Johannes Paul II. in München
600.000 Gläubige, Gedränge und ein verlorener Bischofsring: So berichtete die Kirchenzeitung 1980 von der Papstmesse in München.
Papst Johannes Paul II. 1980 im Papamobil auf der Münchner Theresienwiese. Foto: © Archiv
Die beiden Texte zeigen, wie die Münchener Katholische Kirchenzeitung den Münchner Papstbesuch 1980 zugleich als religiöses Großereignis und als lebendige Massenszene schilderte. Der Hauptartikel betont Begeisterung, Nähe zum Papst und die Dimension von 600.000 Gottesdienstbesuchern auf der Münchner Theresienwiese, verschweigt aber Gedränge, Kommunikationsprobleme und organisatorische Pannen nicht. Die kurze Meldung vom verlorenen Bischofsring setzt dazu einen heiteren Akzent und rückt einen ehrlichen Ministranten ins Zentrum.
[inne]halten - das Magazin 19/2026
Himmlische Klänge
Wie Gläubige sich von Musik inspirieren lassen
Lesen Sie im [inne]halten-Magazin unseren Themenschwerpunkt und weitere Geschichten und Berichte aus dem kirchlichen Leben.
Der Höhepunkt mit 600 000 Menschen
Die Ordnung war zwar nicht mehr ganz ordentlich, als Johannes Paul II. mit etwas Verspätung vom Hauptbahnhof kommend an der Bavaria vorbei in seinem Sichtwagen zur Altarinsel auf die Theresienwiese kam – wohl aber Zahl und Beifall der Gottesdienstteilnehmer, die längst auch die freigehaltenen Flächen und Zufahrtswege zum Altar in Beschlag genommen hatten.
Vor allem die rund 6000 Ministranten rund um den Altar, dann die Fahnen, Banner und Transparente brachten Wärme in den frühwinterlichen Morgen. Nur kurze Zeit gönnte sich der Papst in seinem Ruheraum unter der Insel für eine vorbereitende Meditation, während die an drei verschiedenen Plätzen nach Regionen postierten Kirchenchöre mit ihren 3000 Sängern Marienlieder anstimmten. Sie hatten es auch später schwer, dem Wind Herr zu werden, der um diese Zeit winterlich kalt über die Theresienhöhe strich. Auch die Gebete der Liturgie und die Ansprache des Papstes kamen in den entfernteren Regionen nur bruchstückweise an: was der Wind nicht davontrug, war aus sich gegenseitig überlagernden Lautsprechern oft nur schwer zu entwirren.
Etwas verwirrt war auch der Auftakt. Als Johannes Paul II. mit dem Altardienst und Kardinal Ratzinger den rückseitigen Ausgang der Altarinsel verließ, um grüßend und winkend dem Hauptaufgang zuzustreben, da gab es bei den nächststehenden Ministranten und Gottesdienstteilnehmern kein Halten mehr. Im Nu war der Papst mit seiner Begleitung eingekeilt. Am Ende sollte es nicht anders sein. Erst größere Polizeieinheiten konnten da freien Weg zur Weiterfahrt ermöglichen. „Opfer“ dieser „begeisterten Unordnung“ waren auch zahllose Gläubige bei der Kommunionausteilung. Da waren Wege verstopft, Zugänge blockiert oder den austeilenden Geistlichen die Hostien vorzeitig ausgegangen.
Vieles, was sich da vorne auf dem Altar abspielte, war vom Großteil der über 600 000 Gottesdienstteilnehmer nur in fast unwirklicher Ferne wahrzunehmen: die Gabenüberreichung der Jugend – Früchte, Handwerksgeräte, Werkzeuge, ein Ringbuch mit Aufsätzen und ein Rollstuhl. Sensationen gab es keine, es sei denn nachträglich gemachte. Das gilt für die Gabe der Pfadfinder, die sich entgegen dem geplanten Atomkraftwerk in Kuchenform für Blumen und Lilienbanner entschieden. Und ebenso für das Statement der BDKJ-Vorsitzenden Barbara Engl. Für die meisten war der Gottesdienst selbst die Sensation: mit einer für jeden verständlichen Predigt, wie man sie sich jeden Tag wünschen würde.
Viele hatten den Papst bei seiner Fahrt um den Platz zu Beginn des Gottesdienstes aus größerer Nähe zu sehen bekommen. Dann war er für sie wieder in die Ferne entrückt, auf die Altarinsel, der Kontakt weithin auf das Hören begrenzt. „Uns freut es, daß der Papst hier ist, und deshalb sind wir da“, meinte eine junge Familie am Rand der Wies'n stellvertretend für die Hunderttausende.
Bischofsring gefunden
Bischöfe, so scheint es, spielen manchmal auch mit ihrem Bischofsring. Sonst wäre doch der Regensburger Weihbischof Vinzenz Guggenberger am Ende des Papstgottesdienstes auf der Theresienwiese nicht ohne dieses Symbol bischöflicher Würde dagestanden. Aber die Geschichte hat noch einen anderen Aspekt. Sie zeigt, daß die Ministranten nicht nur Lausbuben sind, sondern auch findige und darüber hinaus ehrliche Burschen. Es war ein Ministrant, der den Ring gefunden und als ehrlicher Finder auch abgeliefert hat. In der Hetze des Tages wurde leider versäumt, ihm eine gebührende Anerkennung zukommen zu lassen. Deshalb die Bitte, er möge sich umgehend bei der MKKZ-Redaktion (Telefon 0 89/26 70 43) melden!
Foto: © Archiv



