Penelopes zwei Leben

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Buchprofile - Rezension
Zunehmend schwerer fällt es Penelope, von ihren Einsätzen in Aleppo nach Hause zu kommen.
Als Chirurgin zu Katastropheneinsätzen gerufen zu werden, ist für Penelope eine Berufung, die sie mit höchster Leistungsbereitschaft ausübt. Normalerweise fällt es ihr leicht, bei der Rückkehr nach Brüssel zu ihrer Familie den Dienst hinter sich zu lassen. Doch als sie ein schwer verletztes Mädchen in Aleppo nicht retten kann und es stirbt, nimmt Penelope diese Tote in Gedanken mit nach Hause. Ihre gut situierte Welt wird ihr zunehmend fremd. Dass nicht ihre Arbeit, sondern die Heimkehr zum Problem wird, verstört sie zutiefst und schließlich zieht sie die Konsequenzen. Selbst wenn die Gräuel des Bürgerkrieges in dieser Graphic Novel nur angedeutet werden, so erfährt der Leser doch viel von den psychischen Belastungen der Helfer. Auf jeder der Seiten ist die Kluft zwischen den Welten das Thema: die in sanften, schönen Aquarellfarben hingetuschten Szenen vermitteln die familiäre Geborgenheit, die auch kleinen Alltagsproblemen Stand hält. Aber die Erinnerungsbilder an das Leiden und den Tod brechen zu häufig unvermittelt ein, um sie aus der Lektüre auszublenden. Insofern nähert sich der Leser der Hauptfigur an. Sogar die namentliche Anbindung an Homers Odyssee vermittelt diesen doppelten Bruch: hier ist Penelope nicht die wartende Ehefrau, sondern die Akteurin, die von ihren Erlebnissen überwältigt wird und davon nichts erzählen kann. Die kurze Dokumentation, die sich dieser Geschichte anschließt, zeigt in dichten, ausdrucksstarken Bildern das menschliche Elend im Flüchtlingscamp Moria; auch diese Szenen verweigern sich dem linearen Erzählen. Eine der Ärztinnen auf Moria war das authentische Vorbild für Penelope. Diese große Frauenfigur verkörpert den Willen, sich der Verzweiflung entgegenzustellen, was sie mit dem Verlust ihres Familienlebens bezahlt. Von dieser Zerrissenheit erzählt diese Graphic Novel in beeindruckender Weise.
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Artikelbeschreibung

PENELOPE von Judith Vanistendael ist bewegende, entwaffnende und unterhaltsame Lektüre zugleich, ihre Ärztin eine durch und durch menschliche Figur. In leichten und dynamischen Aquarellzeichnungen erzählt die Autorin die Geschichte einer nicht ganz alltäglichen Familie, von Verantwortung und Einsamkeit. Dabei hinterfragt sie Rollenbilder und stellt ganz nebenbei Homers Odyssee auf den Kopf. Penelope ist Ehefrau, Mutter und Chirurgin. Während ihre Tochter zu Hause in Belgien mit der Pubertät zu kämpfen hat, rettet sie Leben in einem Feldkrankenhaus in Aleppo. In der harten Kriegsrealität verliert sie Patienten, zu Hause warten ein liebevoller Ehemann und eine entzückende Tochter. Es fällt ihr zunehmend schwerer, ihre Berufung mit ihrem Familienleben in Einklang zu bringen, denn sie denkt ständig an die Toten, die sie zurückgelassen hat.

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