Phedre

Verbotene Liebe, Schuldkonflikt und Schicksal im französischen Klassizismus - ein höfisches Drama in alexandrinischen Versen
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Artikelbeschreibung

Jean Baptiste Racines "Phèdre" (1677) verdichtet den antiken Mythos um Phädra, Hippolytos und Theseus zu einer der strengsten Tragödien des französischen Klassizismus. In makellosen Alexandrinern, unter Beachtung von Einheit, Wahrscheinlichkeit und Schicklichkeit, entfaltet das Stück die zerstörerische Logik einer verbotenen Leidenschaft. Racine verbindet euripideische und senecanische Vorlagen mit einer außergewöhnlich modernen Psychologie: Schuld, Begehren und Sprache werden zu Kräften, denen die Figuren kaum entrinnen. Racine, 1639 geboren und in der geistigen Atmosphäre von Port-Royal erzogen, brachte in sein Theater eine von jansenistischer Strenge geprägte Sicht auf menschliche Schwäche ein. Seine Nähe zum Hof Ludwigs XIV., seine Konkurrenz mit Corneille und seine intime Kenntnis der antiken Tragödie erklären die formale Disziplin wie auch die moralische Intensität von "Phèdre". Das Werk markiert einen Höhepunkt seiner dramatischen Kunst, kurz bevor er sich weitgehend vom Theater abwandte. Empfohlen sei "Phèdre" allen Leserinnen und Lesern, die Tragödie nicht als bloße Handlung, sondern als Untersuchung des inneren Konflikts verstehen möchten. Das Stück bietet eine exemplarische Begegnung mit klassischer Formstrenge und seelischer Radikalität und bleibt deshalb für Literaturwissenschaft, Theaterpraxis und philosophische Lektüre gleichermaßen unverzichtbar.

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