Großer Bruder, kleine Schwester

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Buchprofile - Rezension
Zwei Waisenkinder, Opfer des Vietnamkriegs, finden auf verschlungenen Wegen zueinander.
Am Beispiel persönlicher Schicksale von Kindern, die mit der "Operation Babylift" 1975 ins Ausland geflogen wurden, wird die Geschichte des Vietnamkriegs dargestellt. Die Autorin erzählt die Geschichten von Tâm und Louis in kurzen bildhaften Szenen. Tâm ist die Tochter eines französischen Plantagenbesitzers und einer Vietnamesin. Die Eltern wurden während eines Angriffs getötet und Tâm von ihrer Amme gerettet und auf Umwegen mit der "Operation Babylift" ins Ausland gebracht. Louis ist Kind einer Vietnamesin und eines schwarzen GIs, der sich in seiner Jugend als Straßenkind und Taschendieb durchgeschlagen hat, bis er eines Tages ein ausgesetztes Baby fand. "Wenn ich wüsste, wie man ein Gespräch beendet ... hätte ich die Fäden … für Sie entwirrt, damit die Geschichte … geklärt ist", schreibt die Autorin. Diese Fäden sind zeichnerisch in den Text eingefügt. Im letzten Kapitel verwebt die Autorin die Fäden zu einem "unvollkommenen Ende". Es bleiben für den/die Leser/-innen viele Eindrücke vom Schicksal der Menschen während des Krieges und der Teilung Vietnams, von der Unmenschlichkeit, von den zu "Killermaschinen" gedrillten US-Soldaten und von der Gründung von Nagelstudios, mit denen gerettete und geflüchtete Vietnamesen ihr Leben fristeten. Ein kleines, kunstvoll gestaltetes Buch, das besondere Aufmerksamkeit verdient.
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Artikelbeschreibung

Die Liebe zwischen Alexandre und Mai, einem französischen Plantagenbesitzer und einer vietnamesischen Widerstandskämpferin, begann mit Gewalt. Das Glück kam unvorhergesehen und währte kurz, den Angriff auf Alexandres Plantage überlebt nur ihre Tochter Tam. Auf den Straßen Saigons schlägt sich Louis durch, Sohn einer Vietnamesin und eines schwarzen GIs, der schon mit sechs Jahren die Kunst des Taschendiebstahls beherrscht. Eines Tages findet er ein ausgesetztes Baby mit reisfeldgrünen Augen. Liebevoll kümmert er sich um das Mädchen und nennt es Em H ng, doch das Kriegsende reißt sie auseinander. Jahrzehnte später begegnet Emma-Jade auf dem Flughafen einem Mann, der ihr zugleich so ähnlich ist und doch so fremd. Woher kennen sie sich? Inspiriert von der Operation Babylift, bei der 1975 vietnamesische Kinder ohne Eltern ins Ausland geflogen wurden, erzählt Kim Thúys Roman in so knappen wie atmosphärischen Bildern von dem Schicksal dieser Kinder. Sie leben mit den traumatischen Erinnerungen in fremden Ländern, meist in Adoptivfamilien, und müssen eine eigene Identität und Zugehörigkeit finden.

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Personeninformation

Kim Thúy wurde in Saigon geboren und floh als Zehnjährige mit ihrer Familie in den Westen. Sie arbeitete als Dolmetscherin und Rechtsanwältin, als Gastronomin, als Kritikerin und Moderatorin für Radio und Fernsehen. 2010 wurde sie mit ihrem in zahlreiche Sprachen übersetzten Überraschungserfolg Der Klang der Fremde als Autorin bekannt. Es folgten Der Geschmack der Sehnsucht (2014) und Die vielen Namen der Liebe (2017). Kim Thúy lebt in Montreal.
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