Freising
Ein Tag ganz für das Ehrenamt
Anlässlich des Jubiläumsjahres „1.300 Jahre Korbinian in Freising“ hat der Diözesanrat der Katholiken der Erzdiözese München und Freising zum großen Ehrenamtsfest nach Freising eingeladen.
Auch ein gemeinsames Singen stand auf dem Programm. Foto: © Kiderle
Knapp 900 Ehrenamtliche waren der Einladung des Diözesanrats gefolgt und ließen auf dem Domberg und in der Stadt Freising gemeinsam voller Anerkennung und Dankbarkeit das Ehrenamt hochleben. Während das Fest ursprünglich nur für 650 Teilnehmende geplant war, konnten nach einer Erhöhung der Kapazitäten infolge des großen Zuspruchs mehr Ehrenamtliche mitfeiern.
Los ging es standesgemäß mit einem Gottesdienst im altehrwürdigen Freisinger Mariendom, in dem kein Sitzplatz unbelegt blieb. „Das Ehrenamt hat im Erzbistum viele Gesichter, ob mit einem kleinen punktuellen Einsatz oder mit einem langfristigen Mandat: Sie sind es, die der Kirche in Ihrer Pfarrei vor Ort auch ein Gesicht geben“, rief Armin Schalk, Vorsitzender des Diözesanrats der Katholiken der Erzdiözese München und Freising, in seinem Grußwort den Engagierten zu.
Zuversichtlich und neugierig bleiben
In seiner Predigt ermutigte Kardinal Reinhard Marx die Ehrenamtlichen, „zuversichtlich und neugierig zu bleiben“ und den Menschen eine Botschaft zu vermitteln, „die nach vorne weist, die einen neuen Blick auf das Leben, die Welt und sich selbst öffnet, die heilt“. Im Gespräch mit unserem Magazin [inne]halten unterstrich der Erzbischof die große Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements: „Ich kann mir eine Kirche ohne die vielen Ehrenamtlichen überhaupt nicht vorstellen. Das würde nicht funktionieren. Eine Kirche, ohne dass alle Getauften mitmachen, wäre eine reine Klerikerkirche. Das wäre nicht die Kirche, die Jesus gewollt hat.“
Nach dem Gottesdienst verteilten sich die Teilnehmenden auf dem Domberg und in der Freisinger Innenstadt, wo der Diözesanrat ein buntes Programm organisiert hatte, das die Bedeutung und den unermüdlichen Einsatz der Ehrenamtlichen würdigen sollte. Von Fortbildungsangeboten bis Kirchen-Kabarett, von Konzerten bis zu Kunst-Workshops, von Virtual-Reality-Erlebnissen bis zu Begegnungsangeboten: Grund zur Langeweile gab es keinen.
Raum für Austausch
Das Diözesanmuseum bot kostenlose Führungen durch seine aktuellen Ausstellungen an. Besonders faszinierend war für viele hier die Lichtinstallation von James Turrell, die in Anspielung auf das bedeutende byzantinische Lukasbild des Diözesanmuseums gestaltet wurde und die Besucher den Verlust von Raum und Zeit durch scheinbar aufgelöste Grenzen erfahren ließ.
Im St. Georg-Haus informierten kirchliche Organisationen wie das Osteuropa-Hilfswerk Renovabis oder die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) über ihre Arbeit. Ein besonderes Highlight waren die Gesprächsrunden im Innenhof des Hauses, bei denen Kardinal Marx, Bruder Paulus Terwitte OFMCap und die bayerische Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU) nacheinander über Glauben, Gemeinschaft und gesellschaftliche Verantwortung diskutierten. Diese Begegnungen boten den Ehrenamtlichen die Gelegenheit, ihre Anliegen direkt mit hochrangigen Vertretern von Kirche und Politik zu teilen. Die Ehrenamtlichen konfrontierten ihren Erzbischof dabei auch mit kritischen Fragen zu Problemen in den Pfarreien, woraufhin dieser ausführlich Stellung bezog. „Danke für euer Engagement!“, rief Kardinal Marx den Teilnehmenden am Ende der Gesprächsrunde zu.
Ein Fest der Gemeinschaft
Aus Gesprächen mit den Ehrenamtlichen wurde deutlich, dass die Gründe für ihr Engagement durchaus unterschiedlich sind. Benedikt Gernand, der als Diözesanvorstand des Ministrantenverbands tätig ist, motiviert die Arbeit mit den Ministranten und die Möglichkeit, die Interessen junger Menschen auf Diözesanebene zu vertreten. Charlotte Reitsam, die bereits seit 1996 im Domchor singt, will dagegen die Energie des gemeinsamen Singens spüren. Und Thomas Waldvogel, der sich als Seniorenbeauftragter des Landkreises Rosenheim und im Pfarrgemeinderat der Pfarrei Griesstätt betätigt, treibt die Freude daran an, dass er andere Menschen unterstützt und ihnen hilft. Sie alle eint, dass der Spaß an der Tätigkeit gegenüber den Zweifeln in schwierigen Momenten überwiegt.
Den Abschluss des ereignisreichen Tages bildete eine Schlussandacht in der Pfarrkirche St. Georg. Diözesanratschef Schalk zog gegenüber unserem Magazin [inne]halten ein positives Fazit des Tages: „Die Stimmung war von Anfang an ganz toll. Das hat sich fortgesetzt durch einen wunderbaren Gottesdienst hindurch. Es ist einfach ein vielfältiges Zusammenkommen, viel Ratschen, viel Treffen, viel Austausch. Genauso haben wir es uns gewünscht!“ Die größte Herausforderung für das Ehrenamt besteht laut Schalk in der heutigen Zeit darin, „sich in dem ganzen gesellschaftlichen Wandel zu behaupten“, wobei das kirchliche Ehrenamt nach wie vor eine hohe Wertschätzung in der Gesellschaft genieße.
Gemeinsam den Glauben leben
Damit das so bleibt, braucht es auch öffentlichkeitswirksame Aktionen wie das Ehrenamtsfest in Freising. Dieses war nicht nur eine Würdigung der Arbeit der Ehrenamtlichen, sondern auch ein Zeichen der lebendigen und aktiven Gemeinschaft, die gemeinsam Glauben lebt und gestaltet. Eines wurde deutlich: Wenn es nach den vielen Ehrenamtlichen geht, müsste man mit dem nächsten Ehrenamtsfest nicht auf das nächste Bistumsjubiläum warten.



