Zukunft
15.04.2026

Künstliche Intelligenz

Berufliche Weiterbildung mit KI 

Nach Feierabend noch lernen? Wer sich neben dem Beruf weiterbildet, braucht Zeit und Flexibilität. Künstliche Intelligenz kann dabei unterstützen: als Tutor, Übersetzer und Berater.
    

Ein Mann mit Kopfhörern arbeitet am Laptop. Ein Mann mit Kopfhörern arbeitet am Laptop. Foto: © Julia Steinbrecht/KNA

Es ist spät, die Lüftung des Laptops schnauft. Die Tastatur ist noch warm unter den Fingern. Statt Feierabend steht aber noch der wöchentliche Weiterbildungskurs an. In der Hoffnung auf einen neuen Job. Eine Beförderung. Vielleicht sogar den ganz großen Neuanfang. Die Augenlider sind schwer, das Sofa entwickelt ungeahnte Anziehungskraft – und dann taucht auch schon der Dozent im virtuellen Seminarraum auf. Die nächsten anderthalb Stunden gehören ganz ihm. 

Wer berufsbegleitend lernt, braucht zeitlich und örtlich flexible Angebote. Künstliche Intelligenz kann dabei unterstützen, wie Maziar Arsalan sagt, der Geschäftsführer der Deutschen Weiterbildungsgesellschaft. Das Unternehmen betreibt nach eigenen Angaben Fernschulen und -hochschulen und hat sich auf die Weiterbildung von Erwachsenen spezialisiert. Hier setzt man auf den KI-Lernassistenten Kilea: eine KI, die im Online-Campus des Unternehmens eingebunden ist. 

Chatbot beantwortet gezielt Fragen 

Wer etwa wegen Schichtbetrieb oder familiärer Verpflichtungen nur frühmorgens oder abends lernen könne, brauche schnelle Antworten. Genau hier setze Kilea an, erklärt Arsalan. Der Chatbot sei immer da, um organisatorische und inhaltliche Fragen zu beantworten – „als ob ein Dozent oder Tutor neben mir sitzen würde“. Kilea könne Lernstoff, der Probleme bereite, verständlicher erklären oder auch in 13 weiteren Sprachen vermitteln. 

Die Möglichkeit, Lerninhalte in andere Sprachen zu übersetzen, ist für Peter Brandt vom Deutschen Institut für Erwachsenenbildung ein demokratisierendes Element von KI, das die Erwachsenenbildung potenziell revolutionieren könnte. Denn KI könne Lerninhalte „im Prinzip in alle Sprachen der Welt“ übersetzen, sagt der Leiter der Abteilung Wissenstransfer – und so auch Menschen Zugang zu Angeboten bieten, die weniger verbreitete Sprachen sprechen würden. Für ihn steht fest, dass KI das Lehren und Lernen von Erwachsenen „ganz massiv“ verändern wird: „Ich glaube, wir sehen jetzt erst die Anfänge und worin das Potenzial besteht.“
  

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Assistenten als Lebensberater 

Doch mit großen Erwartungen stellt sich auch die Frage nach der Verlässlichkeit der KI-Systeme. Arsalan sagt, vor falschen KI-Antworten müssten sich Lernende im Online-Campus seines Unternehmens nicht sorgen. Kilea sei ein geschlossenes System. Es wisse, welche Lehrgänge jemand belege und wie der jeweilige Lernfortschritt aussehe. Die KI verweise in ihren Antworten stets auf entsprechendes Lehrmaterial eines Kurses. „Nur so entsteht aus unserer Sicht auch Lernerfolg: indem ich Dinge wiederholen kann und nicht einfach die Antwort gesagt bekomme“, sagt Arsalan. 

KI kann aber schon früher ansetzen: etwa bei der Frage, welche Weiterbildung überhaupt die richtige ist. Eine nützliche Entscheidungshilfe, erklärt Weiterbildungsexperte Brandt: „Ich kann mit einem Chatbot in Dialog darüber treten, was mich interessiert und welche Weiterbildung dazu passen könnte. Ich kann eine Art Weiterbildungsberatung durchführen lassen.“ 

Damit wird KI nicht nur ein nützliches Instrument für Lernende, sondern auch für Anbieter von Weiterbildungen relevant. Für Bildungsunternehmen ist KI kein Trend, sondern ein weiteres Instrument, um Lernende zu ihrem Bildungsziel zu begleiten, betont Arsalan. Aber: „Im Moment ist KI für uns ein Investment. Ob sich mittel- oder langfristig wirtschaftliche Vorteile ergeben, bleibt abzuwarten.“ 

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Ergänzung zu menschlicher Expertise 

Und welche Rolle bleibt den menschlichen Dozenten? Brandt rechnet in Zukunft mit zunehmend gezieltem KI-Einsatz. „Ich glaube, wir werden noch viel stärker mit Chatbots zu tun haben, die individuell auf einzelne Lernende zugeschnitten sind“, sagt er. Angesichts der Möglichkeiten, die KI im Bildungsbereich eröffne, sei aber immer eines wichtig: „Dass wir KI immer kontrollieren können. Das ist sicherlich das A und O.“ 

Für Menschen, die nach einem langen Arbeitstag noch einmal den Laptop aufklappen, kann KI alles in allem ein nützlicher Helfer sein. Die Rolle menschlicher Lehrender werde sie aber nicht ersetzen, sagt Arsalan. „Ich bin der festen Überzeugung, dass es nach wie vor dieses Persönliche und Menschliche benötigt.“ 

Lisa Konstantinidis 

KNA
Artikel von KNA
Katholische Nachrichten-Agentur
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