugendliche nicht nur Pausen brauchen, sondern eben auch lernen müssen, digitale Pausen einzulegen und sich bewusst zu bewegen und zu ernähren. Die bewusste und geführte Nutzung von digitalen Endgeräten schafft Raum für die Reflexion und für das Verarbeiten des Gelernten, und sie fördert nachweislich das Denkvermögen.
Im Zeitalter des Fachkräfte-Mangels dürfen wir uns Hilfsmitteln und der Lebenswahrheit nicht entziehen. Wir Pädagogen haben eine extreme Verantwortung gegenüber unseren Kindern und Jugendlichen, der wir gerecht werden wollen und müssen.
(Martin Goppel, Landesvorsitzender der Katholischen Erziehergemeinschaft (KEG) in Bayern)



