Geisterbahn

Roman
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Buchprofile - Rezension
Familiensaga aus Deutschland von der Nazizeit bis in die Gegenwart.
Trier, in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts: Da ist die Familie Dorn, Sinti, die ein Schaustellerunternehmen leiten. Da ist Willi Torgau, der sich vor dem aufkommenden Unheil des Nationalsozialismus dem Kommunismus zuwendet. Und da ist die Familie Blank, deren Oberhaupt ein strammer Nazi-Polizist ist. Schon bald geraten alle Familien in den Strudel der Geschichte: Die Dorns werden Opfer der "Zigeunergesetze", das heißt Zwangssterilisation, Zwangsarbeit, Deportation. Auch Willi Torgau und seine Familie leiden unter dem Nazi-Regime und bald darauf dem Krieg, während Vater Blank zum brutalen Schergen des Systems wird. Nach dem Krieg versuchen alle drei Familien, das Trauma auf ihre Weise zu bewältigen. Auch ihre Kinder, die gemeinsam in die Schule gehen und geprägt sind von der Welt ihrer Eltern. - Ursula Krechel, schon mit ihren anderen Romanen preisgekrönt, schreibt mit ihrer neuen Familiensaga Zeitgeschichte. In einem Stil, der auch die schlimmsten Gräuel ohne Pathos erzählt, spannend und farbig, und mit Protagonisten, die sie stimmig gestaltet, mit einer detailreichen und historisch exakten Handlung gelingt es ihr, ein Stück deutscher Geschichte unmittelbar erfahrbar zu machen. Dieser Roman leistet mehr an Vergangenheitsbewältigung als viele wissenschaftliche Studien. Wer ihn gelesen hat, wird die Personen nicht mehr vergessen. Und etwas nachdenklicher mit der deutschen Vergangenheit umgehen. Unbedingt zu empfehlen für jede Bücherei und Leser ab etwa 16 Jahren.
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Artikelbeschreibung

Fast ein Jahrhundert umspannt der Bogen dieses Romans, mit dem Ursula Krechel fortsetzt, was sie, vielfach ausgezeichnet und gefeiert, mit Shanghai fern von wo und Landgericht begonnen hat. Geisterbahn erzählt die Geschichte einer deutschen Familie, der Dorns. Als Sinti sind sie infolge der mörderischen Politik des NS-Regimes organisierter Willkür ausgesetzt: Sterilisation, Verschleppung, Zwangsarbeit. Am Ende des Krieges, das weitgehend bruchlos in den Anfang der Bundesrepublik übergeht, haben sie den Großteil ihrer Familie, ihre Existenzgrundlage, jedes Vertrauen in Nachbarn und Institutionen verloren. Anna, das jüngste der Kinder, sitzt mit den Kindern anderer Eltern in einer Klasse. Wer wie überlebt hat, aus Zufall oder durch Geschick, danach fragt keiner. Sie teilen vieles, nur nicht die Geister der Vergangenheit.Mit großer Kunstfertigkeit und sprachlicher Eleganz erzählt Ursula Krechel davon, wie sich Geschichte in den Brüchen und Verheerungen spiegelt, die den Lebensgeschichten einzelner eingeschrieben sind. Auf einzigartige Weise schafft sie eine atmosphärische Dichte, in der vermeintlich Vergangenes auf bewegende und bedrängende Weise gegenwärtig wird.

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