Die Ministerin in der Gebärmutter
Von Vorsorge bis Pflege: Das Wissenschaftsjahr 2026 – eine Initiative des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt – zeigt Medizinforschung zum Anfassen. Zum Auftakt stieg Forschungsministerin Dorothee Bär in eine Gebärmutter. Wie KI und Innovationen die Versorgung verbessern sollen.
Dorothee Bär (CSU), Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, bei einem Pressestatement im Futurium-Museum in Berlin vor dem Modell einer Gebärmutter. Foto: © Karin Wollschläger/KNA
Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) muss nur kurz den Kopf einziehen, schon steht sie in einer begehbaren Gebärmutter. Die umstehenden Journalisten machen begeistert Fotos. „Ich weiß ja nicht, ob Sie schon einmal in der Gebärmutter waren“, Bär stockt, lacht. „Ach stimmt, waren wir alle ja mal.“ Die Ministerin nutzte das imposante Exponat zur Eröffnung des Wissenschaftsjahrs 2026 zur Medizin der Zukunft am Dienstag im Berliner Futurium-Museum: „Wir wollen Forschung für alle Menschen anschaulich machen, denn gerade Gesundheit geht ja alle Menschen an – wenn man so eine Gebärmutter tatsächlich mal von innen gesehen hat, dann begreift man vieles einfach besser.“
Die Gebärmutter hat Bär nicht ohne Grund gewählt, denn die Forschung zur Frauengesundheit will sie deutlich stärken. Dieser Bereich sei lange vernachlässigt worden. Immer noch wisse man zu wenig über den komplexen weiblichen Körper, über Beschwerden rund um Schwangerschaft und Wechseljahre. Chronische, schmerzhafte Erkrankungen wie etwa Endometriose, bei der sich Gebärmutterschleimhaut unkontrolliert vermehrt, beträfen und belasteten immer mehr Frauen. „Aber es wird in der Gesellschaft oft einfach nur als Regelschmerzen abgetan, das müsse man halt aushalten“, kritisierte Bär.
Weibliche Volkskrankheit Endometriose
Die Frauenärztin und medizinische Influencerin Judith Bildau pflichtete ihr bei: „Jede zehnte Frau leidet unter Endometriose. Das ist kein Kolibri der Medizin, sondern eine weibliche Volkskrankheit, wo Frauen das Forschungsdefizit deutlich spüren.“ Denn: Im Durchschnitt liege die Diagnosezeit zwischen sechs und zehn Jahren bei einer erkrankten Frau.
Wie können in Zukunft Krankheiten behandelt werden? Welche Ideen für die medizinische Versorgung von morgen gibt es? Wie lassen sich mit künstlicher Intelligenz (KI) und Biotechnologie Krankheiten früher erkennen und neue Therapien entwickeln? All diese Fragen versucht das Wissenschaftsjahr anschaulich zu vermitteln. „KI kann Leben retten“, betont Ministerin Bär. Auch das solle im Wissenschaftsjahr deutlich werden.
Pflegeroboter für mehr Lebensfreude
Im Fokus stehen auch neue Möglichkeiten in der Pflege durch technische Innovationen, etwa humanoide Roboter. Bär präsentiert dazu den sprechenden Pflegeroboter „Ameca“, mit dem neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Roboter erforscht werden. Pflegekräfte können ihn aus der Ferne steuern, um mit Patientinnen und Patienten zu sprechen oder sie zu begleiten. Die Ministerin ist überzeugt, dass dadurch nicht nur Pflegende entlastet werden: „Viele Ältere haben die Sorge, anderen zur Last zu fallen. Wenn sie aber mit einem Roboter wie Ameca interagieren, kann das ihre Lebenslust steigern.“
Ein anderes Exponat ist die „PalliDrohne“, mit der Medikamente bei der Palliativversorgung von todkranken Menschen direkt zu ihnen ins Hospiz, Pflegeheim oder nach Hause transportiert werden können. Das könne Lieferzeiten verkürzen. „Dann müssen sich Angehörige dafür schon nicht mehr ins Auto setzen“, erläutert ein Entwickler. Ziel sei es, Versorgungslücken zu schließen, vor allem in ländlichen Regionen.
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Bundesweit 1.000 Veranstaltungen
Im Rahmen des Wissenschaftsjahrs sind bundesweit rund 1.000 Veranstaltungen geplant – für alle Zielgruppen von Jung bis Alt, darunter „MINTmachtage“, um Kinder für naturwissenschaftliche Forschung zu begeistern, die Ausstellung „Health XP“, die als Roadshow durch Deutschland tourt, und das Ausstellungsschiff „MS Wissenschaft“, das von Mai bis September 30 Städte anfährt.
Auch auf Social Media wird das Wissenschaftsjahr des Forschungsministeriums bespielt, unter anderem mit monatlichen Challenges. Die Herausforderung für Januar präsentierte Bär zusammen mit der mehrfachen Bahnrad-Olympiasiegerin Kristina Vogel, die seit einem Trainingsunfall querschnittsgelähmt ist. Es geht darum, in diesem Monat einen Vorsorgetermin zu absolvieren. Während Vogel mit Zahnarzt und Gynäkologin punktet, hadert die Ministerin noch mit ihrem Terminkalender. Verrät aber: „In der Woche vor Weihnachten gehe ich immer zum Zahnarzt. Das hat Tradition, da erwartet er mich schon.“
Karin Wollschläger



