Ich fühl's nicht

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Buchprofile - Rezension
Wer schmachtet heute eigentlich noch wen an? Über Beziehungsmuster von gestern und heute und Gefühlsdefizite.
Leonardo DiCaprio kommt in der Graphic Novel der schwedischen Feministin nicht gut weg. Führt Strömquist doch neben dem DiCaprio zugeschriebenen Titel-Zitat gleich im ersten Teil mit Zeitungsausrissen vor, wie der Schauspieler etliche Models in kurzen Beziehungen "verheizte" und der Öffentlichkeit weis zu machen suchte, all seine Trennungen seien "in beiderseitigem Einvernehmen" erfolgt. Sexuelle Revolution? Gleichberechtigung? Strömquists kritischen Beobachtungen nach sind die Liebesbeziehungen von heute nach wie vor nicht von Fairness geprägt. Und wer nach einer Trennung im Schlamassel steckt, ist in der Regel die Frau, nicht der Mann. Außer DiCaprio analysiert der Comic auf amüsante Weise die Beziehungsmuster fiktiver Helden wie die des Star Wars Schurkencharakters Jabba der Hutte oder von Miraculix, dem schrulligen Alten, der in Asterix-Comics die Zaubertränke mischt. Zusätzlich zu diesen eher scherzhaften Untersuchungsergebnissen spickt Strömquist ihren Comic mit wuchtigen feministischen Zitaten wie die der Soziologie-Professorin Eva Illouz, die sagt: "Es ist seitens der Männer eine neue Form emotionaler Herrschaft entstanden - die sich darin äußert, dass Frauen emotional verfügbar sind - während Männer sich nicht binden wollen - da sich die Bedingungen der Wahl verändert haben." Mit witzigen Bildern und klugen Kommentaren zeigt Stömquist auf, dass in unserer Welt des Spätkapitalismus das Bild der romantischen Liebe längst über Bord geworfen wurde. Liebe ist heute eher so etwas wie eine privat verabredete Ersatzreligion, deren vermeintliche AGBs jederzeit aufkündbar sind, versteht sich. Die schwarz-weiße Bildwelt ist gleichermaßen witzig wie mutig. Die von ihr diagnostizierte Männermacht ist längst keine patriarchalische mehr. Die gefährliche neue Macht der Männer liegt darin, Gefühle und Leidenschaft im Gegensatz zu Frauen einfach zurückhalten zu dürfen. Frauen gestehen Männern heutzutage ihre Liebe und akzeptieren es wie selbstverständlich, wenn das männliche Gegenüber sich einfach auf die beziehungs-tödliche Position zurückzieht "nichts zu fühlen". Männer des 21. Jh. demonstrieren ihre Macht dadurch, dass sie nicht länger Frau und Kinder am Hosenbein hängen haben, sondern bindungsfrei sind und spannende Profile auf gleich mehreren Dating-Seiten pflegen. Ist Liebe ohne jeden Zauber für Strömquist? Keineswegs. Sie macht deutlich, dass Liebe kein austauschbarer Konsumartikel ist, sondern Selbsthingabe erfordert und bestenfalls Selbstverwirklichung nach sich zieht. Lesenswert.
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Artikelbeschreibung

Laut Boulevardpresse unterhielt Leonardo DiCaprio in den letzten Jahren zahllose Beziehungen - allesamt mit bildhübschen und gleichbleibend jungen Topmodels - aber mit keiner hatte er eine länger andauernde Liebesbeziehung. Was läuft da schief? Sind die Gründe in der Konsumgesellschaft und ihrer Neigung zum Narzissmus zu suchen? In den Gesetzen der Biologie? Oder ganz einfach daran, dass der gute Leo noch nicht auf die richtige Seite gefallen ist? Liv Strömquists neues Buch "Ich fühl's nicht" ist ein Plädoyer für eine von den Zwängen der Konsumgesellschaft befreite Liebe. Eine neue Gelegenheit für Strömquist, verliebte Verhaltensweisen im Zeitalter des Spätkapitalismus zu analysieren und sie zu hinterfragen: Wie können die Impulse des Herzens gemeistert werden? Was tun bei Liebeskummer? Warum enden Liebesgeschichten im Allgemeinen schlecht ...? Und warum flattern manche Leute unentwegt, ohne jemals zu landen?

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